Metall-Tarifverhandlungen: IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld

Metall-Tarifverhandlungen
IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld

Die IG Metall wird sich in der nächsten Woche endgültig auf die Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie festlegen. Die Arbeitgeber haben die Lohnforderung der IG Metall zwei Wochen vor Beginn der Verhandlungen in Deutschlands Schlüsselbranche entschieden zurückgewiesen.

HB FRANKFURT. Die Forderung von 6,5 Prozent, die die Gewerkschaft am Montag für die bundesweit rund 3,4 Mill. Beschäftigten beschließen will, sei illusorisch, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im AP-Interview. IG-Metall-Chef Jürgen Peters betonte dagegen, die Industrie könne diese Forderung locker verkraften. Mit einem solchen Lohnzuschlag werde die Binnennachfrage stabilisiert.

Kannegiesser sagte, der Abschluss in dieser Runde müsse unter dem aus dem Vorjahr mit drei Prozent und einer Einmalzahlung von 310 Euro liegen. Gesamtmetall strebe einen zweiteiligen Tarifvertrag mit Grundkomponente und Konjunkturbonus an, der nur für die vereinbarte Laufzeit gelten solle. Wegen der weit auseinander liegenden Vorstellungen rechnet Kannegiesser mit schwierigen Verhandlungen, die Gesamtmetall und IG Metall auch intern stark belasten und sogar „zu einer Zerreißprobe für den künftigen Lohnfindungsprozess führen“ könnten.

Hohe Konzerngewinne prägen Erwartungshaltung

Gewerkschaftschef Peters sagte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hingegen, es gebe in der Gewerkschaft durchaus auch Stimmen, für die ein Plus von 6,5 Prozent zu wenig sei. Die Betriebe machten aus ihren hohen Gewinnen schließlich keinen Hehl. „Und natürlich prägt das auch die Erwartungshaltung der Beschäftigten, wenn die Manager satte Boni einstreichen und sich einige Vorstände die Gehälter um 30 Prozent erhöhen wollen“, sagte Peters in Anspielung auf den Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Klaus Kleinfeld.

Kannegiesser versprach, die Beschäftigten sollten angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt werden. „Doch nur, weil wir endlich mal Wachstumsraten erreicht haben, die andere Industrieländer schon lange vor uns hatten, darf man die Erwartungen nicht unrealistisch werden lassen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, forderte er. Die Ertragslage der einzelnen Unternehmen sei höchst unterschiedlich, was einen behutsamen Umgang mit Kostenerhöhungen erfordere. Der Gesamtmetall-Präsident kündigte zudem an, dass die regionalen Arbeitgeberverbände rasch ein Angebot vorlegen würden.

EZB-Chef warnt vor allzu großen Lohnerhöhungen

Am Montag will die IG Metall ihre Tarifforderung offiziell beschließen, die Verhandlungen beginnen am 12. März. Zuerst steigen die Tarifparteien im Bezirk Nordrhein-Westfalen in den Verhandlungsring, die anderen Bezirke folgen dann nach und nach. In Nordrhein-Westfalen wurde im vergangenen Jahr der Pilotabschluss vereinbart.

Unterdessen warnte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, vor allzu großen Lohnerhöhungen. „Lohnzurückhaltung ist und bleibt wichtig“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa. Der gemäßigte Anstieg der Arbeitskosten in den vergangenen Jahren sei einer der wichtigsten Faktoren für die Erhöhung der Beschäftigung und den Abbau der Arbeitslosigkeit gewesen.

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