Merkel zu Managergehältern
„Maßlosigkeit darf nicht sein“

Die Kanzlerin gibt in der Debatte über Managergehälter ihre Zurückhaltung auf. Noch vor einer Woche wurden Anti-Abzock-Initiativen für unrealistisch gehalten. Jetzt soll bis Sommer eine gesetzliche Regelung her.
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BerlinWie schnell sich der Wind in der Politik drehen kann, zeigt die Diskussion über Managergehälter. Wohl auch befeuert durch die Wahlkampfansage der SPD-Führung um Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der das Thema Soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung stellen will, sah sich die CDU-Spitze zu einer Reaktion gezwungen. Ansonsten hätte man den öffentlichen Ärger über die Abzocker in Chefetagen gänzlich den Sozialdemokraten überlassen und hätte damit in Kauf genommen, dass wichtige Wählerstimmen nach links abwandern. Anders lässt sich die plötzliche Kehrtwende von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Koalitionsfraktionen kaum erklären.

Schon die Wortwahl der Kanzlerin beim Thema Managergehälter ist bemerkenswert – und kommt einer Kampfansage gleich. „Maßlosigkeit darf in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein“, sagte Merkel der Chemnitzer "Freien Presse". Deswegen unterstütze sie etwa Pläne in der EU, zum Teil extrem hohe Bezüge in der Finanzwirtschaft zu begrenzen. Sie verstehe "sehr gut, wenn Menschen über manche Gehälter, die völlig aus dem Rahmen fallen, nur noch den Kopf schütteln können und wollen, dass das aufhört".

Das hatte vor einer Woche auch schon Merkels Sprecher, Steffen Seibert, gesagt. Anders als Merkel unterstrich er aber, dass es in der international vernetzten Wirtschaft eher ratsam sei, auf europäische Initiativen statt auf nationale Alleingänge zu setzen. Eine gesetzliche Stärkung der Aktionärsrechte zur Kontrolle von Managergehältern noch vor der Wahl im September sei daher aus Sicht der Bundesregierung unwahrscheinlich.

Was die Seibert-Ansage heute wert ist, sieht man an den neuen Verabredungen in der Koalition. Als die Spitzen der schwarz-gelben Regierungsfraktionen am Dienstagmorgen zusammensaßen, entdeckten sie das Abzocke-Thema für sich: CDU, CSU und FDP wollen nun doch bis zur Sommerpause die Frage der Managergehälter und Boni angehen. In seltener Einigkeit streben sie dabei eine aktienrechtliche Lösung an. Künftig soll die Hauptversammlung über die Vergütung entscheiden.

SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert einen anderen Weg: "Ich bin dafür, die steuerliche Absetzbarkeit von Managerbezügen und Boni als Betriebsausgaben zu deckeln und das auch auf die riesigen Abfindungen und millionenschwere Pensionszusagen auszuweiten", hatte er dem Magazin "Focus" gesagt.

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  • Maßlos? Frau Merkel sollte endlich bei sich anfangen. In Ihrer Sucht nach Schulden, Belastungen für Deutsche, Abbau der Bildung usw. steht Sie weltweit einsam dar.

  • @DagmarK
    Ihnen wird da nur mittelmäßig schlecht?
    Um es mit Max Liebermann zu sagen: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!

    Außerdem sollte hier mal klar gestellt werden, dass eine Aktiengesellschaft nicht dem Management oder dem Aufsichtsrat gehört! Sie gehört den Aktionären. Insofern ist es das selbstverständlichste der Welt, dass diese auch über die Vergütung des Managements zu entscheiden haben.
    Darüber hinaus eine Deckelung einzuführen ist gewiss nicht unangemessen!

  • @Licht
    leider habe ich keine Zeit für eine lange Antwort. Nur so viel:
    Die deutschen Manager verdienen im EU Vergleich besser als die meisten. Die deutschen Arbeitnehmer haben in den letzten 10 Jahren einen minus 0.8% Reallohn. Hingegen, Arbeitnehmer in allen anderen EU Ländern haben zwischen plus 5-8%.
    Ausserdem:
    "Die Europäische Zentralbank hat laut einem Bericht in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Veröffentlichung von Daten unterschlagen, die darüber Aufschluss geben, wie in den Euro-Ländern das Vermögen verteilt ist. Der Bericht ist politisch explosiv, denn er enthält ein Ergebnis, das für viele Leser überraschend erscheinen mag. Der Durchschnitts-Deutsche ist ärmer als der Durchschnitts-Italiener oder -Franzose - und gar nicht so viel reicher, wenn überhaupt, als der Durchschnitts-Zyprer". Aus SPON heute.
    Denken Sie bitte darüber nach, wie die Konsequenz aussehen muss.

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