Merkel in Heidenau
Pfiffe für die Kanzlerin

Sigmar Gabriel hat es getan, nun auch die Kanzlerin: Angela Merkel besucht ein Flüchtlingsheim. In Heidenau empfangen Merkel wütende Demonstranten und verängstigte Flüchtlinge. Lösungen hat sie nicht im Gepäck.
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HeidenauEs ist heiß, laut, Schweißgeruch füllt den Raum. Feldbetten mit Schlafsäcken stehen auf dem Boden. Einige Flüchtlinge liegen darauf, es gibt so viel Zeit zu vertreiben. Nur Plastikplanen dienen den Menschen als Trennwände. Man hat die Flüchtlinge nach Herkunftsländern unterteilt, sonst gebe es Stress, sagt ein Flüchtling. Hier die Syrer, da die Iraker, dazwischen Afghanistan, und die Afrikaner. Dazwischen springen Kinder, Spielzeug haben sie kaum.

Privatsphäre gibt es hier nicht in dem Gebäude eines ehemaligen Baumarktes. In einem Nebenraum sind fünf Toiletten. Frauen waschen ihre Kinder am Waschbecken. Duschen gibt es nur wenige. Hunderte verzweifelte Seelen wollen heute der Kanzlerin ihr Elend, ihre Angst, ihre Hoffnung zeigen. Was bleibt? Was ändert sich wenn sie wieder geht?

Laute Buhrufe und Pfiffe von draußen kündigen Angela Merkel an. Rechte Demonstranten rufen von der gegenüberliegenden Straßenseite „Volksverräter“, „dem Deutschen Volke“ und „Wir sind das Pack“. Die Polizei hat das Gelände abgesperrt. Die Rufe dringen trotzdem in die Unterkunft. Vizekanzler Sigmar Gabriel, der einen Tag zuvor die Unterkunft besuchte, hatte die Rechtsradikalen als „Pack“ bezeichnet.

Sie ist doch gekommen. In die Region reisen wollte sie sowieso. Die Eröffnung einer Uhrenmanufaktur in Glashütte stand schon lange im Kalender der Bundeskanzlerin. Doch nach den Ausschreitungen vom Wochenende vor der Flüchtlingsunterkunft hat Angela Merkel spontan ihre Pläne geändert, den Besuch in der Flüchtlingsunterkunft vorgezogen, um ein Zeichen zu setzen. Begleitet wird Merkel von dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und dem Bürgermeister von Heidenau.

Als Merkel die Notunterkunft betritt, scharen sich die Menschen um sie. Einige der Flüchtlinge haben Smartphones, fotografieren. Fast jeder kennt die Kanzlerin. Merkels Bodyguards versuchen ihr den Weg zu bahnen. Merkel spricht auf Englisch mit den Menschen, fragt wie es ihnen gehe. Sie schüttelt Hände, hört zu. Überschwängliche Emotionen sind ihre Sache nicht. Als Merkel zuletzt mit dem Flüchtlingskind Reem sprach, endete das in einem PR-Desaster. Heute soll es anders werden.  Ein Jeside aus dem Irak erzählt, dass er durch das Verfahren in Deutschland von seiner Familie getrennt wurde. Ein Teil seiner Familie sei nun in Süddeutschland untergebracht. Merkel nickt, und sagt, sie wolle sich kümmern.

