Metalltarifrunde
Höhere Löhne träfen vor allem den Mittelstand

Die deutsche Metall- und Elektroindustrie profitiert vom Wachstum der Weltmärkte. Insgesamt ist die Produktion im vergangenen Jahr um vier Prozent gewachsen. Mit steigender Auslastung haben sich auch die Gewinne verbessert.

DÜSSELDORF. Nach Angaben von Gesamtmetall betrug die Umsatzrendite 2005 durchschnittlich 2,7 Prozent. Das ist zwar im internationalen Vergleich eher bescheiden, aber gegenüber den mageren Resultaten der Vorjahre gleichwohl ein erfreulicher Wert. Allerdings ist das Gefälle zwischen einzelnen Branchen und Unternehmen beträchtlich: Noch immer stecken 24 Prozent der Unternehmen in der Verlustzone, während immerhin neun Prozent auf eine Umsatzrendite von fünf Prozent und mehr kommen. Zu den problematischen Sparten zählen insbesondere Telekommunikationstechnik, Hausgeräte, Unterhaltungselektronik, Stahlbau und Bahnindustrie, die allein in den vergangenen fünf Jahren jeden fünften Arbeitsplatz abbauen mussten.

Die Metall- und Elektroindustrie ist die deutsche Schlüsselbranche. Die rund 22 700 Unternehmen mit ihren gut 3,4 Millionen Beschäftigten haben 2004 einen Umsatz von 770 Mrd. Euro erwirtschaftet. Nur noch gut 40 Prozent davon entfallen auf das Inland, und mit fortschreitender Internationalisierung wird der Exportanteil weiter steigen. Schon jetzt hält die Metall- und Elektroindustrie – vor allem aus Kostengründen – Beteiligungen an mehr als 4 000 Unternehmen außerhalb Deutschlands. Mit mehr als 1,2 Mill. Mitarbeitern erzielen diese Firmen mittlerweile einen Umsatz von rund 475 Mrd. Euro.

Es sind vor allem die Mittelständler, die das Bild der Branche prägen: 70 Prozent der Betriebe haben weniger als 100 Mitarbeiter, 28 Prozent weniger als 1 000 und nur zwei Prozent mehr als 1 000 Beschäftigte. Die fünf großen Branchen der Metall- und Elektroindustrie sind der Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Elektrotechnik, die Metallverarbeitung und die Branche Feinmechanik, Optik und Uhren. In diesen fünf Industriezweigen arbeiten insgesamt drei Millionen Menschen. Für den zunehmenden internationalen Wettbewerb sind große Konzerne wie Siemens, Bosch, BMW, MAN, Linde oder Heidelberger Druckmaschinen besser gerüstet, weil sie sich früher als der Mittelstand internationalisiert haben. „Ein breit aufgestellter, international tätiger Konzern wird eine kräftige Tariflohnsteigerung besser kompensieren können als ein auf den deutschen Markt fokussierter Mittelständler“, sagte Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank in München.

Die Lohnforderung der IG Metall stellt vor allem Mittelständler vor große Probleme. Denn Personalkosten sind mit einem Anteil von 18 Prozent am Umsatz ein wichtiger Kostenfaktor in der Metall- und Elektroindustrie. Deshalb werden die Unternehmen auch in diesem Jahr versuchen, über betriebliche Vereinbarungen den Anstieg der Tariflöhne zumindest abzuschwächen. Maschinenbauanalyst Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf vermutet: „Die effektive Gehaltssteigerung dürfte in den vergangenen Jahren tendenziell unter den Tarifabschlüssen gelegen haben.“

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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