Metall- und Elektroindustrie
Jeder dritte Betrieb erhöht Löhne später

Gut ein Drittel der Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie hat mit seinen Betriebsräten inzwischen vereinbart, die regulär im Mai fällige Tariferhöhung von 2,1 Prozent zu verschieben. Dies hat die IG Metall jedenfalls in einer Umfrage im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg ermittelt.

BERLIN. Danach schöpfen etwa 20 Prozent der 750 tarifgebundenen Betriebe der Region die tarifvertraglich vorgesehene Verschiebungsklausel voll aus und zahlen die Erhöhung erst ab Dezember. Weitere 15 Prozent hätten sich entweder für kürzere Zeiträume entschieden oder würden die Tarifstufe mit übertariflichen Lohnbestandteilen verrechnen, berichtete IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann.

Die IG Metall sieht sich damit in ihrem Urteil bestätigt, dass die Arbeitgeber übertriebene Zahlen verbreitet hätten. Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell hatte davon gesprochen, dass sogar 70 Prozent die Verschiebung planten. „Nach meinem Kenntnisstand hat gut die Hälfte der 70 Prozent die Regelung schon im Kasten“, sagte er zu Wochenbeginn der „Stuttgarter Zeitung“. Im Kern wäre dieser Teil der Feststellung indes gerade deckungsgleich mit den Ergebnissen der IG Metall. Da die Löhne erst zum Monatsende ausgezahlt werden, könnten bis dahin allerdings noch weitere Vereinbarungen hinzukommen.

Mit ihrem Tarifabschluss von November 2008 hatten IG Metall und Arbeitgeber für die bundesweit 3,6 Millionen Metaller Lohnerhöhungen in zwei Stufen von je 2,1 Prozent vereinbart – die eine ab Februar, die andere ab Mai. Als Flexibilitätspuffer für Firmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sieht der Tarifvertrag aber vor, dass die zweite Stufe per betrieblicher Vereinbarung um bis zu sieben Monate verschoben werden kann.

Nach den Ergebnissen der IG- Metall-Umfrage hat indes fast die Hälfte der Betriebe ihren Beschäftigten im Gegenzug für eine Tarif-Verschiebung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesagt. „Damit“, lobte Hofmann, „sind die Arbeitnehmervertreter unserer Empfehlung gefolgt.“

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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