Merkel zu Anschlägen in Paris
„Wir weinen mit Ihnen“

Erschüttert von den Anschlägen in Paris hat sich Kanzlerin Angela Merkel am Morgen an die Franzosen gewandt und „jedwede Unterstützung“ zugesichert. Im Laufe des Tages will sie ihre wichtigsten Minister treffen.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris „jedwede Unterstützung“ zugesichert, die Deutschland bieten könne. „Wir, die deutschen Freunde, wir fühlen uns Ihnen so nah. Wir weinen mit Ihnen“, sagte die CDU-Politikerin am Samstagmorgen im Kanzleramt in Richtung der Opfer. Dieser Angriff auf die Freiheit „meint uns alle“, sagte Merkel. Daher müssten auch alle gemeinsam den Kampf gegen den Terror führen. „Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror.“

Die Kanzlerin sagte, sie stehe im engen Kontakt mit der Regierung in Paris. Sie werde in Berlin „im Laufe des Tages mit den zuständigen Ministern zusammenkommen“, um über die Konsequenzen für Deutschland zu beraten. Auch als Bürger gelte es nun „eine klare Antwort“ zu geben, betonte Merkel.

Deutsche Sicherheitsbehörden analysieren derweil die Gefährdungslage in der Bundesrepublik. „Deutschland steht unverändert im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus“, erklärte das Bundesinnenministerium am frühen Samstagmorgen in Berlin. Die Sicherheitsbehörden stünden mit den französischen Sicherheitsbehörden im engen Austausch. Innenminister Thomas de Maizière habe seinem französischem Amtskollegen jegliche Unterstützung angeboten - darunter war auch Hilfe durch deutsche Spezialkräfte.

Am Samstag will de Maizière mit den Vertretern der Sicherheitsbehörden des Bundes in Berlin über Konsequenzen aus den Attentaten in Paris beraten. Er werde seinen Auftritt beim Landesparteitag der CDU in Sachsen stark verkürzen und dann sofort in die Hauptstadt aufbrechen, hieß es. Das Ministerium ordnete bundesweite Trauerbeflaggung der obersten Bundesbehörden und ihrer Geschäftsbereiche sowie der Behörden des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, an. Dies geschehe als Zeichen der Anteilnahme und Solidarität mit dem französischen Volk.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge am Samstag als „Inferno des Terrors“ und sicherte Frankreich die Solidarität und Anteilnahme Deutschlands zu. „In dieser Stunde des Leidens und der Verzweiflung in Frankreich stehen wir fest an der Seite unserer französischen Freunde“, sagte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Rande der Syrien-Gespräche in Wien.

Die „Dimension des Grauens“ der Anschläge übersteige die Vorstellungskraft eines Jeden, sagte Steinmeier. „Was als Fußballfest, als Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich begann, endete als Inferno des Terrors gestern Abend“." Er werde in Wien mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius zusammenkommen und „ihm die Anteilnahme des deutschen Volkes und der Bundesregierung versichern“.

Bei den fast zeitgleichen Angriffen an mindestens sechs verschiedenen Orten in Paris wurden in der Nacht zum Samstag mindestens 120 Menschen getötet. Die Anschlagsserie begann am Freitagabend während des Fußballspiels Deutschland gegen Frankreich im Pariser Stade de France, bei dem Steinmeier und Frankreichs Präsident François Hollande unter den Zuschauern waren. Das DFB-Team verbrachte die Nacht im Stadion und fuhr am Samstagmorgen direkt zum Flughafen, um nach Frankfurt zurückzufliegen.

SPD-Chef Sigmar rief dazu auf, sich auch weiter schützend vor Flüchtlinge zu stellen. „Wir dürfen sie jetzt nicht darunter leiden lassen, dass sie aus Regionen kommen, aus denen der Terror zu uns in die Welt getragen wird“, sagte Gabriel am Samstag in Berlin. „Auch vor ihnen stehen wir schützend.“ Der Vizekanzler verwies darauf, dass im Kanzleramt das Sicherheitskabinett mit Merkel beraten will: „Die Bundesregierung wird heute Mittag die Lage bewerten und mit Entschlossenheit und Augenmaß reagieren und unseren französischen Freunden helfen.“

Deutschland werde alles tun, um den französischen Präsidenten Francois Hollande zu unterstützen, der Täter habhaft zu werden. „Dies schmiedet uns zusammen. Der Anschlag galt uns allen“, sagte Gabriel. „Wir sind als Rechtsstaat, als ein freier Staat immer verwundbar. Trotzdem wollen wir ein offenes Land, eine offene Gesellschaft bleiben.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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