Mikrozensus Die meisten Deutschen sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden

Deutsche Beschäftigte sind mit ihrer durchschnittlichen Arbeitszeit zufrieden. Nur ein kleiner Teil würde gerne weniger arbeiten. Auch das Gehalt ist für viele kein Maßstab mehr für Zufriedenheit im Job.
Update: 18.01.2018 - 17:16 Uhr Kommentieren
Mehr oder weniger arbeiten? Für die meisten der über 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland ist das keine Frage: Sie sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Quelle: dpa
Entscheidung an der Stechuhr

Mehr oder weniger arbeiten? Für die meisten der über 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland ist das keine Frage: Sie sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden.

(Foto: dpa)

Wiesbaden .

Arbeiten von 9 bis 17 Uhr, fünf Tage die Woche in Vollzeit. Was einst in der geregelten deutschen Berufswelt galt, ist längst Geschichte. Viele arbeiten in Schichten, in Teilzeit und am Wochenende. Doch nicht alle sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten bewegt Beschäftigte wie Firmen und verändert Tarifkonflikte in der Industrie.

Zwar war im Jahr 2016 die große Mehrheit der Erwerbstätigen mit ihrer Arbeitszeit zufrieden, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamts von Donnerstag zeigen. Doch zugleich wünschen sich 3,8 Millionen Beschäftigte, ihre Wochenarbeitszeit aufzustocken oder zu senken - mit entsprechenden Folgen für ihren Verdienst.

Demnach gaben 2,6 Millionen Arbeitnehmer an, gerne mehr arbeiten zu wollen, um mehr zu verdienen. Diese „Unterbeschäftigten“ kamen auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 28,9 Stunden und wünschten sich deutlich mehr Arbeit. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch unter Teilzeitbeschäftigten. Sie kommen laut der Statistiker auf eine Wochenarbeitszeit von 19,8 Stunden - was ihr Gehalt beschränkt. In der Gruppe der Unterbeschäftigten stellen sie mit gut 1,4 Millionen Menschen die Mehrheit.

Andere hingegen klagen über die Last ihres Berufs. 1,2 Millionen „Überbeschäftigte“, die im Schnitt 41,6 Stunden pro Woche tätig sind, würden gerne weniger arbeiten und wären dafür auch zu Gehaltseinbußen bereiten.

Für die Linken-Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann ist die Sache klar. „Während die einen bis zum Umfallen schuften, müssen sich die anderen, unverhältnismäßig oft Frauen, mit Teilzeitstellen und Minijobs begnügen“, kritisiert sie. Die Partei will die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden begrenzen. Auch die SPD hat das Thema erkannt. Sie will in einer möglichen großen Koalition ein Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeit durchsetzen.

Doch selbst einige Vollzeitbeschäftigte empfinden ihr Pensum keinesfalls als Zumutung. Immerhin 1,2 Millionen Menschen aus dieser Gruppe würden laut der Statistik für mehr Geld noch mehr arbeiten.

„Die gewünschte Arbeitszeit hängt stark von der Lebensphase ab“, sagt Yvonne Lott von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Während etwa Berufseinsteiger teils gerne viel arbeiteten, um ihre Karriere voranzutreiben, dominiere später der Wunsch nach Reduzierung, etwa für die Kinderbetreuung. „Viele haben Mühe, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringe“, sagt Lott.

Für mehr Flexibilität tritt auch die IG Metall im laufenden Tarifkonflikt in der Metall- und Elektrobranche ein. Sie fordert nicht nur ein Gehaltsplus von 6 Prozent, sondern auch ein Recht auf befristete Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden. Eltern kleiner Kinder, Schichtarbeiter und pflegende Familienangehörige sollen einen finanziellen Teilausgleich erhalten. Der Tarifkonflikt dreht sich inzwischen eher am Rande um Geld, denn die Arbeitgeber lehnen ein Recht auf weniger Wochenarbeitszeit vehement ab.

Auch in anderen Tarifrunden rückte das Thema Gehalt schon in den Hintergrund, etwa bei der Deutschen Bahn 2016. Dort entschieden sich die Beschäftigten am Ende in einem Modell der Eisenbahnergewerkschaft EVG mehrheitlich für mehr Urlaub anstatt für mehr Geld. „Der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten ist ein gesamtgesellschaftlicher Trend“, sagt Lott. „Viele sehen Zeit als zunehmend wichtige Ressource neben dem Gehalt.“

Dies könnte nach Ansicht der Bundesbank sogar weitreichende volkswirtschaftliche Folge haben. Denn liege der Fokus in Tarifrunden nicht mehr allein auf dem Gehalt, könne das den Anstieg der Löhne dämpfen, sagte Präsident Jens Weidmann jüngst der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er sieht in der Verschiebung einen Grund, warum die Einkommen derzeit nicht so stark zulegen wie es der Wirtschaftsboom vermuten lasse.

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  • dpa
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