Metaller-Kompromissangebot
Tarifparteien in NRW weit auseinander

Im Ringen um einen wegweisenden Tarifkompromiss in der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen hat es bis Freitagabend nur einen äußerst kleinen Schritt der Annäherung gegeben. Die Tarifparteien brachten zwar neue Zahlen ins Spiel, die Positionen lagen jedoch noch erheblich auseinander.

HB DÜSSELDORF. Die Arbeitgeber boten in Düsseldorf eine Erhöhung von 2,0 Prozent je Jahr bei einer Laufzeit von 24 Monaten plus einer Einmalzahlung von 0,4 Prozent pro Monat an. Nach Darstellung von Verhandlungsführer Michael Jäger soll es für Auszubildende eine Nullrunde geben, um einen Anreiz zur Schaffung von Ausbildungsplätzen zu geben. Das Angebot der Arbeitgeber lautete bisher 1,2 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von zwei Jahren plus Einmalzahlungen von 0,6 und 0,4 Prozent.

Die IG Metall rückte in der siebten Verhandlungsrunde für die 700 000 NRW-Metaller von ihrer Fünf-Prozent-Forderung ab und verlangt nun 3,4 Prozent mehr Geld plus 0,4 Prozent Einmalzahlung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dies berichtete Verhandlungsführer Detlef Wetzel in Düsseldorf in einer Gesprächspause. Der Arbeitgeber- Verhandlungsführer Jäger nannte das Angebot nicht akzeptabel.

Zur Gesprächsrunde, deren Ergebnis Pilotcharakter für alle anderen Metall-Bezirke haben könnte, waren auch die Spitzenfunktionäre von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband angereist. Bundesweit sind in der Metall- und Elektroindustrie 3,4 Millionen Menschen beschäftigt. Beide Seiten stellten sich auf eine längere Sitzung ein und wollten notfalls am Samstag weiterverhandeln.

Die Gewerkschaft hat den Arbeitgebern ein Ultimatum bis Montag 24.00 Uhr gestellt. NRW-Verhandlungsführer Wetzel sagte: „Wenn uns keine Einigung gelingt, wird es einen Streik geben.“ Arbeitgeber- Verhandlungsführer Jäger sagte, eine Drei vor dem Komma, wie von der Gewerkschaft gefordert, sei nicht machbar. „Das wird so nicht laufen können“, betonte Jäger.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters verlangte von den Arbeitgebern ein „vernünftiges Lohnangebot“, um einen Kompromiss zu erreichen. Beide Seiten wollten, dass ein Versuch gemacht werde, eine Verhandlungslösung zu finden. Das sei jetzt keine Spielwiese mehr, sagte Peters. Es müsse aber ein Ergebnis erzielt werden, das in allen Tarifbezirken tragfähig sei. Zuvor hatte Peters im ARD-Mittagsmagazin die Streikbereitschaft der Gewerkschaft unterstrichen.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warnte in Düsseldorf vor einer Hängepartie. Das könne sich die Branche nicht leisten, sagte er zum Auftakt der Gesprächsrunde. Ein möglicher Streik bei einem Scheitern werde im Endeffekt den Betrieben und den Beschäftigten schaden. „Wir sind hier, weil wir uns gewisse Chancen für einen Abschluss in NRW ausrechnen“, sagte Kannegiesser.

Die Tarifkommissionen der Bezirke NRW und Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland (Mittelgruppe) sowie Niedersachsen und Bayern hatten bereits in einem so genannten Vorratsbeschluss beim Vorstand beantragt, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären und die Urabstimmung einzuleiten. Sollte es zu keinem Ergebnis kommen - am Montag wird noch in Baden-Württemberg verhandelt - kann der Gewerkschaftsvorstand entsprechend der Anträge auf seiner Frühjahrsklausur am Montag und Dienstag in Fulda unmittelbar entscheiden.

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