Michael Glos möchte nicht mehr Wirtschaftsminister sein
Wie sich Spitzenmänner entfremden

Warum der Wirtschaftsminister sich als nächstes Opfer der brachialen Personalpolitik des neuen Parteichefs Horst Seehofer sieht.

BERLIN. Freitag Nachmittag war Michael Glos bester Laune. Der Wirtschaftsminister ist zu Gast in Koblenz, wo die CDU vor Ort einen Geburtstagsempfang für ihren Abgeordneten Michael Fuchs ausrichtete. Fuchs und Glos kennen sich lange, und weil der Wirtschaftsminister ein Mann ist, der Freundschaften pflegt, lässt er es sich nicht nehmen, am Freitag in Koblenz ein paar freundliche Worte über den Jubilar Fuchs zu sagen. Beide, der Wirtschaftsminister und der Chef der Mittelständler in der Unions-Fraktion stehen sich politisch nahe und schätzen sich auch menschlich. 450 Leute stehen zusammen, und hören eine Laudatio des Wirtschaftsministers, die voller Humor ist, so richtig passend im Rheinland, wo in diesen Tagen der Karneval tobt.

Danach steht Glos in kleiner Runde, bei einem Bier unterhält man sich und in einem Nebensatz blitzt ein anderer Grund auf, warum Glos an diesem Tag wie gelöst wirkt. Völlig unvermittelt sagt er, bevor in seine Heimat Schweinfurt aufbricht: "Eins sage ich Euch, mit mir macht der Horst das nicht."

Sagt´s und verschwand. Keiner wusste da, das Glos mit dem kleinen Satz zu erkennen gab, dass er für sich eine große Entscheidung getroffen hatte. Zu diesem Zeitpunkt wähnte sich der Wirtschaftsminister als nächstes Opfer der brachialen Personalpolitik des neuen Parteichefs Horst Seehofer. Glos hatte mitbekommen, was der "Donaukurier", die in Sachen Seehofer gewöhnlich gut informierte Zeitung aus dessen Heimat Ingolstadt, am Freitag abend an die Agenturen geben würde.

Dass Seehofer sich den Bauunternehmer Thomas Bauer als Nachfolgekandidat für sein Bundestagsmandat ausgeguckt habe. Und dass er bereits bei der Kanzlerin sondiert habe, ob einer wie Bauer, einer der erfolgreich Geschäfte von Schrobenhausen bis Dubai macht, nicht für Höheres verwendbar sei, etwa das Amt des Wirtschaftsministers. Ob das so stimmt ist unklar, im Umfeld Seehofers heißt es, der Parteichef habe noch keine Entscheidung getroffen, wer in seinem Wahlkreis antreten solle.

Glos sah das offenbar anders. Und zumindest die bisherigen Personalquerelen der CSU in der noch kurzen Amtszeit Seehofer scheinen ihm Recht zu geben.

Seehofer mag die CSU wieder auf Augenhöhe in der großen Koalition gebracht haben, mit seiner brachialen Forderung nach Steuersenkungen etwa. In der Personalpolitik geht er ebenso brachial vor - und hat damit jedenfalls nach der Zusammenstellung des neuen Kabinetts in Bayern kein glückliches Händchen mehr bewiesen. In der Frage der Spitzenkandidatur für die Europawahlen im Juni wollte er Strauß-Tochter Monika Hohlmeier einen Listenplatz ganz vorne verschaffen - sehr zum Missfallen von Markus Ferber, dem lang gedienten Spitzenmann der CSU in Brüssel. Sehr zum Missfallen auch der CSU-Basis, die zwar Parteiikone Franz Josef Strauß verehrt, mit dessen Nachwuchs aber nichts mehr zu tun haben will. Nach langem parteiinternen Streit, ausgerechnet um die Weihnachtsfeiertage, setzte sich Ferber schließlich durch. Zu umstritten ist die ehemalige Kultusministerin Hohlmeier in der CSU, zu unklar noch immer ihre Rolle in der Münchner CSU, mit der sich auch ein Untersuchungsausschuss beschäftigt hatte. Seehofers Motiv, mit einem guten Platz für Hohlmeier einen Schritt hin zur Aussöhnung von CSU und Strauß-Familie zu tun, überzeugte nicht.

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