Metall-Tarifstreit vor der Entscheidung
IG Metall lässt die Muskeln spielen

Vor der entscheidenden Verhandlungsrunde im Tarifstreit in der deutschen Metall- und Elektroindustrie am Donnerstag in Baden-Württemberg will die IG Metall ihre Warnstreiks bundesweit massiv verstärken. Nach Einschätzung der Gewerkschaft werden daran bis zu 100 000 Metaller teilnehmen.

HB STUTTGART. IG-Metall-Chef Jürgen Peters drohte zum Tag der Arbeit am 1. Mai mit einem harten Arbeitskampf. „Wenn es am Verhandlungstisch schiedlich-friedlich keine Lösung gibt, werden wir uns unseren Anteil am Aufschwung über andere Wege holen“, sagte Peters am Dienstag in Hamburg. Sollten die Arbeitgeber nicht hören, müssten sie fühlen. „Wenn sie sich erneut verweigern, dann werden wir es nicht lange bei Warnstreiks belassen.“

In der fünften Verhandlungsrunde in Sindelfingen bei Stuttgart wird für 800 000 Metaller verhandelt. Der dortige Verhandlungsführer der IG-Metall, Jörg Hofmann, sagte der „Stuttgarter Zeitung“: Den Arbeitgebern muss klipp und klar sein: Sie riskieren mehr als eine gescheiterte Verhandlungsrunde.“ Die Gewerkschaft sei in der Lage, bereits in der nächsten Woche mit der Urabstimmung über einen Streik zu beginnen. Der 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft für die bundesweit 3,4 Mill. Beschäftigten steht bislang ein Angebot der Arbeitgeber über 2,5 Prozent plus 0,5 Prozent Konjunkturbonus gegenüber.

Am Montag hatte es bereits kurzzeitige Arbeitsniederlegungen in Berlin, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen gegeben. Der Schwerpunkt des Arbeitskampfes lag in Nordrhein-Westfalen. Am Dienstag waren die Warnstreiks auf Bayern ausgedehnt worden. Den Auftakt machten nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers rund 350 Mitarbeiter des Bauelemente-Herstellers Epcos in München, die gegen Mitternacht die Arbeit niederlegten.

Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer kündigte in Würzburg auf einer DGB-Kundgebung zum 1. Mai an, die Beschäftigten an den vier BMW-Standorten sowie bei Audi in Ingolstadt würden teils an diesem Mittwoch, teil am Donnerstag zu rund zweistündigen Warnstreiks aufgerufen. Dies bedeute, dass die Produktion von rund 1000 Fahrzeugen ausfallen werde, sagte Neugebauer.

Einen Lösungsansatz sehen die Tarifparteien bei der Laufzeit des neuen Tarifvertrages. In Interviews mit der Tageszeitung „Die Welt“ und der „Stuttgarter Zeitung“ hielt Verhandlungsführer Hofmann zwar zwei Jahre für unwahrscheinlich. „Wir können uns aber über eine Laufzeit von unter 19 Monaten unterhalten.“ Auch könne man mit zwei Prozentzahlen operieren, damit im nächsten Jahr noch eine Korrektur der zweiten Erhöhung auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung möglich sei. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatte im Nachrichtenmagazin „Focus“ das Laufzeit-Thema ebenfalls als eine der möglichen „Stellschrauben“ in den Vordergrund gerückt.

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