Merkel und Schäuble
Der große Graben

Kanzlerin Merkel hat die Griechenland-Krise zur Chefsache erklärt. Sie drückt aufs Tempo – und macht Zugeständnisse. Heute spricht sie in Brüssel mit Tsipras. Ihr kompromissloser Finanzminister bleibt außen vor.
  • 35

DüsseldorfNach der Harmonie-Kanzlerin von Schloss Elmau ist nun die Krisen-Kanzlerin gefragt: Ihren Ausflug zum EU-Lateinamerika-Gipfel nach Brüssel nutzt sie dazu, ein Thema voranzutreiben, dass sie besonders umtreibt: die griechische Schuldenkrise. Seit einigen Tagen drückt Merkel verstärkt aufs Tempo, fordert endlich eine Lösung des griechischen Dramas. Ihre zwei Botschaften: Das Griechenland-Thema muss vom Tisch („Jeder Tag zählt“) und zwar ohne Grexit („Wir wollen Griechenland im Euro-Raum halten“).

Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande kommen am Mittwochabend erneut mit dem griechischen Ministerpräsident Alexis Tsipras zusammen, um über Lösungen in der Schuldenkrise zu beraten. Das Dreiertreffen finde nach dem Abendessen beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Brüssel statt, sagte ein Regierungssprecher. Das Gespräch diene einem „Meinungsaustausch über den Stand der Gespräche“ der Gläubiger-Institutionen mit der griechischen Regierung. Auch die französische Regierung bestätigte das Treffen.

Um eine Lösung zu erreichen, hat sich die Kanzlerin zuletzt zunehmend kompromissbereit gezeigt. Zusammen mit Hollande sowie den Chefs von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) hatte sie jüngst in Berlin ein „allerletztes“ Angebot ausgearbeitet. Darin kamen sie den Griechen entgegen und lockerten die Sparvorgaben. So soll Athen in diesem Jahr nur noch einen Primärüberschuss – also ohne Schuldendienst – von einem Prozent erreichen. In den Jahren 2016 und 2017 dann zwei beziehungsweise drei Prozent.

Die Griechenland-Krise ist mittlerweile Chefsache geworden. So soll ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble von dem Gläubiger-Treffen in Berlin nur zufällig erfahren haben, geladen war er nicht. Im Gegensatz zu Merkel betont Schäuble, dass er von immer neuen Zugeständnissen an die Griechen wenig hält. Er gibt den Hardliner. Ihn stört zudem massiv, dass aus Athen immer wieder Schuldzuweisungen an Deutschland kommen. Er ist der Politiker im Kabinett, der regelmäßig das Wort Grexit in den Mund nimmt und ein – wenn auch ungewolltes – Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion für möglich hält.

Wenn Alexis Tsipras in einem Interview ein Horrorszenario für den Fall eines Grexit zeichnet und mutmaßt, dass anschließend weitere Euro-Staaten fallen würden, dann vertraut Schäuble auf die Meinung der Ökonomen, die ein Ausscheiden für verkraftbar halten. In einem Handelsblatt-Gastbeitrag erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn erst am Dienstag, wie Athen die Kosten für den Grexit in die Höhe treibt.

Andere Unionspolitiker springen dem Finanzminister bei. „Die europäischen Regierungen müssen sich ehrlich machen: Das Experiment mit den reformunwilligen Griechen im Euro-Raum ist gescheitert und muss beendet werden“, sagte der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand der Unions-Bundestagsfraktion (PKM), Christian von Stetten (CDU), vergangene Woche dem Handelsblatt.

Deutliche Worte findet auch der Vize-Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach. „Wenn die Regierung in Athen nicht bereit ist, den Pfad der Reformen und der Stabilität zu betreten, fehlt jede Grundlage für Gespräche und für einen Verbleib des Landes in der Euro-Zone“, sagte Michelbach dem Handelsblatt.

Kommentare zu " Merkel und Schäuble: Der große Graben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Spielchen ist offensichtlich ein reines Ablenkungsmanöver, ein Spielchen!

    Die Nachrichten Lage soll zwei negativ aufgefallenen Personen die Möglichkeit eröffnen, dass einer seinen Kopf aus der Schlinge zieht. In diesem Fall soll Herr Schäuble "gehängt" werden.

    So geht es aber nicht und wir sollten nicht zulassen, dass die öffentliche Meinung auseinanderdividiert wird. Beide haben fremde Gelder veruntreut und Außerlandes gebracht. Sie haben beide dem deutschen Volk geschadet und haben beide die Konsequenzen zu ziehen.

    Beide sind aufgrund ihrer Erfahrung in Geldangelegenheiten unerfahren und haben auf die Einwände der Experten nicht gehört. Bundesbankpräsident Weber und Bundesbankvorstand und EZB-Direktoriumsmitglied Stark haben ebenfalls ihre Ämter niedergelegt, weil sie den Kurs nicht mehr mittragen konnten. Jetzt sind die beiden und nicht einer der Beiden an der Reihe.

    Deutschland ist derzeit absolut inkompetent geführt und das hat die Bürger schon hunderte von Milliarden Euros gekostet. Die Bundesregierung verschärft mit ihren Schritten die Altersarmut grob fahrlässig.

    Opposition und Koalitionspartner haben keine Kontrolle über die Akteure!

  • Die BRD ist nicht wehrlos. Das "Weib" verkauft uns. In jeder Richtung.
    Das Problem heißt Merkel!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Das Weib muss weg sofort.
    Denkt an des Kaisers neue Kleider. Da ist nix als Bluff, Lüge, Lug und Trug.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%