Merkel zum Nobelpreis
„EU ist ein Modell für andere Regionen der Welt“

Die Bundeskanzlerin sieht die Auszeichnung als Antrieb, die EU weiterzuentwickeln. Der Staatenbund sei auch ein Modell für andere Regionen der Welt, sagte Merkel.
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Celle/Berlin/MünchenBundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Friedensnobelpreis für die Europäische Union als Ansporn, die EU weiterzuentwickeln. Die Auszeichnung sei eine Triebfeder für alle, die die EU „zu einem Modell machen wollen, wie auch andere Regionen der Welt besser zusammenleben können“, sagte die CDU-Politikerin am Samstag in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. Der Preis erinnere an die Gründerväter der EU, „die nach dem Zweiten Weltkrieg davon beseelt waren, dass nie wieder Krieg zwischen den Völkern in Europa sein darf“.

Für ihre Verdienste um Versöhnung und Integration in Europa erhält die EU in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das Komitee begründete die Entscheidung am Freitag damit, dass die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die Europäische Union brauchen und dass der Euro weit mehr ist als eine Währung – er ist ein Bekenntnis, zusammenzuhalten“, sagte Merkel weiter. Doch ein gemeinsamer Staat nach dem Vorbild der USA würde die EU ihre Meinung nach überfordern. „Wir sind ja doch Länder mit einer sehr eigenen nationalen Geschichte. Jedes hat seine Sprache, seine Kultur.“

Auf dem niedersächsischen Parteitag in Celle versprach die Kanzlerin am Samstag, den Euro auch gegen die Interessen der Akteure auf den internationalen Finanzmärkten zu verteidigen. „Die Kräfte, ... mit denen wir es zu tun haben, die haben kein Interesse am Erfolg Europas, jedenfalls viele nicht“, sagte Merkel in Richtung der Finanzmärkte. „Viele wetten darauf, dass wir die politische Kraft nicht haben.“ Dies sei aber falsch. Die Europäer würden sich nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Deutschland sei entschlossen, die Konstruktionsmängel des Euro zu beseitigen. „Ich habe mich gestern unglaublich gefreut, dass die EU gerade in dieser Phase den Friedensnobelpreis bekommen hat“, betonte sie.

Zugleich forderte die CDU-Vorsitzende angesichts der Debatte über neue Hilfen für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien ihre Partei dazu auf, mehr Vertrauen für die Euro-Partner aufzubringen. „Wir haben allen Grund, auch anderen Vertrauen entgegenzubringen“, betonte sie. Die USA und Frankreich hätten dies nach dem Zweiten Weltkrieg auch für Deutschland getan. Vertrauen entstehe allerdings nur daraus, dass sich alle an die Abmachungen hielten. „Wir haben zu viel versprochen, zu viel beschlossen und uns nie daran gehalten.“ Das müsse sich ändern.

Auf dem Parteitag sprach sie auch die Demonstrationen in Athen gegen ihren Besuch an. Sie verteidigte die Demonstranten. „Ehrlich gesagt: Ich war erleichtert“, sagte die CDU-Vorsitzende. Sie finde es schön, „dass ich nach Hause fahren konnte, die Leute konnten protestieren, und alle die, die keine Gewalt angewandt haben, sind hinterher nicht ins Gefängnis gekommen“. Gerade die Einhaltung dieser Grundrechte unterscheide die EU-Staaten von vielen anderen Teilen der Welt. „Man kann demonstrieren. Und ich kann damit fertig werden“, betonte sie. Ihr sei das Demonstrationsrecht sehr wichtig, weil sie selbst 34 Jahre in einem Land gelebt habe, in dem man nicht demonstrieren durfte. „Jeder soll seine Meinung sagen, und dann wird darüber geredet. Das ist Demokratie.“

Merkel war am Dienstag erstmals seit Ausbruch der Griechenland-Krise nach Athen gereist. Zehntausende Menschen protestierten gegen den Kurzbesuch. Die von Tausenden Polizisten weiträumig abgeschirmte Kanzlerin wurde auf Plakaten beschimpft und mit Nazi-Vergleich verunglimpft. Die Demonstranten sehen in Merkel die seit Ausbruch der Krise 2010 auf strikte Haushaltsdisziplin pocht, die Hauptschuldige für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes.

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  • Politik von Zentralbanken und EU: Hyperinflation und Kollaps der Realwirtschaft
    18. September 2012 • 10:31 Uhr
    http://www.bueso.de/node/6007

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