Merkel unter Druck
Die Schatten der Gorleben-Entscheidung

Angela Merkel wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Die frühere Umweltministerin muss vor dem Gorleben-Ausschuss ihre Atom-Entscheidungen erklären. Auf Kosten der Sicherheit soll sie eine Billig-Lösung gewählt haben.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss aus Sicht der Grünen aufklären, ob sie als Umweltministerin Gorleben einseitig als Atommüll-Endlager durchsetzen wollte. „Irgendwer muss ja die politische Verantwortung haben für die Entscheidungen in den 90er Jahren“, sagte die Grünen-Obfrau im Gorleben-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Sylvia Kotting-Uhl, der Deutschen Presse-Agentur. Merkel wird dem Ausschuss am Donnerstag Rede und Antwort stehen.

Damals sei das Erkundungskonzept wegen fehlender Salzrechte für andere Bereiche so geändert worden, dass man sich auf die Nordost-Passage des Salzstocks konzentriert habe. „Ohne zu wissen, wie es in dem anderen Teil des Salzstocks aussieht, wurde versucht, so den Eignungsnachweis für Gorleben zu bekommen“, sagte Kotting Uhl.

„Dadurch wurden die Kosten gemindert. Zulasten der Sicherheit wurde eine Billig-Lösung gewählt.“ Wenn man wissenschaftlich abgewogen hätte, dann hätte man nach der Verweigerung der Salzrechte auf diesen Standort verzichten müssen. „Doch man wollte diesen Standort, war der Meinung andere Alternativen zu suchen sei zu aufwendig, zu teuer und erzeuge zu viel Widerstand. Dafür finden sich in vielen Akten Belege“, sagte Kotting-Uhl.

Vor dem Abschluss des 2010 eingesetzten Untersuchungsausschusses sieht die Vorsitzende Maria Flachsbarth (CDU) hingegen kaum Belege für ein versuchtes Durchdrücken des Salzstocks als Atommüll-Endlager. „Persönlich sehe ich die Vorwürfe einer massiven politischen Einflussnahme bei der Entscheidung für Gorleben als entkräftet an“, sagte Flachsbarth. Einen bleibender Gewinn des Ausschusses sei, dass bestimmte Erkenntnisse auch bei der geplanten Suche nach Alternativen zu Gorleben hilfreich seien.

„Die Frage von Transparenz und Bürgerteilung wird heute anders gesehen. Ich hoffe sehr, dass wir vor der Niedersachsenwahl zu einer Einigung für ein Endlagersuchgesetz kommen“, betonte Flachsbarth. Auch Kotting-Uhl sagte: „Der Untersuchungsausschuss Gorleben hat durchaus dazu beigetragen, dass die vergleichende Endlagersuche jetzt doch von allen angepackt werden will. Dass es jetzt um einen wissenschaftlichen Vergleich gehen soll.“ Wenn die Zweifel an der Eignung berechtigt seien, werde Gorleben in einem Vergleich relativ bald herausfallen.

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  • @ Casmaron,
    "--könnte man auch in Bayern fündig werden...".
    Genau das ist der Punkt an dem eine sinnvollere Lösung scheitert.

  • Für alle die immer noch glauben, oder politisch korrekt nachplappern, daß die Asse ein "Desaster" ist das auseinanderfällt, empfehle ich das Buch "Märchen von der Asse".
    Kurz zusammengefasst: Es gibt hier einen großen Denkfehler! Der Denkfehler ist, daß der Atommüll auf Millionen Jahre in Beton und rostfreiem Stahl eingeschlossen bleiben muss, und ansonsten eine Öko-Katastrophe passiert. In Wirklichkeit sind die Lager genau so ausgelegt, daß Beton und Metall zerfallen, daß Wasser eindringt usw., während der sichere Einschluss der radioaktiven Materialien allein durch die geologische Lage des Lagers, des Deckgebirges usw. sichergestellt ist. Es wird einfach nichts von unten nach oben kommen, weder Uran noch Wasser.
    Ganz abgesehen davon ist der Atommüll überhaupt nicht so gefährlich wie immer getan wird. Radioaktivität gibt es in der Natur überall, auch ohne ein gelegentliches Fukushima oder ein Endlager, also braucht man hier nicht in Panik auszubrechen wenn einmal ein bischen was in die Natur gelangt. Die Erdwärme ("erneuerbare Energie") stammt vom radioaktiven Zerfall des Kerns der Erde, heiße Quellen enthalten demnach auch Caesium. Wer keine Radioaktivität haben will, muss sich einen anderen Planeten suchen.

  • Nach dem was in der Asse passiert ist, sollte man bei der Endlagersuche ganz schnell auf ehemalige Salzbergwerke verzichten.
    Fragt mal die Schweizer, die haben den Atommüll in alten Tonbergwerken eingelagert ... aber wenn man nach Lagerstätten in Tonschichten sucht, könnte man auch in Bayern fündig werden. ^^
    Alle, die Atomkraft für saubere Energie halten, die können in der Asse ein paar Runden rückenschwimmen.
    Kribbelt länger als man schwimmt, versprochen.

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