Merkel-Vertraute ausspioniert
Hackerangriff auf das Bundeskanzleramt

Die Bundesregierung ist erneut Opfer einer Spähattacke geworden. Laut eines Medienberichts wurde eine enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel ausspioniert. Im Verdacht: die USA und Großbritannien.
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BerlinIn den vergangenen Wochen ist es nach Informationen der „Bild“ zu einer Cyber-Attacke auf die Bundesregierung gekommen. Eine hochrangige Mitarbeiterin des Bundeskanzleramts und Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei zum Opfer eines Späh-Angriffs geworden, berichtete „Bild“ am Montag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die entdeckte Spionage-Software werde Sicherheitskreisen zufolge vom US-amerikanischen und britischen Geheimdienst verwendet.

Laut dem Bericht hatte die enge Mitarbeiterin von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an einem Redemanuskript gearbeitet, das sie nach Dienstschluss nach Hause mitnahm und dort auf ihrem privaten Laptop weiterbearbeitete. Anschließend speicherte sie das Dokument wieder auf ihrem privaten USB-Stick und brachte es damit zurück auf ihren Dienstlaptop. Als der Viren-Scanner Alarm schlug, wurde festgestellt, dass der USB-Stick mit der Spionage-Software Regin verseucht war.

Computer des Kanzleramts sind nach Darstellung der Bundesregierung durch eine Spionageattacke auf eine Mitarbeiterin der Regierungszentrale nicht geschädigt worden. Das IT-System des Amtes sei nicht infiziert worden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Montag in Berlin.

Es habe keine Gefahr gegeben. Das von der „Bild“-Zeitung beschriebene „Angriffsmuster“ auf die Mitarbeiterin des Kanzleramts wollte sie ausdrücklich nicht bestätigen. Das zuständige parlamentarische Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste sei informiert worden.

Der USB-Stick der betreffenden Referatsleiterin mit einem Redemanuskript zur Europapolitik sei mit der Software „Regin“ verseucht gewesen. Bei der Spionage-Software handele es sich um einen hochkomplexen „Trojaner“-Computer-Virus, der das unbemerkte Mitlesen und kopieren von Dateien erlaube.

Der Urheber der Spionageattacke auf eine Mitarbeiterin des Kanzleramts kann nicht nachverfolgt werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Montag sind entsprechende Untersuchungen der Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten erfolglos geblieben.

Die IT-Sicherheitsfirma Symantec hatte Ende November erstmals über den hochkomplexen Trojaner berichtet. Demnach kann Regin auf infizierten Rechnen Screenshots machen, den Mauszeiger steuern, Passwörter stehlen, den Datenverkehr überwachen und gelöschte Dateien wieder herstellen. Laut der US-Nachrichtenseite „The Intercept“ wird Regin seit 2008 eingesetzt, um Informationen von Regierungen, Firmen und Forschungsinstituten zu stehlen. Demnach waren der britische Geheimdienst GCHQ und der US-Geheimdienst NSA an seiner Entwicklung beteiligt.

2013 hatte die Ausspähung Deutschlands durch US-Behörden für Empörung gesorgt. Der Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden brachte den Fall ins Rollen. Die US-Behörden wollen Snowden, der in Russland im politischen Asyl lebt, wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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  • Die Bundesregierung ist erneut Opfer einer Spähattacke geworden. Laut eines Medienberichts wurde eine enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel ausspioniert. Im Verdacht: die USA und Großbritannien.

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    Und wehe man erfährt dass Politiker ...

    anstatt sich um die reale Politik zu kümmern...

    sich gegenseitig fragen ( etwa per SMS )...

    " Weißt Du wie lange die Kantine noch offen hat ? "






  • @ Woifi Fischer,
    "Sind wir hier auf ewig die Verlierer des zweiten Weltkrieges?"
    Wurden nicht vor einigen Jahren die letzten Schulden des ersten Weltkriegs getilgt?
    So weit ich informieret bin wurden Schulden des zweiten WK überhaupt noch nicht getilgt!

  • Ich frage mich jedenfalls , wie blauäugig man (Frau) sein kann , welche Freiheiten man sich nimmt, um ein Redemanuskript für die Regierung zu hause zu bearbeiten und dabei keine persönlichen Sicherheitsbedenken hat !
    Das darf in keinem Büro eines deutschen Industrieunternehmens vorkommen , die Regierung scheint andere Freiheiten zu genießen und vor allen sich herauszunehmen .

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