Migranten helfen Migranten: „Staatliche Institutionen stoßen oft auf Misstrauen“

Migranten helfen Migranten
„180-Grad-Wende“ gegen Radikalisierung

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„Staatliche Institutionen stoßen oft auf Misstrauen“

Das ist der Punkt, an dem Mimoun Berrissoun mit seiner Initiative ansetzt. Er will den jungen Männern durchaus eine Perspektive bieten. Darauf hat er sich seit 2013 allmählich spezialisiert, zusammen mit inzwischen mehr als 200 ausgebildeten Freiwilligen. „Wir wollen verhindern, dass junge Menschen in Extremismus und Kriminalität abgleiten.“ Dafür suchen die Helfer das persönliche Gespräch - in Schulen, Vereinen und Moscheen und auf öffentlichen Plätzen. Zusammen mit der Stadt Köln und der Polizei bieten sie Coachings zum Beispiel zu Konfliktverhalten, Umgang mit Drogen oder Berufsvorbereitung an.

„Entscheidend ist, dass die Freiwilligen selbst eine Zuwanderungsgeschichte haben“, sagt Berrissoun. „Staatliche Institutionen stoßen dagegen oft auf Misstrauen.“ Man müsse sich in die jungen Migranten hineinversetzen können. Berrissoun kann zum Beispiel nachempfinden, wie es ist, plötzlich ausgegrenzt zu werden. „Ich hab' das einmal erlebt, am Tag nach dem 11. September, als ich noch in Köln zur Schule ging“, erzählt er. „Da haben einige aus meiner Klasse zu mir gesagt: „Ihr wart das!“ Ich wurde voll rot. Das war ein Schlag ins Gesicht.“

Die große Stärke der Initiative sei die „peer-to-peer“-Ebene, sagt der städtische Jugendpfleger Manfred Kahl, also die Begegnung unter Gleichen. „Wenn ich mich sehr bemühe, dann bekomme ich vielleicht fünf Jugendliche zusammen, die mit mir ins Kölner NS-Dokumentationszentrum gehen, um dort über Grundwerte und Demokratie zu reden. Die Truppe da bekommt aber 30, 40 Leute zusammen.“ So kommen Verbindungen zu einer Community zustande, die man mit keinem Flyer und keinem Facebook-Auftritt erreichen kann.

Sogar der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Initiative der Kölner Migranten inzwischen ausgezeichnet. Das Bundesfamilienministerium unterstützt sie mit 124 000 Euro im Jahr. Das Projekt sei „eine Art Frühwarnsystem für junge Menschen in persönlichen Krisensituationen, aus denen sich Radikalisierungsprozesse ergeben können“, sagt ein Ministeriumssprecher. „Hass und Menschenfeindlichkeit setzen Akteure der „180 Grad Wende“ ein klares Bekenntnis zum friedlichen Miteinander entgegen.“

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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