Milieuforscher
Schwarz-grün ab 2013 realistisch

Der Siegeszug der Grünen in den Umfragen hält an - auch die Union kommt an der neuen Volkspartei bald nicht mehr vorbei. Ist die Zeit reif für schwarz-grüne Bündnisse? Ja, sagt ein Milieuforscher.
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BerlinDie politische Debatte über eine mögliche schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2013 wird von Milieuforschern untermauert. „Ein tieferer Blick auf die soziokulturellen Entwicklungen der letzten Jahre zeigt eine generelle Entideologisierung bis hin zu neuen Wertesynthesen, so dass Schwarz-Grün bereits nach der Bundestagswahl 2013 eine realistische Option sein könnte“, sagte Norbert Schäuble, Milieu-Forscher und Gesellschafter beim Heidelberger Sinus–Institut, dem Handelsblatt.

Symbolisiert werde der Wertewandel derzeit durch den von Kanzlerin Angela Merkel durchgesetzten Atomausstieg. „Aber es gibt auch auf der Werteebene, vor allem bei den Leitmilieus, selbst bei den Konservativ-Etablierten Annäherungen“, sagte Schäuble.

„Das gilt etwa für das Thema Nachhaltigkeit, das sich nicht nur auf die Energiewende beschränkt, sondern ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen umfasst. Darauf setzt die Leistungselite, bei der sich Konvergenzprozesse beobachten lassen, die nicht mehr der Logik des „entweder – oder“, sondern dem Anspruch auf das „sowohl – als auch“ verpflichtet sind.“

So seien bei den Parteipräferenzen der Leistungseliten im Land, die rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, Union, FDP und die Grünen inzwischen überrepräsentiert. Weniger angekommen sei die Annäherung bei der Bürgerlichen Mitte und im Traditionellen Milieu. Aber die Entwicklung zeigt, dass die Grünen dauerhaft „das Potential haben, deutlich mehr als zehn Prozent zu erhalten“.

Entsprechend stünden alle Parteien vor großen Herausforderungen. Während die CDU sich so modernisieren und zugleich ihre konservative Klientel binde müsse, stünden die Grünen vor der Aufgabe, ihre Ankündigungen in eine realistische Politik umzusetzen. Gefahr sieht Milieuforscher Schäuble für die Sozialdemokraten: „Die SPD muss aufpassen, nicht nur zum Sprachrohr der Modernisierungsverlierer zu werden.“

Trotz aller gesellschaftlicher Veränderung sieht Schäuble auch Chancen für Schwarz-Gelb: „Für Schwarz-Gelb gäbe es jetzt – trotz oder gerade wegen der schlechten Stimmungslage – auch die Chance doch noch wirkliche Reformen mit langfristigen Strategien zu starten. Dabei müssten aber auch CDU und CSU bereit sein, der neu aufgestellten FDP Erfolge zu gönnen.“

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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