Militäreinsatz zeitlich nicht begrenzt
Türkei verfolgt „eindeutiges Ziel“ im Nordirak

Der türkische Militäreinsatz im Nordirak ist nach offiziellen Angaben zeitlich nicht begrenzt. Entscheidend sei die Vernichtung von Stützpunkten der kurdischen Extremistenorganisation PKK. US-Verteidigungsminister Gates hingegen drängte die TürkeI, die Offensive so schnell wie möglich zu beenden und aus dem Nachbarland abzuziehen.

HB BAGDAD. „Unser Ziel ist eindeutig, unser Einsatz ist klar, und es gibt keinen Zeitplan“, sagte der türkische Gesandte Ahmet Davutoglu in Bagdad. US-Verteidigungsminister Robert Gates und der amtierende irakische Ministerpräsident Barham Saleh forderten die Türkei auf, ihre Offensive in den autonomen irakischen Kurdengebieten so schnell wie möglich zu beenden. „Die Folgen wären fatal. Das ist eine sehr gefährliche und prekäre Situation“, sagte Saleh der Nachrichtenagentur Reuters.

Davutoglu, der außenpolitische Chefberater von Ministerpräsident Tayyip Erdogan, traf am Mittwoch zunächst mit Außenminister Hoschijar Sebari zusammen. Er wollte auch mit Präsident Dschalal Talabani sprechen, der wie Sebari ein Kurde ist. Der Irak hatte den türkischen Einmarsch am Dienstag verurteilt und den sofortigen Abzug der Soldaten gefordert.

Die türkischen Streitkräfte waren vorige Woche in die nordirakischen Kurdengebiete einmarschiert. Dort haben sich Tausende Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans PKK verschanzt, die für einen Kurdenstaat in der Türkei kämpft. Die PKK stößt vom Nordirak aus immer wieder in den Südosten der Türkei vor. Seit Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK vor 24 Jahren sind etwa 40.000 Menschen zu Tode gekommen.

Auch US-Verteidigungsminister Gates drängte die TürkeI, die Offensive so schnell wie möglich zu beenden und aus dem Nachbarland abzuziehen. „Unter schnell verstehe ich Tage, ein oder zwei Wochen oder so, nicht Monate“, sagte Gates in Neu-Delhi. Die Türkei dürfe sich in der Auseinandersetzung mit der PKK nicht auf militärische Mittel beschränken, sondern müsse auch auf politische und wirtschaftliche Initiativen setzen. Gates wird am Donnerstag in Ankara mit der türkischen Führung zusammenkommen.

Der türkische Generalstab meldete unterdessen den Tod von 77 weiteren PKK-Kämpfern und fünf Soldaten. Somit sind nach Darstellung der Armee seit Beginn der Offensive 230 Kurden und 24 Angehörige der Streitkräfte ums Leben gekommen.

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