Militärtransporter A400M
Zu Guttenberg torpediert EADS-Wünsche

Die Bundesregierung lässt wenig Kompromissbereitschaft gegenüber Airbus hinsichtlich der Lieferverzögerungen beim Militär-Transportflugzeug A400M erkennen. Damit steuert Verteidigungsminister zu Guttenberg auf einen Konflikt mit Frankreich zu, das seit Monaten darum wirbt, das ambitionierte Rüstungsprogramm zu retten. Und auch in Deutschland regt sich Unmut.
  • 2

PARIS/BERLIN. Der neue Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will heute bei seinem Antrittsbesuch in Paris eine harte Haltung beim Thema A400M vertreten. Wie sein Amtsvorgänger Franz-Josef Jung lehne es zu Guttenberg ab, den Vertrag über den Militärtransporter zugunsten des Herstellers EADS zu ändern, verlautete aus dem Umfeld des Ministers. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat erhebliche technische Probleme beim Bau des A400M und liegt weit hinter dem Zeitplan.

Damit steuert zu Guttenberg auf einen Konflikt mit seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin zu. Paris wirbt seit Monaten darum, das ambitionierte europäische Rüstungsprogramm zu retten. Frankreich ist im Gegensatz zu Deutschland bereit, EADS entgegenzukommen. Bis Ende des Jahres wollen die sieben Staaten, die den A400M bestellt haben, einen Kompromiss mit dem Hersteller finden. „Jedes Militärprogramm hat Verspätung, deshalb darf man den A400M nicht scheitern lassen“, hieß es gestern aus Morins Umfeld.

Scharfe Kritik an der mangelnden Kompromissbereitschaft zu Guttenbergs äußerte die IG Metall. „Beim A400M beweist die französische Regierung mehr Weitblick als der neue deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg“, sagte der Beauftragte der IG Metall für die EADS Deutschland, Bernhard Stiedl, am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Scheitert das A400M-Projekt an der Haltung von zu Guttenberg, wird Deutschland bei zukünftigen Rüstungsprogrammen nicht mehr ernst genommen“, warnte der Gewerkschafter.

Bei der Entscheidung um den A400M gehe es zudem nicht nur um Kosten für den Staat, sondern auch um 40 000 Arbeitsplätze, davon allein rund 10 000 in Deutschland, sagte Stiedl. Das seien nicht nur Arbeitsplätze in den EADS-Werken, sondern auch bei einer Vielzahl von kleinen und mittelständischen Zulieferern. „Für die Zukunft der Luftfahrtindustrie in Deutschland wäre ein Ausstieg aus dem A400M-Projekt ein herber Rückschlag“, warnte der Gewerkschafter und fügte hinzu: Der A400M beinhalte Technologien, die für die Luftfahrtindustrie wegweisend seien, wie zum Beispiel Flügel aus carbonfaserverstärkte Kunststoffen. „Beteiligt sich Deutschland nicht an diesem Projekt, dann gehen diese Technologien für die heimische Industrie verloren.“

Insbesondere carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) sind aufgrund ihrer geringen Dichte und ihrer hervorragenden mechanischen Eigenschaften für den Einsatz im Flugzeugbau geeignet. Sie werden nicht nur beim A400M, sondern auch in größeren Verkehrsflugzeugen eingesetzt – beispielsweise im Bereich der Leitwerke, Flügelklappen und Triebwerksverkleidung.

Seite 1:

Zu Guttenberg torpediert EADS-Wünsche

Seite 2:

Kommentare zu " Militärtransporter A400M: Zu Guttenberg torpediert EADS-Wünsche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zum M400 gibt es keine Alternative, es kann nicht sein, dass man schon wieder mal die Streitkräfte mit veraltetem und unzureichenden Material ausstattet. Man kann gegen diese oder jene Militäroperation sein, es ist aber beschämend, wie schlecht deutsche Soldaten ausgerüstet sind. Wenn schon, denn schon muss hier die Devise lauten.
    Allerdings muss auch festgestellt werden, dass das Flugzeug zu teuer ist, grobe Managementfehler sind primär dafür verantwortlich sowie die ineffizienzen die staatliche Monopolisten nun mal so mit sich bringen.
    Ähnlich wie bei bahn-, Post und Telekom müssen langfristig die Pfründe, aber auch Überbeschäftigung abgebaut werden. Dumm das uns diese Zumutungen ausgerechnet in einer Wirtschaftskrise aufgedrückt werden müssen, weil man sich 30 Jahre lang in boomzeiten geweigert hat und sogar noch weiter aufgeblasen hat.

    H.

  • Antonovs aus der Ukraine wären besser und billiger zu bekommen gewesen. Die Verbindung von Politik und EADS sind sehr teuer für den Steuerzahler. So wird die bundeswehr auch weiter auf angemietete Antonovs angewiesen sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%