Michael Frenzel
„Deckelung von Manager-Gehältern führt in die Irre“

Martin Schulz ist als Wirtschaftspolitiker bislang nicht in Erscheinung getreten. Damit er wirtschaftspolitisches Profil gewinnt, berät ihn Michael Frenzel – er fordert nun Entlastungen für untere und mittlere Einkommen.
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BerlinMichael Frenzel war jahrelang Chef des TUI-Konzerns und ist heute Präsident des SPD-Wirtschaftsforums. Gemeinsam mit SPD-Kanzlerkandidat Schulz arbeitet er an den wirtschaftspolitischen Positionen für den Bundestagswahlkampf. Im Interview mit dem Handelsblatt warnt Frenzel vor einer Deckelung von Manager-Gehältern per Gesetz und fordert Entlastungen für untere und mittlere Einkommen.

Herr Frenzel, unter Managern gibt es große Zweifel an der Wirtschaftskompetenz von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Wie wollen Sie diese Zweifel aus der Welt schaffen?
Es entspricht nicht meiner Wahrnehmung, dass es Zweifel an der Wirtschaftskompetenz von Martin Schulz gibt. Außerdem wäre es noch viel zu früh, um über die Wirtschaftskompetenz von Martin Schulz ein Urteil zu fällen. Er wird bald ein konturscharfes Bild seiner wirtschafts-und finanzpolitischen Pläne vorstellen. Genauso wie zu den Themen Einwanderung und innere Sicherheit. Gerade bei diesen beiden wohl wahlentscheidenden Themen gibt es große Verunsicherung und Sorge bei den Menschen. Alle Parteien sind gefordert, klare und zukunftsorientierte Konzepte vorzulegen.

Wie sieht Ihr Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsprofils der SPD im bevorstehenden Wahlkampf aus?
In meiner Funktion als Präsident des Wirtschaftsforums der SPD bin ich beratendes Mitglied im SPD-Parteivorstand. Das Wirtschaftsforum repräsentiert mehr als 250 Unternehmen – vom Mittelständler bis zu DAX- und internationalen Tech-Konzernen. Die SPD steht für Offenheit und Solidarität und ist die Partei des sozialen Ausgleichs, sie ist aber immer auch für soziale Marktwirtschaft und wirtschaftliches Wachstum eingetreten. Namen wie Helmut Schmidt, Karl Schiller oder Gerhard Schröder stehen für die Wirtschaftskompetenz. Als Wirtschaftsforum der SPD ist es unsere Aufgabe, Dialogplattform zu sein und den berechtigten Interessen der deutschen Wirtschaft Gehör zu verschaffen.

Bis jetzt setzt Schulz aber ganz andere Akzente, etwa indem er eine Abkehr von Teilen der Agenda 2010 fordert.
Es geht darum, die Agenda 2010 auf die heutigen Herausforderungen anzupassen. Die Agenda wurde 2003 entwickelt, als wir rund fünf Millionen Arbeitslose zu beklagen hatten. Wenn Martin Schulz, jetzt, 14 Jahre später das eine oder andere neu bewertet, ist das mehr als legitim. Noch nie waren so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie derzeit. Ursache dafür ist ja gerade die Agenda – das sieht übrigens der größte Teil der Partei genauso, die längst ihren Frieden mit der Agenda 2010 gemacht hat .

Kritiker sehen die Gefahr, dass das von Schulz geforderte „Arbeitslosengeld Q“ am Ende zu einem großen Frühverrentungsprogramm wird. Was halten Sie dem entgegen?
Dass sich die Arbeitswelt dramatisch verändert – und zwar mit steigendem Tempo. Dass wir einen Fachkräftemangel zu beobachten haben. Und dass mir Jeder, der mit dem „Arbeitslosengeld Q“ die Möglichkeit bekommt, einen qualifizierten neuen Job zu finden, lieber ist, als Wahlkampfgetöse.

Neben Arbeitslosen will die SPD auch mehr für Geringverdiener tun und diese bei den Sozialbeiträgen entlasten. Kommt die Mitte da mal wieder zu kurz?
Niemand kann ohne die Mitte Kanzler werden. In der Mitte gibt es derzeit ein weit verbreitetes Unbehagen, immer höhere Abgaben leisten zu müssen. Unter dem Stichwort „Leistungsgerechtigkeit“ wäre es deshalb wünschenswert, wenn untere und mittlere Einkommen entlastet würden. Allerdings müssen Steuersenkungen auch spürbar ausfallen. Wenn eine Familie am Ende nur 100 Euro im Jahr mehr in der Tasche hat, hat sie kaum etwas gewonnen. Dann kann es mehr Sinn machen, gezielt in Infrastruktur und Bildung zu investieren und darüber Familien zu entlasten, anstatt kaum wahrnehmbare Steuersenkungen übers Land zu schütten, die in Summe Milliarden kosten.

Der Spitzensteuersatz greift derzeit schon bei 54.000 Euro Jahreseinkommen. Finden Sie das gerecht?
Nein, denn mit diesem Einkommen ist man kein Spitzen-, sondern Normalverdiener. Auch diese niedrige Schwelle trägt zu dem Unbehagen in der Mitte bei. Der Spitzensteuersatz sollte daher erst ab einem deutlich höheren Einkommen greifen.

 

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„Deckelung von Manager-Gehältern führt in die Irre“

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„Der Eigentümer muss entscheiden, wie viel er seinen Führungskräften zahlt“

Kommentare zu " Michael Frenzel: „Deckelung von Manager-Gehältern führt in die Irre“"

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  • nach dem antiken, griechischen Philosophen Platon sollte "niemand mehr als das 4-fache des Vermögens eines anderen besitzen". Gar nicht so dumm!

    Wieviele haben denn nichts, null, nada, niente..... das 4fache von nichts ist immer noch nix ;)

    Aber Spaß beiseite. Ich denke, Selbstverpflichtung hat noch nie viel gebracht. Man muß schon klare Regeln schaffen. Nur bitte einfache und nicht typische deutsch verschachtelte hätte wäre wenn und dann doch gurndsätzlich vielleicht Regelungen.
    Wenn ein Konzernlenker seinen Kopf auch hinhält für das Unternehmen und die Risiken persönlich eingeht, kann er auch Millionen verdienen aus meiner Sicht. Wie der Handwerker von nebenan auch. Nur muss man endlich mal dafür Sorgen, dass bei großen Unternehmen auch eine irgendwie geartete Haftung der Manager eingeführt wird. Muss denn der Herr Winterkorn jetzt Gelder oder Prämien zurückzahlen? Als Einzelunternehmer hätte es ihm richtig weh getan bis hin zur Insolvenz.

  • Ihr Kommentar von Alessandro Grande hört sich an wie eine AfD/PEGIDA-bzw. Unions/Wirtschafts-Bot-Meldung. Möglicherweise steckt jedoch auch ein Kommentator dahinter, der sich aber geschickt nicht anmerken läßt, dass er mindestens 12000 Schulstunden in seiner Jugend über sich hat ergehen lassen und offensichtlich trotzdem nur nachplappern kann, was andere ihm vorplappern - und das auch noch für Politikkompetenz hält!

    "... Die Kommentare anderer Leute:
    teils Verschwörer der übelsten Sorte,
    teils dumpfbackige, hirnlose Beute
    einer versponnenen, verbohrten Kohorte...."

    http://youtu.be/sBom50KrkBk

    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören.

  • ...
    nach dem antiken, griechischen Philosophen Platon sollte "niemand mehr als das 4-fache des Vermögens eines anderen besitzen". Gar nicht so dumm!

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