Merkel vor der Hauptstadtpresse
Die Welt-Diplomatin

NSA-Affäre, EU-Postenpoker und eine neue Ukraine-Eskalation: Merkel kommt in diesen Tagen nicht zur Ruhe. Vor der Hauptstadtpresse präsentiert sie sich als kluge Krisenmanagerin. Scharfe Attacken meidet sie.
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Als das „Luxemburger Wort“ Ende Mai berichtete, Angela Merkel werde bald als Uno-Generalsekretärin kandidieren, hakten das viele deutsche Journalisten unter dem Stichwort „schon wieder“ ab. Denn verschiedene Medien haben in den vergangenen Monaten fast alle Varianten eines angeblich geplanten Wechsels der Kanzlerin auf die internationale Ebene durchgespielt - vom EU-Kommissionspräsidenten über den EU-Ratspräsidenten bis zum Generalsekretär der Vereinten Nationen wurde sie für alle möglichen Posten gehandelt.

Merkel selbst sagt dazu nichts. Auch heute nicht vor der Hauptstadtpresse. Doch mit ihren Aussagen zu den Konflikten dieser Welt lässt sie durchaus durchblicken, dass sie auch für andere Aufgaben als die der Kanzlerin eine geeignete Person wäre. Gut möglich, dass Merkel irgendwann in internationaler Mission unterwegs ist. Typischerweise befeuert Merkel solche Spekulationen nicht – auch wenn mancher Journalist hartnäckig nachfragt.

Sie sei Kanzlerin für die ganze Legislaturperiode, sagt sie. Die Menschen könnten sich darauf verlassen, dass sie tue, was sie sage. „Alles weitere später.“ Das hatte schon wieder etwas Unscharfes und Rätselhaftes, weshalb Merkel später eine Präzisierung hinterherschiebt: „Zum richtigen Zeitpunkt“ werde sie sich zu ihrer politischen Zukunft offenbaren. Dabei war da schon deutlich geworden, in welche Richtung Merkel sich entwickeln könnte.

Im überfüllten Saal der Bundespresskonferenz unweit des Kanzleramts präsentiert sich die CDU-Chefin als kluge Krisenmanagerin, die die Beantwortung keiner Frage scheut, auch wenn sie noch so fordernd gestellt wird. Merkel lässt sich nicht aufs Glatteis führen. Ihre Marschrichtung wirkt wohlüberlegt. Erst kommt das eine, dann das andere, dann das nächste und so weiter. Auch im Fall der Ukraine-Krise bewahrt die Kanzlerin die Contenance und bleibt immer sachlich.

Gleich zu Beginn nimmt sie Stellung zu dem Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine. Wer aber erwartet hat, dass sie nun gleich harte Konsequenzen gegen Russland ankündigt, wurde eines Besseren belehrt. Merkels Konsequenzen sind politisch-diplomatischer Natur und folgen einer strikten Dramaturgie: sie will erst einen Waffenstillstand, dann eine unabhängige Untersuchung des tödlichen Vorfalls und schließlich, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

„Sprechen ist das Eine, handeln das Andere“

Auch im Hinblick auf die Rolle Russlands, gibt sich die Kanzlerin zwar hart im Ton („sehr große Spannung“, „schwerste unterschiedliche Meinungen“), aber betont diplomatisch in der Art, den russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Pflicht zu nehmen. Es gebe genügend „Kontaktmöglichkeiten“, um mit Putin über dessen Verantwortung für die Situation in der Ostukraine zu reden, sagt sie. Sie sagt aber auch: „Sprechen ist das Eine, handeln das Andere.“ Merkel muss jedoch auch einräumen, dass dieses Prinzip bisher ein frommer Wunsch geblieben ist.

Wie schwer der Weg hin zu einer politischen Lösung sei, hätten die letzten Wochen gezeigt. Man käme „viel zu langsam“ voran. Selbst die vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ausgerufene einseitige Waffenruhe, die Merkel als „Geste des guten Willens“ bezeichnet, sei nicht genutzt worden. Es habe keine Deeskalation gegeben, stattdessen werde die Situation „immer komplizierter“, stellt Merkel ernüchternd fest.

Kommentare zu " Merkel vor der Hauptstadtpresse: Die Welt-Diplomatin"

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  • Diplomatin? Nein, diese Frau ist sehr einseitig! Warum weigert Sie sich den Islam anzuklagen? Warum unterstützt Sie die Tunnelbauer (Planer, hersteller, Finanzierer) und Raketenlieferer ebneso? Warum darf der Islam mit Ihrer Unterstützung weltweit wüten, wie in Niegeria, Somali u.a. und weiter mit Ihrer "christlichen" Unterstützung weiter rechnen, wie Hr. Gauck (Schulung der islam. Mörder und Terroristen) sie betreibt.

  • Da wird einem Angst und Bange, beim lesen des Artikels über die ersten Eindrücke Henkels beim Einzug in Brüssel.

    Im Geiste war ich mit ihm, stand ebenso in den verwirrenden Gängen dieser grauen Betonburg, dieser Gebärmaschine für 50.000 Bürokraten.

    Mit 74 bereiten sich andere auf ihren Lebensabend vor, mähen rasen und gehen spazieren. Da krempelt ein Herr Henkel erst die Ärmel hoch, nimmt eine schwierige Herausforderung an, engagiert sich und geht damit fast eine neue Lebensaufgabe an.

    Nein, nicht für Geld, Karriere oder Machtgier, sondern aus hehren Zielen, leidenschaftlich für Gerechtigkeit und für Heimat und Volk kämpfend.

    Klingt fast schon schmalzig, zergeht aber wie feinste Sahne Butter auf der Zunge von Millionen von Deutschen.

    Herr Henkel, Sie sind in Brüssel und Straßburg NICHT allein.
    Sie haben stets ein Heer von Deutschen im Geiste hinter sich, das sich nichts sehnlicher wünscht, als echte Freiheit und wahre Selbstbestimmung!

    Wir erwarten weitere Berichte von der "Front".



  • Willi Brand und Philipp Lahm traten wegen weniger zurück.

    Aber auf das verrückteste warten wir noch. Spanien ist vorgegangen und kassiert die Sparer mit einer Zwangsabgabe ab. Soll doch niemand glauben, dass Merkel und Schäuble da hinten an stehen.

    Denken Sie nur an die schwarze Null von Schäuble. Ein Vorstand würde gefeuert, wenn er in seiner Bilanz nicht die unterlassenen Reparaturen in Form von Rückstellungen ausweisen würde.

    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, von Hütchenspielern, Trickdieben "regiert" zu werden.

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