Migranten als Lehrer: Verband hält Regierungspläne für praxisuntauglich

Migranten als Lehrer
Verband hält Regierungspläne für praxisuntauglich

Die Regierung will mehr Migranten im Schuldienst, SPD und Grünen schwebt eine Einstellungsquote vor, mit der vornehmlich Ausländer für den Lehrerberuf begeistert werden sollen. Der Lehrerverband sieht die Überlegungen skeptisch.
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DÜSSELDORF. Der Deutsche Lehrerverband hält die Empfehlung der Bundesregierung, künftig verstärkt Lehrer mit Migrationshintergrund einzustellen, für wenig praxistauglich. Zwar sei es wert, über die Idee nachzudenken. „In der Praxis wird sich diese Initiative aber kaum in nennenswerter Größenordnung umsetzen lassen“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online.

Dessen ungeachtet stellte Kraus klar, dass für solche Lehrer die gleichen Maßstäbe gelten müssten wie für jeden anderen Lehrer auch: Nur wer eine Hochschulzugangsberechtigung, ein Lehramtsstudium und eine Lehrerausbildung nach deutschem Recht sowie eine Verpflichtung auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland nachweisen könne, komme in Frage. „Diese Voraussetzungen erfüllen derzeit nur sehr wenige potenzielle Aspiranten“, sagte Kraus.

Der Lehrerverbandspräsident gab zudem zu bedenken, der Wunsch, mehr Lehrer mit Migrationshintergrund an die Schulen zu bringen, allenfalls als langfristige Zielsetzung eine Chance auf Umsetzung habe. „Sollte es gelingen, ab sofort mehr Abiturienten mit Migrationshintergrund für den Lehrerberuf zu gewinnen, so würden diese erst in rund sieben bis acht Jahren in den Schulen zum Einsatz kommen“, sagte Kraus. Viel wichtiger ist es aus seiner Sicht daher, eine konsequente und obligatorische Bildungsberatung für Migrantenfamilien zu institutionalisieren. „Hier wäre viel früher mit positiven Effekten zu rechnen.“

SPD und Grüne setzen auf eine Einstellungsquote, um mehr Migranten in den Staatsdienst zu holen. "Wir brauchen eine Quote für Migranten im öffentlichen Dienst", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, "Spiegel Online". "Besonders bei der Polizei und Lehrern brauchen wir einen bestimmten Anteil von Migranten." Gerade dort könnten Integrationsprobleme frühzeitig erkannt werden.

Die Quote solle "dem Anteil in der Bevölkerung entsprechen", sagte der SPD-Politiker. Erstmals hat sich damit in der laufenden Debatte ein führender Sozialdemokrat für eine grundsätzliche Integrationsregelung im öffentlichen Dienst ausgesprochen. Am Donnerstag hatten bereits die Grünen für eine Migranten-Quote im Staatsdienst in Höhe von zehn Prozent geworben. Bei der CSU war das auf scharfen Widerstand gestoßen.

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  • Wenn es soweit kommt, ist folgender Dialog wohl Standart in unseren Schulen:
    Lehrer Mehmet, wo du kommen her?
    ich kommen krass aus Türkei, weißt du?! Und weil ich gute deutsch, ich Lehrer geworden.


  • Wir werden wohl nicht gefragt, ob wir das überhaupt wollen, was wir davon halten...

    Schon wieder entscheiden die über unsere Köpfe hinweg...

    Sehr ärgerlich!



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