
ISTANBUL. Angela Merkel drängen viele Fragen. Die Kanzlerin hat ihre Schuhe gegen Lederpuschen getauscht und stapft über den weichen Teppich der Sultan-Ahmed-Moschee. Der Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, hat schon den Papst durch die sogenannte blaue Moschee geführt, jetzt erläutert er Merkel Gebäude und Gebräuche. Und die Kanzlerin will es genau wissen. Ob Frauen beim Beten nach vorne gehen dürfen, fragt sie. Die Übersetzer schauen ein wenig betreten, der Mufti weiß auch nicht recht, was er sagen soll. Merkel will das jetzt aber wissen. Ob es denn schon mal passiert sei, dass eine Frau zum Beten nach vorne gekommen sei, setzt sie nach. Nein, sagt der Mufti, ein alter Mann in weißer Kluft, nach einigem Zögern. "Und, was würden sie dann machen, sie wegschicken?", fragt die Kanzlerin. Nein, nein, sagt der Mufti, das wäre alles kein Problem.
Sieben Stunden mit Erdogan
Reisen bildet. Nach den politischen Gesprächen in Ankara warf sich die Kanzlerin in den Großstadttrubel Istanbuls. Merkel ist neugierig, auf das Land, auf den Islam. Sie besucht die blaue Moschee und drängt sich mit japanischen Touristen in der Hagia Sophia, über ein Jahrtausend die größte Kirche der Christenheit. Sie spricht mit der Medienfamilie Dogan und Unternehmern. Sie lauscht Liedern von Robert Schumann, lässt sich zeigen, wie sich Istanbul als europäische Kulturhauptstadt 2010 feiert. An jeder Station dieses Tages wird ihr klar, wie groß die Hoffnungen sind, die die Türken in die Deutschen setzen - egal ob das die Schüler sind, die in Heidelberg studieren wollen, oder Unternehmer, die auf Erleichterungen bei der Visaerteilung drängen.
Immer wieder wird aber auch klar, dass Angela Merkel in der Türkei vor allem als die Frau wahrgenommen wird, die den ganz großen Wunsch partout nicht erfüllen will: statt einer Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union bietet sie den Türken bloß eine privilegierte Partnerschaft an. Darin wird sie zwar rechtzeitig zu ihrer Reise und zur NRW-Wahl von mehreren Ministerpräsidenten in der Heimat bestärkt, in der Türkei freilich ist diese Haltung wenig populär. "Ich habe jetzt erfahren, dass die privilegierte Partnerschaft hier gar keine gute Konnotation hat", hatte Merkel schon am Montag resümiert.
Beinahe sieben Stunden verbringen Merkel und der türkische Ministerpräsident Erdogan in diesen zwei Tagen zusammen, bei Gesprächen, beim Abendessen, beim Konzert im deutschen Konsulat. Doch so sehr von deutscher Seite auch verlautet, wie gut die Atmosphäre sei - diese Kernfrage trennt beide weiter. "Deutschland wir hier als wichtigster Partner gesehen, da sitzt die Haltung der Kanzlerin bei der Erweiterung natürlich tief", sagt Manuel Sarrazin, ein Europapolitiker der Grünen, der Merkel begleitet.
Es verwundert nicht, daß die beitrittsfrage ein politischer Dauerbrenner ist und das auch noch längere Zeit sein wird, mit durchaus unbestimmtem Ausgang.
Die Türkei ist der kleine Rest des Osmanischen Reichs, welches ebenso wie Österreich-Ungarn von den Siegern des ersten Weltkriegs radikal zerlegt wurde, ohne eine neue stabile Ordnung zu hinterlassen. Der balkan und Nahost beschäftigen seitdem die Weltpolitik. Und die Türkei litt lange - wie Österreich - am Amputationsschmerz.
Der Gründer der modernen Türkei, Kemal Ata Türk, hat zwar die Schrift nach deutscher Phonetik reformiert, aber auch die französische Verfassung abgeschrieben, wie die meisten neuen Staaten dieser Zeit. Die französische Staatsauffassung zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie nicht angemessen mit Minderheiten im eigenen Staatsgebiet umgehen kann. in über 1000 Jahren Geschichte hat F innerhalb seiner natürlichen (!) Grenzen eine große kulturelle Homogenität gewonnen, allerdings durch systematische und meist grausame Unterdrückung seiner Minderheiten in der Vergangenheit. Noch heute findet F keinen entspannten Umgang mit Korsika.
im Falle der Türkei findet dies seinen Niederschlag im unglücklichen Umgang mit dem armenischen Genozid (des Vorgängerstaates) und in der offensichtlichen Unmöglichkeit, die Kurden angemessen zu integrieren. Erdogan verlangt aber nun gerade von Deutschland einen Sonderstatus für die zugewanderten Türken.
Solange die Türkei ihre hier angesprochenen Probleme nicht befriedigend und dauerhaft bereinigt, wird die Debatte über den beitritt sich weiter im Kreis drehen. Religionsfragen sind dabei eher sekundär.
Holzauge
bevor die Türkei in die EU kommt, muss soe die Christen mit allen Rechten anerkennen und Kirchenbauten zu lassen. Sie muss den Ehrenmorden abschwören und andere Länder mit deren Regeln voll anerkennen. Es kann nicht sein, dass die Türken auf andere herabsehen. Man sehe nur unsere öffentlichen bauten ( Scheiss Deutsche )! Was ist mit den Armeniern???
Die Türkei gehört auch noch nicht in die EU.
Wir und dieTürken sind uns zu fremd!
Falls wir uns näherkommen sollten, warum nicht. Aber nicht jetzt und in den nächsten Jahren.
3 Kommentare
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