Metaller-Warnstreiks
Hück erwartet einen der härtesten Arbeitskämpfe aller Zeiten

In der Metallindustrie haben die Warnstreiks begonnen. Uwe Hück erwartet einen der härtesten Arbeitskämpfe aller Zeiten. Der Porsche-Betriebsratschef greift die Arbeitgeber an: Die Jugend fühle sich verraten.
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Frankfurt/BerlinIm Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben in der Nacht zum Sonntag erste Warnstreiks begonnen. Unmittelbar nach dem Ablauf der Friedenspflicht legten Metaller die Arbeit nieder, allerdings zunächst nur in einigen wenigen Betrieben. Die
IG Metall in Frankfurt sprach von rund 2500 Teilnehmern, rund die Hälfte davon in Bayern. Richtig anlaufen soll die Warnstreikwelle dann ab Mitte der Woche. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert, die Warnstreiks seien „unnötig und schädlich“.

Die Gewerkschaft will mit den Aktionen ihren Forderungen für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche Nachdruck verleihen. Die IG Metall verlangt in einem Paket 6,5 Prozent mehr Geld sowie die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber bieten bislang drei Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 14 Monaten und sprechen vom „oberen Rand des wirtschaftlich begründbaren Rahmens“.

Der Betriebsratsvorsitzende des Stuttgarter Autobauers Porsche, Uwe Hück, geht von einem langen und harten Tarifkonflikt aus. „Ich glaube, wir werden einen der härtesten Arbeitskämpfe bekommen, den wir je hatten“, sagte Hück in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ „Ich bin davon nicht begeistert, aber wir dürfen die Jugend nicht im Stich lassen“, sagte Hück, der für seine wortgewaltigen Reden bekannt ist.

Geld sei dabei nicht der große Knackpunkt. „Es geht vielmehr um prekäre Arbeitsverhältnisse und um die Jugend. 40 Prozent aller Beschäftigten unter 25 Jahre haben nach der Lehre befristete Verträge. Daran hat sich Deutschland schon gewöhnt. Die jungen Menschen fühlen sich verraten und verloren.“

Sein Eindruck sei, dass die Arbeitgeber die Situation falsch einschätzten. Sie hätten bereits gedroht, wenn die Gewerkschaft die Forderung nach unbefristeter Übernahme der Auszubildenden nicht zurücknehme, würden sie nicht mehr mit der IG Metall zusammenarbeiten. „Wenn das so weiter geht, befürchte ich das Schlimmste“, sagte Hück.

Der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, bezeichnete das Angebot der Arbeitgeber laut Mitteilung als Provokation. „Wir fordern ein Angebot, das die Beschäftigten und ihre Leistung ernst nimmt.“ Huber kündigte ab Mitte der Woche bundesweit massive Warnstreiks an. „Wenn in den nächsten Verhandlungen keine Lösung in Sicht ist, werden wir die Rote Karte ziehen“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montagausgabe).

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  • Leiharbeit muss man nicht verbieten. Leiharbeiter müssen nur den gleichen Lohn bekommen, wie der Festangestellte in der gleichen Position + 10% Flexibilitätszulage. Dann bildet sich ein neues Gleichgewicht zw. Festangestellten und Leiharbeitern. Bei befristeten Arbeitsplätzen könnte man auch eine Befristungszulage von 10% einführen. Dann würde sich mancher Betrieb schneller für eine Festanstellung entscheiden.

  • PS: Arbeitnehmer mit und ohne Migrationshintergrund sind deutlich weniger kriminell als die Gruppe der Erwerbslosen. Wenn man einem bestimmten Personenkreis auf Dauer die Teilhabe an unserer Gesellschaft verweigert, dann muss man sich nicht wundern, wenn Sozialschmarotzertum und Kriminalität zunehmen. D. h. mittels Bildung ab Schulbeginn können hohe Folgekosten und andere Probleme (Alkoholismus) eingedämmt werden. Allerdings muss man 15 Jahre warten, um einen Effekt zu beobachten. Für eine alle 4 Jahre zu wählende Regierung ist diese Perspektive uninteressant.

    Und noch etwas: Gerade unsere hochgelobte Industrie lässt sich vom "dummen" Handwerk die Fachkräfte ausbilden, um sie danach abzuwerben. Und wenn dann das Handwerk nicht genügend ausbildet, beschwert man sich.

  • wichtig wäre vor allem die Leiharbeit zu verbieten oder auf max. 2 Monate zu begrenzen!!!!!!!!!DAnach Übernahme in Stammbelegschaft zu gleichen Konditionen!Alles andere ergibt sich dann automatisch

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