Metall-Verhandlungen
Arbeitgeber bemühen sich um eine schnelle Tarifrunde

Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie wollen in den Tarifverhandlungen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche frühzeitig aufs Tempo drücken. Ziel sei es, zügig eine konkrete Verhandlungsebene mit der IG Metall zu erreichen.

HB DÜSSELDORF. „Wir werden in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorlegen. Und das wird sicher nicht bei einem Prozent liegen“, sagte der Chef des Arbeitgeberverbands Metall NRW, Horst-Werner Maier-Hunke, dem Handelsblatt. Taktisches Zögern könne für die Arbeitgeber gerade in diesem Jahr keine Strategie sein, um die Meinungsführerschaft in der lohnpolitischen Debatte zu behaupten, erläuterte Maier-Hunke.

Am heutigen Montag machen Arbeitgeber und Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen mit ihrer ersten Verhandlungsrunde für 700 000 Beschäftigte den Auftakt zur Metall-Tarifsaison 2007. Im weiteren Wochenverlauf starten die Gespräche in den meisten anderen Tarifgebieten, darunter am Mittwoch in Baden-Württemberg, das ebenso wie NRW als Schlüsselbezirk gilt. Die jeweils zweiten Verhandlungsrunden sind nach vorläufiger Planung für Ende März und Anfang April terminiert.

In den Auftaktverhandlungen gibt es erfahrungsgemäß noch keine erkennbare Bewegung, da die Gewerkschaft zunächst ihre Forderung erläutert und beide Seiten die wirtschaftlichen Rahmendaten erörtern. Die IG Metall tritt diesmal mit einer Lohnforderung von 6,5 Prozent an, dies ist die höchste seit 2002. Nach Ansicht der Arbeitgeber sind die lohnpolitischen Spielräume 2007 jedoch geringer als 2006. Damals erreichte die IG Metall auf Basis einer Forderung von 5,5 Prozent Tariferhöhungen von 3,0 Prozent sowie eine variable Einmalzahlung von im Regelfall 310 Euro.

Mit der frühzeitigen Ankündigung eines Lohnangebots bereits für die zweite Verhandlungsrunde legen die Arbeitgeber ein deutlich höheres Tempo vor als im vergangenen Jahr. Damals hatten sie zunächst eigene Gegenforderungen präsentiert. Dazu zählte die ohne greifbaren Erfolg gebliebene Forderung nach einer Option zur Arbeitszeitverlängerung für Betriebe, die Personal aufbauen. Die IG Metall prangerte diese Gegenstrategie damals öffentlichkeitswirksam als Verzögerungstaktik an.

Ob ein frühzeitiges Lohnangebot diesmal auch zu einem raschen Abschluss der Tarifrunde führt, ist dennoch ungewiss. Denn in der Sache liegen beide Parteien nicht näher beieinander. Auch Maier-Hunke will sein Signal an die IG Metall nicht etwa als Zugeständnis in der Sache verstanden wissen. Zwar hatte er bereits im Januar öffentlich bezweifelt, dass den Arbeitgebern ein Tarifabschluss unter zwei Prozent gelingen werde. Zugleich beharrt er aber darauf, dass es keine wirtschaftliche Rechtfertigung für einen Abschluss auf dem Vorjahresniveau von drei Prozent gebe. „Zwar dürfte 2007 kein schlechtes Jahr werden, aber es gibt keinen Anhaltspunkt, dass die Wirtschaft so stark wächst wie 2006“, betonte er.

Wie Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser spricht Maier-Hunke der jüngsten Einigung in der chemischen Industrie einen Signalcharakter ab. Dort hatten die Tarifparteien in der vergangenen Woche Lohnerhöhungen von 3,6 Prozent und eine variable Einmalzahlung von im Regelfall 0,7 Prozent vereinbart. „Das mag für eine Branche mit zwölf bis 15 Prozent Personalkostenanteil in Ordnung sein“, sagte Maier-Hunke. „Wir müssen aber vor allem an die mittelständischen Metall- und Elektrobetriebe denken, die derzeit Beschäftigung aufbauen.“

Dass die IG Metall diesmal eine reine Lohnrunde ohne Nebenforderungen führen will, wird die Gespräche auch nach ihrer eigenen Einschätzung kaum erleichtern. Weniger Verhandlungsmasse mache Verhandlungen nicht einfacher, findet auch IG-Metall-Vize Berthold Huber. Während die Metaller im vergangenen Jahr auch Tarifregelungen für mehr Qualifizierung durchsetzten, wollen sie diesmal nichts anpacken, was zu einem Abschlag von der eigentlichen Lohnerhöhung führen könnte.

Einen Abschluss hält Arbeitgeberchef Maier-Hunke diesmal nach vier Verhandlungsrunden für möglich. Das wäre voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai. Wesentlich länger wird die Tarifrunde allerdings schon deshalb kaum dauern, weil am 28. April die Friedenspflicht für die IG Metall endet. Und auf einen Arbeitskampf lassen sich Unternehmen erfahrungsgemäß in Aufschwungzeiten mit vollen Auftragsbüchern am allerwenigsten ein.

Theoretisch könnte die IG Metall die Arbeitgeber demnach mit einem solchen Kalkül in die Knie zwingen. Doch dann – hält Maier-Hunke entgegen – würden viele Firmen aus der Tarifbindung aussteigen und ihre Beschäftigung im Inland zurückfahren: „Ich bin sicher, dass die IG Metall mitdenkt und die Folgen für ihre Mitgliederentwicklung berücksichtigt.“

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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