Milliarden-Bürgschaft
„Wir spannen einen Autoschirm“

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat einen staatlichen Schutzschirm für die gesamte deutsche Automobilbranche gefordert: "Deutschland muss aufpassen, dass die Automobilindustrie insgesamt mit ihrer teuren Produktpalette nicht in einer kurzen Krise komplett zerstört wird. Wir müssen deshalb über die deutschen Autokonzerne einen Schutzschirm spannen, damit die Finanz- und Konjunkturmarktkrise nicht unsere Weltmarktführer kaputtmacht", sagte Koch dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Herr Ministerpräsident, was bedeutet die Krise bei Opel für das Land Hessen?

Roland Koch: Opel ist für Hessen das Leitunternehmen im Automobilbau mit einer großen Zulieferindustrie im Hintergrund. Insgesamt arbeiten von den Opel-Mitarbeitern in Deutschland 60 Prozent in Hessen. Das sind alleine über 15 000 Mitarbeiter. Wir haben 1 600 Autozulieferer mit über 50 000 Beschäftigten.

Seit wann sind Sie mit Opel im Gespräch über die finanzielle Schieflage?

Opel hat sich vor einer Woche mit der Bundesregierung und uns in Verbindung gesetzt, um die wirtschaftliche Situation zu schildern. Dabei ging es nicht nur abstrakt um die Automobilkrise und die Auswirkungen auf Opel in Deutschland, sondern vor allem um die sich verschärfenden Risiken des amerikanischen Mutterkonzerns GM. Gleichzeitig haben uns besorgniserregende Mitteilungen von Automobilzulieferern erreicht, die mit den Folgen der Produktionsstopps in den Autowerken zu kämpfen haben. Und zwar massiv.

Kennen Sie konkrete Zahlen, wie es um die Finanzen bei Opel wirklich steht? Es kursieren ja die verschiedensten Meldungen über die Höhe der Finanzlücke.

Die Fachleute müssen die Zahlen jetzt prüfen, dann sollten sie von Opel kommuniziert werden. Der Grundbetrag, den Opel bereits mit einem Risiko von einer Milliarde Euro angegeben hat, dürfte nicht viel darunter, aber auch nicht viel darüber liegen. Doch die Botschaft für die heute und morgen stattfindenden Krisengespräche von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück darf nicht nur lauten: Es geht "nur" um eine Bürgschaft von einer Milliarde Euro für einen speziellen Autobauer.

Wie lautet die Botschaft?

Deutschland muss jetzt vor allem aufpassen, dass die deutsche Automobilindustrie insgesamt mit ihrer teuren Produktpalette nicht in einer kurzen Krise komplett zerstört wird. Wir verkaufen im Durchschnitt eines Jahres weltweit 55 bis 56 Millionen PKW. Auch wenn das im nächsten Jahr nur noch 50 Millionen sein sollten, wissen wir alle, dass die Verkaufszahlen wieder steigen werden. Viele Länder stehen in der Versorgung mit Autos erst am Anfang. Wir müssen also jetzt über die deutschen Konzerne einen Schutzschirm spannen, damit die Finanzmarkt- und Konjunkturkrise nicht unsere Weltmarktführer kaputtmacht. Opel darf natürlich nicht im amerikanischen Strudel mit nach unten gerissen werden und auch nicht Hessen mit den vielen Arbeitsplätzen.

Wie könnte so ein Schutzschirm für die Autobranche konkret aussehen?

Wir brauchen den Bund für die großen Risiken wie bei Opel. Die Bundesländer müssen zusätzlich mit ihren eigenen Bürgschaftsmöglichkeiten einspringen. Vielleicht auch mit Sonderprogrammen, damit die Zulieferindustrie in der kommenden Durststrecke nicht kaputtgeht. Die Autokonzerne und die Politik müssen jetzt zusammenarbeiten, damit die Zukunft nicht schon hinter den Unternehmen liegt.

Das hört sich ja wie der Marsch in eine Staatswirtschaft an.

Da bin ich nun wirklich unverdächtig. Schauen wir uns den Fall Opel genauer an. Wir stehen vor der Situation, dass ein gesundes Unternehmen von der US-Mutter mit in den Abgrund gezogen werden könnte. Die Folgen für den Standort Deutschland wären der Wegfall von Zehntausenden von Arbeitsplätzen und der Verlust eines riesigen Know-hows, beispielsweise der hochkompetenten und weltweit erfolgreichen Entwicklungsabteilung in Rüsselsheim.

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