Rund ein Fünftel der Bevölkerung oder 15,7 Millionen Menschen leben alleine, das sind elf Prozent mehr als 1996. Dieser starke Anstieg, so Thomas Bauer vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), hänge auch mit den Arbeitsmarktreformen zusammen. „Hartz IV hat ja geradezu eingeladen, eine eigene Bedarfsgemeinschaft zu gründen“, sagte er. Diesen Fehler im Gesetz hätten vor allem unverheiratete Paare und Jugendliche genutzt.
Seit 1991 schrumpfte der Anteil der Haushalte mit Kindern um sieben Prozentpunkte auf 31 Prozent. In über einem Fünftel der Haushalte leben kinderlose Paare. Der Anteil reiner Seniorenhaushalte ist mit 22 Prozent fast schon genauso groß wie der der Haushalte mit minderjährigen Kindern (23 Prozent). Eltern, Kinder und Großeltern lebten nur in knapp einem Prozent der Haushalte unter einem Dach.
Wie sich der langsame Abschied vom traditionellen Familienbild auf die Wirtschaft auswirken wird, sei unter Wissenschaftlern „eine völlig offene Frage“, so RWI-Ökonom Bauer. Er macht auch die „starke staatliche Sicherung“ dafür verantwortlich, dass sich die klassischen Familienverbünde immer mehr auflösten. Denn sie habe dazu geführt, dass Kinder für die Sicherung des eigenen Alters nicht mehr erforderlich seien.
„Das Problem wird dadurch verschärft, dass Deutschland in Hinblick auf Betreuungsmöglichkeiten eher einem Entwicklungsland als einem entwickelten Industrieland gleicht.“ Dieser Mangel, so Bauer, erschwere es, den Vorteil zu nutzen, den die Abkehr vom traditionellen Familienbild mit sich bringe: den steigenden Anteil berufstätiger Frauen.


