Merkel in China und Japan
Handlungsreisende in Sachen Klima

Die bislang längste Auslandsreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist sehr viel politischer ausgerichtet als die Staatsbesuche ihrer Vorgänger. In Japan und China will sie für die Umwelt werben – und hat auch eine große Wirtschaftsdelegation mit an Bord.

BERLIN/PEKING. Merkel ist weniger als Helmut Kohl und Gerhard Schröder auf den wichtigsten Märkten Asiens eine Handelsreisende, denn Handlungsreisende in Sachen Klimaschutz. Höhepunkt ihrer siebentägigen Reise, die an diesem Sonntag beginnt, wird für Merkel nach Angaben aus dem Kanzleramt ihre „symbolische Rückkehr nach Kyoto“ sein: In der japanischen Stadt wird die deutsche Regierungschefin, die auch in ihrer Rolle als amtierende G8-Vorsitzende nach Asien reist, zehn Jahre nach Vereinbarung des so genannten Kyoto-Klimaprotokolls in einer Grundsatzrede ihre Umweltpolitik erläutern. Als Umweltministerin unter Kohl hatte Merkel das Kyoto-Protokoll mitverhandelt.

Während Japan und die Europäer engagierte Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase vorgelegt haben, will Merkel vor ihren Gesprächen mit dem japanischen Premier Shinzo Abe und Kaiser Akihito China von mehr Umweltschutz überzeugen.

Merkels Delegation gab sich am Donnerstag zuversichtlich, dass es in den Klimaverhandlungen mit China „eine Entwicklung geben wird“. Konkrete Zusagen Pekings, das bisher weder dem Kyoto-Protokoll noch verbindlichen Zielvorgaben beim Klimaschutz zugestimmt hat, erwarten zwar beide Seiten zwar nicht. Doch China bekundet ernsthafteres Engagement denn je: „Beide Seiten haben Interesse an echter Substanz“, bewertet ein hoher Beamter in Peking den geplanten Ablauf der Gespräche. Nicht nur mit Premier Wen Jiabao, auch mit Staats- und Parteichef Hu Jintao sei mehr Zeit als sonst vorgesehen, „um alle Probleme besprechen zu können“.

Neben dem Klimawandel und einer Diskussion über Menschenrechte und Medienfreiheit steht dabei der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern ganz oben auf Merkels Tagesordnung. Mit Merkel reist eine hochrangige Wirtschaftsdelegation nach Peking. Dabei sind neben BASF-Chef Jürgen Hambrecht und dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher unter anderem auch Daimler-Chrysler-Vorstand Rüdiger Grube, Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni, Lanxess-Chef Axel Heitmann sowie Vertreter der Deutschen Bank, DHL, Dräger und Thyssen-Krupp.

Der Stahlkonzern will ebenso wie MAN Nutzfahrzeuge ein neues Abkommen mit chinesischen Partnern unterzeichnen. Zudem soll die deutsche Leasingfirma Windrose Air eine Kooperation mit einer chinesischen Fluggesellschaft zum Leasing von kleineren Geschäftsflugzeugen eingehen, bastelt Siemens noch einem möglichen Abschluss im größeren Stil. In Nanjing wird Merkel am Dienstag das Forschungszentrum von Siemens besuchen.

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