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  • Wer angesichts der korrigierten Zahl der Asylanten, die nach Deutschland kommen,
    noch immer der Meinung ist, alles werde sich schon irgendwie einpendeln und die
    deutsche Bevölkerung solle sich mal nicht so anstellen, handelt fahrlässig.
    Denn was ist gewonnen, wenn es im nächsten Jahr wieder heißt: Es kommen noch
    einmal Hunderttausende mehr als angenommen?
    Dazu kommen wohlwollende Interpretationen des Gewaltausbruchs im Flüchtlingsheim
    von Suhl, die mit Traumatisierung, Überbelegung, Langeweile und der Thüringer
    Sommerhitze erklärt werden. Muss man deshalb stundenlang mit Eisenstangen, Steinen,
    Betonklötzen, Möbeln und wüsten Beschimpfungen auf Heimbewohner und Polizisten
    losgehen? Der wohlwollende Ministerpräsident Ramelow zieht daraus den Schluss, dass alle
    Opfer seien ( womit natürlich nicht die Polizisten, sondern vor allem die Täter gemeint
    waren).
    Wer in der heutigen BRD nicht die vorgegebene Regierungsmeinung vertritt und von dieser
    nur abweicht, wird als Rassist, Rechter, Feind und Anhänger der Nationalsozialistischen
    Deutschen Arbeiterpartei abgestempelt. Vom SPD Gabriel als „Pack“ bezeichnet. Dieses
    Pack darf obendrein Steuern zahlen, damit die Regierung dieser Gefälligkeitsdemokratie
    diesem Staat ins totale Chaos führt. Eine Meinungsäußerung gegen vorgegebene Regierungsmeinung
    war in der Zeit von 1933 – 1945 und in der SBZ von 1945 bis 1989 nicht möglich. Wir sind in der
    heutigen BRD auf dem besten Wege, diesen Standard der genannten Zeiträume wieder zu
    erreichen.

  • Tom Schmidt
    Sie haben das sehr gut dargestellt.
    Aber leider wird sich bei uns nichts ändern, so lane wir eine DDRKanlerin bzw. Saatratvorsitzende haben und eine SPD, die völlig ihre Wurzeln verloren hat.
    Dann kommt noch dieser DR-Gauckler dazu.
    Die Bürgr in unsrem Land haben schon lange nichts mehr zu sagen.
    Das wurde ja auch sehr deutlich gezeigt, bei Merkels Besuchen in Marxloh und Heidenau.
    Mit den Bürgern hat sie gar nicht geredet.
    Und dise dämliche Gauckler beschimpft dann alle und schwafelt von Dunkeldeutschland
    Ja, ich glaube, ass wir bald ein seh dunkle Deutschland bekommen werden

  • Tut mir leid, aber wenn ich das lese, werde ich echt sauer.

    Ich habe nach dem NATO-Bombardement in Libyen vor der höheren Arbeitsebene unserer staatlichen Stellen einen Vortrag gehalten. In dem Vortrag habe ich mit Europa-Karte vor einer Flüchtlingswelle gewarnt, da es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese auf uns zurollt. Die höheren Amtsvertreter betonten danach, dass sie die Thematik NATÜRLICH alle auf dem Schirm haben.

    Inzwischen gab es auf Konferenzen weitere Bilder, Bilder wie Städte im syrischen Bürgerkrieg nach den Kämpfen aussehen (im Vergleich zu vorher). Da kann man nur sagen: erschütternd!

    Lange Rede kurzer Sinn, unsere vverantwortlichen Politiker kannten die Situation, nichts was jetzt passiert kommt überraschend! Die Statements pro Menschenwürde sind nur dazu da, um die Fragen, wie man sich darauf vorbereitet hat, von vorne herein zu umgehen. Und: wie es den Leuten in den Ländern da geht, ist unseren Verantwortlichen so etwas von egal.

    Die Strategie unserer Politiker ist doch jetzt folgende: Sich jetzt über rechte Schläger aufregen, das kommt immer gut an. Inzwischen werden Bürgerkriegsflüchtlinge (auch ethnischer Konflikt) zusammen in Containerlager untergebracht, spätestens mit dem Lagerkoller gehen die dann aufeinander los. Dann kippt die Stimmung in der Bevölkerung, und dann werden sich unsere Politiker darin profilieren, gegen diese Gewalt vorzugehen und werden sich als die großen Beschützer der Bevölkerung darstellen. Am Schluss kommt irgendetwas raus, was im Wesentlichen aus den Elementen besteht: keine Hilfe in den Herkunftsländern, ein paar Milliarden Kosten in Deutschland für die Unterbringung und Problembehandlung, viele werden zurückgeschickt und es wird wieder ein paar Straßenzüge geben, die Familienclans für sich beanspruchen. Also maximaler Schaden bei möglichst großer Selbstdarstellung! Wo ist nochmal Dunkel-Deutschland?

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