0 Bewertungen
05.06.2008 
Proteste dauern an

Milchbauern sollen Boykott beenden

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) hat die Milchbauern am Donnerstag zum Ende des Lieferboykotts aufgerufen. "Ich fordere sie auf, ab heute Abend wieder Milch zu liefern", sagte BDM-Chef Romuald Schaber vor mehreren tausend Bauern am Brandenburger Tor in Berlin. Dort hatten die Bauern für eine Anhebung der Milchpreise demonstriert.

Milchbauern protestieren vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: apLupe

Milchbauern protestieren vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: ap

HB BERLIN. "Die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen", sagte BDM-Chef Schaber vor den Bauern in Berlin. Mehrere Tausend waren am heutigen Donnerstag vor das Brandenburger Tor gezogen, um für höhere Milchpreise zu demonstrieren. "Nach dem Milchstreik wird nichts mehr sein wie zuvor", rief das Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Walter Peters, dort seinen Kollegen zu.

Die Bauern boykottieren seit zehn Tagen die Molkereien. Sie fordern mindestens 43 Cent pro Liter Milch. Derzeit erhalten sie nach eigenen Angaben maximal 35 Cent je Liter Milch.

Nach dem erklärten Ende des Milchboykotts sieht Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer gute Chancen für die Einigung auf einen "fairen und kostendeckenden" Milchpreis. Er habe nach Gesprächen mit Landwirten und Unternehmen die "deutliche Bereitschaft" erkannt, in konkrete Preisverhandlungen einzutreten, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in Berlin.

Seehofer nannte dazu Unternehmen wie Metro, Aldi Nord, Rewe und Edeka. Nach einer tagelangen "Zerreißprobe" für die Milchlieferanten seien jetzt die Voraussetzungen für einen bundesweiten Durchbruch gegeben. "Das Tor ist auf, dass das jetzt flächendeckend gelöst wird", sagte Seehofer. Einen Preis für den Liter Milch nannte Seehofer nicht.

Mit Transparenten wie "43 Cent - Milchstopp hat ein End" unterstrichen die Landwirte ihre Forderung im laufenden Lieferboykott. Nach der Ankündigung des Discounters Lidl vom Vortag, die Milchpreise anzuheben, äußerten sich viele Demonstranten hoffnungsvoll, dass weitere Handelsketten nachziehen. Auch Aldi Süd zeigt sich mittlerweile zu Verhandlungen bereit.

Dennoch kam es vor den Zentralen der Schwesterunternehmen Aldi Süd in Mülheim und Aldi Nord in Essen erneut zu Protesten der Milchbauern. Die Bauern werfen Aldi vor, Ausgangspunkt der massiven Preissenkungen im Frühjahr gewesen zu sein. An den Milchpreisen von Aldi orientieren sich erfahrungsgemäß auch zahlreiche andere Lebensmittelhändler.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar