Merkel in Sotschi
Deutsch-russischer Schulterschluss für Magna

Opel, Wadan, Infineon: Deutschland ist auf der Suche nach Investoren, Russland auf Schnäppchenjagd. Bei Merkels Besuch in Sotschi bauen Deutschland und Russland ihre Zusammenarbeit in der Wirtschaftskrise deutlich aus - Einigkeit herrschte auch bei G-20.

SOTSCHI. Dimitrij Medwedjew hatte erst mal ein Lob parat. Kaum ist Merkels Mercedes vor der palmenumsäumten Sommerresidenz des russischen Präsidenten am Schwarzen Meer vorgefahren, da umgarnte der Gastgeber die Kanzlerin schon. "Es ist eine schwierige Zeit, die wir alle durchmachen", sagte der russische Präsident und blickte seinen Gast an. "Aber nichtsdestotrotz gibt es auch positive Erscheinungen und das ist die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft jetzt erste Anzeichen der Wiederbelebung zeigt." Und wer für die guten Zahlen aus Deutschland gesorgt hat, weiß der Russe natürlich auch. "Das ist das Ergebnis der konsequenten Politik der Bundesregierung."

Nicht nur das Lob wird Merkel zu Beginn ihrer eintägigen Visite in Russland gerne hören. Mit seinen einleitenden Worten war Medwedjew mitten im Thema dieses deutsch-russischen Treffens - im Vordergrund stehen wirtschaftliche Fragen. In der Wirtschaftskrise rücken Deutschland und Russland näher zusammen. Konkret ging es in Sotschi um drei russische Investitionsvorhaben in Deutschland - den Einstieg eines russischen Investors bei der Wadan-Werft, die Opel-Übernahme durch den Magna-Konzern und die russische Sberbank sowie mögliche russische Investitionen beim angeschlagenen Chip-Hersteller Infineon/ Qimonda. Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise bieten sich hier Chancen für eine verstärkte Zusammenarbeit, Merkel spricht von einer "win-win"-Situation.

Ungeschminkt machte auch Medwedjew die Interessen Russlands deutlich. In der Wirtschaftskrise ließen sich "Aktiva zu niedrigen Preisen kaufen", sagt er. Der Präsident auf Schnäppchenjagd, ein bisschen klingt es so, obwohl gerade auch Russland von der Wirtschaftskrise hart getroffen ist. Es gelte, die Wirtschafsstruktur Russlands zu verbessern, so Medwedjew. "Infineon/Qimonda oder der Erwerb von Opel sind hochtechnische Bereiche - das ist das, was uns fehlt, und was uns vor künftigen wirtschaftlichen Turbulenzen schützen wird."

Bei Opel, dem prominentesten Objekt dieser Vorhaben, unterstützt die Bundesregierung das Angebot von Magna und der russischen Sberbank. Dies machte Merkel einmal mehr deutlich. "Magna ist eine Firma, die sich im Autobereich auskennt und ein strategisches Interesse an Opel hat", sagt Merkel. "Ich weiß, dass Opel nicht der Bundesregierung gehört, sondern im wesentlichen GM", so die Kanzlerin. Doch ohne Deutschland gehe es eben auch nicht. So ist GM auf die Bürgschaften von Bund und Opel-Ländern angewiesen. CDU-Ministerpräsidenten wie Roland Koch oder Dieter Althaus haben bereits darauf hingewiesen, dass diese Zusagen für den Finanzinvestor RHJ nicht automatisch gelten. Merkel sagt das mit Rücksicht auf die Amerikaner nicht so deutlich, meint aber dasselbe, wenn sie in Sotschi sagt, zwischen GM und Deutschland herrsche "Einigungszwang".

Deutsch-russische Interessen treffen sich auch bei den Wadan-Werften in Rostock-Warnemünde und Wismar. Dort richten sich alle Hoffnungen auf Igor Jussufow, den neuen Investor, der bereits einen Vorvertrag geschlossen hat. Gemeinsam mit seinem Sohn Witalij will er mit 40,5 Mio. Euro bei der insolventen Werft einsteigen und bis zu 1 600 der rund 2 500 Arbeitsplätze erhalten. Mindest ebenso wichtig wie dieses Geld: Als Mitglied des Gazprom-Aufsichtsrat könnte Jussufow einen besseren Draht zu den russischen Machthabern haben als der bisherige Investor.

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