
DüsseldorfWenn Cristina Iulia Popescu über die Zuwanderungsdebatte spricht, sagt sie das Wort „übertrieben“ ziemlich häufig. Übertrieben findet sie das Angstgefühl, es seien nur verarmte Einwanderer zu erwarten, die vom deutschen Sozialsystem profitieren wollen. Und für übertrieben hält sie auch die Bedeutung des 1. Januar 2014 – dann gilt die uneingeschränkte Arbeitnehmer-Freizügigkeit auch für Rumänen und Bulgaren: „Ich glaube nicht, dass Menschen auf gepackten Koffern sitzen, um dann endlich nach Deutschland zu kommen“, sagt sie. Popescu stammt aus Bukarest in Rumänin, seit 2010 ist die 27-Jährige in Deutschland. Gekommen ist sie, um an der Freien Universität in Berlin ihren Master zu machen. „Wer weg wollte, ist schon weg“, sagt sie über ihre Landsleute.
Für Popescu war Deutschland der Ort, an dem sie ihre beruflichen Ziele erreichen konnte. Nach einem Master-Abschluss in Europa-Studien und Human Ressources in Rumänien arbeitete sie als Beraterin in einem IT-Konzern. Aber sie wollte gerne in den Bildungsbereich, mehr mit Politik zu tun haben. Die Möglichkeit sah sie in Rumänien nicht und bewarb sich für einen Master in Berlin. Heute ist sie eine von 66.000 rumänischen Staatsbürgern, die in Deutschland arbeiten.
80 Prozent der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien gehen einer Arbeit nach, berichtet das RWI. 20 Prozent davon seien sogar hochqualifiziert – so wie Cristina Iulia Popescu und einige ihrer Freunde. „Viele sind zum Beispiel Ärzte“, erzählt sie. „Die wurden von Agenturen vermittelt und arbeiten jetzt oft in Kleinstadtkrankenhäusern.“ Für die Rumänen sei das eine erhebliche Verbesserung und in den betreffenden Städten seien Ärzte gesucht.
Auch in anderen Bereichen gibt es nach wie vor offene Stellen. „Deutschland braucht Fachkräfte“, sagt Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit. „Deswegen sind qualifizierte Arbeiter herzlich willkommen.“ Erst kürzlich habe Bulgarien signalisiert, dass es gerne junge, ausgebildete Menschen dabei unterstützen werde, nach Deutschland zu kommen.
Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.
Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.
Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.
Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.
Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.
Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.
Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.
Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.
„Bedarf gibt es genug“, sagt auch Andreas Röhm, der mit seiner Beratungsagentur Personal aus Osteuropa nach Deutschland vermittelt. Dennoch glaubt er ebenfalls nicht, eine Einwanderungswelle bevorsteht – weder von Arbeitswilligen noch von Arbeitsunwilligen. „Erstens haben einige Deutsche Arbeitgeber Rumänien und Bulgarien gegenüber gewisse Ressentiments“, sagt er. Die müssen sukzessive abgebaut werden. Das größere Problem aber seien die Deutschkenntnisse. „Da müsste Deutschland viel mehr Angebote schaffen“, sagt er. Bisher werde vor allem Englischkurse angeboten. „Deutschland verhält sich da, als ob es die Fachkräfte nicht nötig hätte.“

Herrlich, wie plötzlich bei dem Artikel "Der Staat patzt bei der Integration" sämtliche Kommentare verschwunden sind und bei dem Artikel "Deutschlands ungehobener Schatz (Zuwanderer)" Kommentare gar nicht erst zugelassen sind.
Lass uns Demokratie machen, solange Du meiner Meinung bist.
Ich bin keineswegs gegen Zuwanderer, aber gegen die rigide Art der qualitätsfreien Medien, wie hier mit dem Thema umgegangen wird.

Deutschlands Zukunft hängt von rumänischen Einwanderern ab ?? Gott, welch dümmliche These...
Dass die Arbeitgebelobby, zusammen mit Rösler und Handelsblatt, hier mit den Migranten-Lobbyverbänden wie Türkischer Gemeinde (Kenan Kolat) zusammenmauschelt, ist doch klar.
Billige Arbeitskräfte für die Industrie und Hartz4 für den Rest und die nette Verwandtschaft auf Kosten des Steuerzahlers.
Wo das hinführt, sieht man gerade in Schweden....
18 Kommentare
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