Merkel-Kritik
CDU wirft Merz falsches Timing vor

Nach der harschen Kritik an der Strategie von Angela Merkel wird in der CDU erste Kritik am Finanzexperten Friedrich Merz laut. Zwar gingen große Teile seiner Analyse zu den Stimmverlusten der Union in die richtige Richtung. Schlecht sei jedoch die Wahl des Zeitpunkts - inmitten der Verhandlungen über ein schwarz-rotes Regierungsbündnis.

HB BERLIN. Mehrere Teilnehmer der Sitzung des Parteivorstands sagten am Donnerstag, in der Runde sei zwar bemängelt worden, dass Merz ausgerechnet in der entscheidenden Phase vor der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der SPD seine Kritik geäußert habe. "Aber der Diskussionsbedarf in Richtung Wahlanalyse ist da, das hat man schon gemerkt", sagte ein Vorstandsmitglied.

So habe etwa der CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger betont, dass eine ausführliche Debatte über die Fehler der Union im Wahlkampf so bald wie möglich geführt werden müsse. Die Unionsparteien dürften aber ihre Position in den anstehenden Verhandlungen mit der SPD nicht durch vorschnelle Schuldzuweisungen schwächen. Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, sagte nach Teilnehmerangaben, die Kritik von Merz sei in Teilen richtig.

Merz hatte am Mittwoch zunächst in einem vorab verbreiteten Beitrag für die "Wirtschaftswoche" und erneut am Abend im ZDF scharfe Kritik am Wahlkampf der Union geübt und das Ergebnis bei der Bundestagswahl als Niederlage bezeichnet. "Wir haben es an Klarheit fehlen lassen", bemängelte er. "Es hat vor allem an den programmatischen Aussagen gefehlt." Auch das Personalangebot habe zu dem schlechten Ergebnis für die Union beigetragen. Die Union müsse dringend klären, "warum wir jetzt zum dritten Mal hintereinander unter 40 Prozent geblieben sind". Mit einem solchen Ergebnis könne sich die Union auf Dauer nicht abfinden.

Trotz der Koalitionsgespräche dürfe eine ausführliche Analyse des Wahlergebnisses nicht unter den Tisch fallen. "Das alles muss noch aufgearbeitet werden." Merz betonte, er habe Merkel in seinem Artikel ausdrücklich nicht kritisiert. "In den laufenden, sehr schwierigen Verhandlungen, die sie jetzt zu führen hat zusammen mit der CSU, da offen illoyal zu sein, das bin ich nicht."

Merz und Merkel liegen seit Jahren im Streit. Merkel hatte ihn vom Vorsitz der Unions-Bundestagsfraktion verdrängt. CDU und CSU hatten auf Wunsch der Parteispitzen eine Analyse des unerwartet schlechten Wahlausgangs auf die Zeit nach der Regierungsbildung verschoben, um die Union damit nicht zu schwächen.

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