Merkel lobt Rösler
„Der ist ein Homo Politicus“

In der Eurokrise verpasste die Kanzlerin Philipp Rösler schon mal einen Maulkorb. Doch die Vorstellung seiner Biographie „Glaube. Heimat. FDP.“ gibt ihr die Gelegenheit, einmal richtig lieb zu ihrem Vizekanzler zu sein.
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Der große Griechenland-Ärger scheint verraucht zu sein: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Vorstellung einer Biografie über Philipp Rösler am Dienstag genutzt, um bester Laune ihren Stellvertreter zu loben und viele Gemeinsamkeiten zu entdecken.

„Nett, fix, schnell“, habe sie nach einem langen Gespräch mit dem heutigen FDP-Chef gedacht, der eine extrem gute Auffassungsgabe habe. Das Bild vom „netten Herrn Rösler“ machte sich die Kanzlerin aber ausdrücklich nicht zu eigen. Nettigkeit sei eine völlig falsche Kategorie. „Der ist einfach ein homo politicus“, meinte Merkel in Berlin zum rasanten Aufstieg Röslers.

Dort präsentierte sie zusammen mit dem Wirtschaftsminister die Biografie „Philipp Rösler. Ein Porträt“ mit der Unterzeile „Glaube. Heimat. FDP.“, die der Journalist und Berliner Büroleiter der „Rheinischen Post“, Michael Bröcker, verfasst hat. Das 156-seitige Buch erscheint im Leipziger St. Benno-Verlag.

Merkel betonte, Rösler habe einen der außergewöhnlichsten Lebensläufe eines deutschen Politikers überhaupt. Aber auch die deutsche Einheit habe ja für ungewöhnliche Biografien gesorgt, meinte Merkel mit Blick auf ihren eigene Karriere nach der Wendezeit.

Sie arbeite gern mit dem Wirtschaftsminister zusammen, sagte die Kanzlerin: „Ich glaube, wir haben dieses gegenseitige Vertrauen gefunden.“

Im Zusammenhang mit Röslers umstrittener Spekulation über eine geordnete Insolvenz Griechenlands erteilte Merkel ihrem Vize dann aber doch noch einen kleinen Seitenhieb. Die Darstellung, es habe hier Denkverbote in der Regierung gegeben, hat sie geärgert. Selbst in der DDR sei das Denken nicht verboten gewesen, sagte Merkel.

Tatsächlich hatte Merkel gesagt, wer in dieser angespannten Lage über einen Insolvenz Griechenlands reden, müsse seine Worte sorgfältig wägen. Das hatte der nette Herr Rösler ebenso fix wie schnell zu einem Denkverbot erhoben, an das er sich natürlich nicht gehalten hat.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Merkel lobt Rösler: „Der ist ein Homo Politicus“"

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  • Merkel ist eine Intrigantin von der schlimmsten Sorte .
    Vor der EFSF Abstimmung wird alles mobil gemacht nur um
    die Kanzlermehrheit durchzupeitschen .
    Hier werden Abgeordnete von Merkel u. Wasserträger
    gemobbt nur um den Machterhalt zu garantieren .
    Das ganze Verfahren ist eher kriminell u. müßte rechtlich
    angefochten werden .
    Der deutsche Bürger kann sich schon mal auf Steuererhöhungen ,Rentenkürzungen ,Sozialkürzungen usw.
    einstellen .
    Warum läßt sich das Volk von Merkel am Nasenring durch die
    Arena ziehen u. Merkel triumphiert .
    Der deutsche Michel ist ein Verlierer u. muß jetzt die
    Zeche zahlen .
    Sogar der DGB (Sommer)mit Anschlußgewerkschaften springen
    Merkel zur Seite u. erklären sich hiermit zum Verrat
    an den Bürgern u. Arbeitnehmern .

    Alle Mitglieder aus den Gewerkschaften austreten !

    Wo bleiben die Proteste auf den Straßen gegen Merkel !!!

  • Rösler hat angekündigt, dass er früh in Rente gehen will. Ein Buch kann schonmal die Altersvorsorge verbessern. Jetzt muss es nur noch einer lesen. Naja er wird schon ein paar Irre finden, die für Umsatz in den Buchläden sorgen. Typisches Politikerkalkül. Dass es noch Menschen gibt, die vor einem Politiker Respekt haben, obwohl sie täglich von denen verhöhnt werden. Ich kann es nicht glauben. Traurig aber wahr.

  • Einerseits zeugt es von gesunder Selbsteinschätzung, kurz vor seinem nahenden politischen Exitus zu versuchen, eine Biographie zu vermarkten, bei der das letzte Kapitel definitiv bereits geschrieben ist. Andererseit offenbart Rösler nun endlich dem Wahlvolk seine innerste Doktrin: Alles mitnehmen, was geht! Der Titel "Opportunismus ad perversum" wäre wohl passende gewesen. "Homo politicus" ist jedenfalls der blanke Hohne für eine ganze Zunft! Ganz gewiss ein Buch, das die Welt nicht braucht!

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