Metall- und Elektroindustrie
Die Zeichen stehen auf Streik

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die bayerische Metall- und Elektroindustrie wird auch in Baden-Württemberg die Zeit für eine Einigung von Arbeitgebern und Gewerkschaft am Verhandlungstisch knapp. Ein flächendeckender Streik rückt immer näher.

HB STUTTGART. Am Mittwoch ging die sechste Verhandlungsrunde von Südwestmetall und IG Metall ergebnislos und ohne Annäherung in Böblingen bei Stuttgart zu Ende. Als letztmöglicher Verhandlungstermin vor der immer wahrscheinlicher werdenden Urabstimmung über einen flächendeckenden Streik in der südwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie mit ihren rund 800 000 Beschäftigten bleibt nun noch der Montag. Am Dienstag könnte der IG Metall-Bundesvorstand eine bundesweite Urabstimmung beschließen. Bundesweit zählt die Branche 3,4 Millionen Mitarbeiter.

Ein Sprecher des Arbeitgeberverbands Südwestmetall sagte nach dem mehrstündigen Gespräch, es habe sich keine Annäherung in den Streitpunkten Lohnerhöhung und Pausenregelung ergeben. Auch die Laufzeit des neuen Tarifvertrages sei weiter umstritten. Südwestmetall verlange keinen mehrjährigen Abschluss um jeden Preis, gebe einem solchen Abschluss aber den Vorzug. Ein Sprecher der Gewerkschaft war zunächst nicht erreichbar.

Südwestmetall und IG Metall verhandeln seit Wochen ergebnislos über neue Tarifverträge für die rund 800 000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft fordert bundesweit fünf Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Branche. Die Arbeitgeber sind bisher nur bereit, für dieses und nächstes Jahr die Lohntabellen um je 1,2 Prozent anzuheben und zusätzlich einmalig 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent für 2006 und 2007 mehr zu zahlen. Im Südwesten wird zusätzlich über den Erhalt bundesweit einmaliger Sonderregeln der Pausen für Beschäftigte an Montagebändern gestritten. Diese Pausen waren 1973 in einem langen Arbeitskampf erstreikt worden.

Ein verbessertes Lohnangebot legte Südwestmetall in der sechsten Runde wie bereits in anderen Tarifbezirken nicht vor. Zuvor müsse die Gewerkschaft „ernsthaft und konstruktiv“ über Möglichkeiten zum Beschäftigungsaufbau in der unter Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland leidenden Branchen reden, hatte der Arbeitgeberverband gefordert. „Bei der IG Metall gibt es vereinzelt Hoffnungen auf eine Tariferhöhung um deutlich über drei Prozent“, sagte der Südwestmetall-Sprecher. „Das ist jenseits des Erfüllbaren.“

Am Donnerstag tagt die Große Tarifkommission der IG Metall in Baden-Württemberg. Nach Gewerkschaftsangaben soll ein Vorratsbeschluss über die Einleitung einer Urabstimmung über flächendeckende Streiks gefasst werden. Wenn bei der nächsten und vorraussichtlich letzten Gesprächsrunde mit Südwestmetall am Montag keine Lösung absehbar sei, gebe es Streik, drohte die IG Metall.

Am Dienstag war in Nordrhein-Westfalen die sechste Verhandlungsrunde ohne Annäherung beendet worden. Dort treffen die Tarifparteien am Freitag abermals zusammen, um einen Pilotabschluss zu erzielen. Die bayerische IG Metall kündigte nach dem Scheitern der Verhandlungen an, beim Frankfurter Bundesvorstand der Gewerkschaft eine Urabstimmung über flächendeckende Streiks beantragen zu wollen. Der Bundesvorstand tagt am Montag und Dienstag. Die Streiks könnten bereits in der ersten Maiwoche beginnen, betroffen davon wären voraussichtlich vor allem die Automobilhersteller, Maschinenbauer und Metall verarbeitenden Unternehmen.

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