Merkels Reise nach Paris und Brüssel
Warten auf den weiblichen Geist

Beim Antrittsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris zeigt sich Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac von seiner besten Seite und sucht den demonstrativen Schulterschluss mit der neuen Regierungschefin.

HB PARIS. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac zeigt sich von seiner galanten Seite. Als könne er Angela Merkels Ankunft kaum erwarten, blickt er durch die Glasfront des Eingangs des Elysée-Palastes und sieht, wie der dunkel-blaue Peugeot in den Innenhof einbiegt. Der Staatspräsident wartet nicht wie sonst üblich im Eingangsportal, sondern schreitet die Treppe zu Merkel herab – und begrüßt die Dame aus Deutschland mit einem Handkuss. Angela Merkel lächelt ein wenig nervös, plaudert dann aber ganz locker ohne Dolmetscher ein paar Worte mit ihrem Gastgeber.

Schon am Flughafen war der rote Teppich ausgerollt, die federbuschgeschmückte republikanische Garde stand Spalier. Und den ganzen Tag erstrahlt der Himmel über Paris in Kanzlerinnen-Wetter. Die französische Hauptstadt zeigt sich von ihrer besten Seite beim Antrittsbesuch der neuen deutschen Regierungschefin. „Ich bin sehr dankbar“, betont Jacques Chirac, „dass Frau Merkel unmittelbar nach ihrer Wahl zur Kanzlerin nach Frankreich gekommen ist.“ Wortreich wirbt der Staatspräsident für die „deutsch-französische Achse“. Sie bilde „das Herzstück der französischen Außenpolitik“. Angela Merkel erwidert artig, wie wichtig das freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich für ganz Europa doch sei.

Deutschland und Frankreich üben also den demonstrativen Schulterschluss zu Beginn von Merkels Kanzlerschaft. Schon für den 8. Dezember hat Merkel Chirac nach Berlin eingeladen. Vor allem in der EU wollen Deutschland und Frankreich an einem Strang ziehen. Das gilt speziell für die künftige Finanzierung der EU, um die bislang vergeblich gefeilscht wurde. Hier wollen Chirac und Merkel die britische EU-Ratspräsidentschaft drängen, einen Kompromiss noch im Dezember anzustreben. Akzeptabel sei aber nur ein EU-Budget, das „sehr nahe am Luxemburger Vorschlag liegt“, so der neue Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Luxemburg hatte vorgeschlagen, das EU-Budget bis 2013 auf 1,06 Prozent des EU-Bruttonationaleinkommens zu begrenzen.

Seite 1:

Warten auf den weiblichen Geist

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%