Merkel-Herausforderer gesucht
Was nun, SPD?

Nach Merkels „Ja“ zur erneuten Kanzlerkandidatur stehen die Zeichen für die Bundestagswahl 2017 auf ein „Weiter so“. Die einzige Unsicherheit kommt vom Koalitionspartner. Wer wird für die SPD die Kanzlerin herausfordern?
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BerlinSie habe unendlich viel nachgedacht, das hat Angela Merkel am Sonntag zu ihrer Kandidatur für eine vierte Amtszeit im Kanzleramt gesagt. Sigmar Gabriel grübelt noch. Tritt er gegen Merkel bei der Bundestagswahl an? In der SPD – eben noch beschwipst vom Steinmeier-Coup ihres Vorsitzenden – weiß es keiner so richtig.

Mal sei Gabriel fest entschlossen – eine Stunde, einen Tag später sei es genau umgekehrt, sagen wichtige Genossen. Er wägt ab, ob es das Beste für die SPD ist, wenn er selbst Merkel herausfordert.

Nun ist klar: Die SPD will erst Ende Januar entscheiden, wer als Kanzlerkandidat gegen Amtsinhaberin und CDU-Chefin Angela Merkel ins Rennen geht. Die K-Frage soll dann abschließend auf einer Vorstandsklausur geklärt werden. Darauf verständigte sich am Montag die SPD-Spitze einstimmig in Berlin, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr. Damit bleibt die SPD bei ihrem ursprünglichen Fahrplan. Die Sozialdemokraten wollen sich nicht von der Ankündigung Merkels, die am Sonntag ihre Kandidatur für eine vierte Amtszeit bekanntgegeben hatte, treiben lassen.

CDU-Chefin Merkel hat – für ihre Verhältnisse – ungewohnt offen und menschlich erzählt, wie schwer ihr die Entscheidung gefallen ist: „Kannst du dem Land noch etwas geben? Reicht die Kraft? Bist du neugierig genug?“ Merkel hat Ja gesagt. Auch nach elf Jahren und vielen Anfeindungen seit der Flüchtlingskrise strahlt sie einen unbedingten Machtwillen aus. Gabriels Problem ist: Er ist bei den Bürgern weder so beliebt, noch in der SPD so alternativlos wie Merkel in der Union.

Das bekommt er am Wochenende von der „Bild am Sonntag“ noch einmal Schwarz auf Weiß zum Frühstück serviert. Bei einer Direktwahl läge Amtsinhaberin Merkel mit 51:21 Prozent gegen ihn vorne. Selbst 54 Prozent der SPD-Anhänger sind für Merkel.

Und da ist ja noch Martin Schulz. Gabriels Kumpel, aber nun auch ein Rivale. Der EU-Parlamentspräsident pokert. Er würde gerne seinen prominenten EU-Posten in Brüssel behalten. Die Zeit des Aussitzens läuft jedoch ab. Blockieren die Konservativen in Brüssel Mitte Dezember endgültig Schulz' Anschlussverwendung? Dann käme er beschädigt ins Amt des deutschen Außenministers, das der schwarz-rote Bellevue-Kandidat Frank-Walter Steinmeier voraussichtlich zum Jahreswechsel freimacht. Es würde wie ein Trostpflaster wirken.

Schulz ist beliebter als der Parteichef. Als Außenminister dürfte Schulz noch populärer werden. Das war bei allen Chefdiplomaten so, von Guido Westerwelle einmal abgesehen. Liegt es da nicht nahe, Schulz auch zum Kanzlerkandidaten zu machen? Könnte die SPD machen. Aber was wird dann aus Gabriel? Einfach weitermachen wie bisher als Parteichef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister – auf dem Tandemrad hinter Steuermann Schulz? Schwer vorstellbar. Nur als Spitzenkandidat kann Gabriel auf Dauer den Vorsitz behaupten; Andrea Nahles und Olaf Scholz stehen längst bereit.

Kommentare zu " Merkel-Herausforderer gesucht: Was nun, SPD?"

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  • Schulz, ein Buchhändler aus der rheinischen Provinz wäre - wenn er Kanzlerkandidat würde und in dieses Amt gewählt würde, Gott behüte!!! - der erste Kanzler Deutschlands ohne Abitur seit 1945.

    Das muss wirklich nicht sein. Doch daran erkennt man, in welch verheerender Lage der 20-Prozent-Verein namens SPD steckt.

  • Was nun, SPD? Völlig egal, als Angehörige der Einheitspartei brauchen die Herrschaften halt alle vier Jahre jemanden der mitmacht bei der Wahl.

  • "Weiter so" soll doch wohl ein Witz sein angesichts des Asylantragstellerchaos, Terrorgefahren, Millaidenbetrug der Konzerne, unbegrenzte Leiharbeit , Altersarmut Rentenchaos, Mobbing und burnout auf dem Arbeitsmarkt, Ghettobildungen in den Ballungszentren, Parallelgesellschaften und Rechtsfreie Räume z.B in Berlin, Dortmund Hamburg ,katastrophal arbeitenden STaats und Regierungsbeamten und Minister-( Innen), Millardenverschuldung, Schlamperei bei Agentur für Arbeit, Kommunen Landesregierung, Einschränkung der Meinungsfreiheit in den Konzernen, Steuergeldvernichtung für Griechenlandpleite, Massenentlassung und Korruption der Konzerne usw usw.

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