Milliarden-Risiken
Spanien-Krise bedroht deutschen Finanzsektor

Die spanische Regierung schlägt Alarm: Die Krise des Landes könnte sich erheblich verschärfen, wenn die EZB jetzt nicht hilft. Das würde auch den deutschen Finanzsektor hart treffen, der in Spanien stark engagiert ist.
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BerlinAlle reden über das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland. Dabei könnte auf Europa ein viel größeres Problem zukommen: Spanien entwickelt sich mehr und mehr zum Wackelkandidaten. Das ist auch der spanischen Regierung bewusst, weshalb Premierminister Mariano Rajoy jetzt einen dringenden Appell an die Europäische Zentralbank (EZB) gerichtet hat: „Wenn die öffentlichen Schulden nicht mehr tragbar sind, haben wir ein Problem“, sagte der Regierungschef am Mittwochabend im Anschluss an den EU-Sondergipfel in Brüssel.

Es liege in der Hand der EZB, eine Entscheidung zu treffen, „die sie in der Vergangenheit schon einmal getroffen hat“, sagte der spanische Regierungschef. „Alle Vorschläge, die ich unterbreitet habe, könnten innerhalb von 24 Stunden umgesetzt werden.“

Rajoys Aussagen dürften sich auf das derzeit ruhende Anleihekaufprogramm der Notenbank und die riesigen Geldspritzen für den Finanzsektor beziehen. Mit dem Kaufprogramm hatte die EZB die Renditen für Staatsanleihen bedrängter Euro-Länder direkt gedrückt. Daneben flutete sie die Geldhäuser im Währungsraum mit einer Billion Euro an langfristigen Billigkrediten. Die Banken investierten einen guten Teil des frischen Zentralbankgeldes in Staatstitel, was den Druck auf die Anleihemärkte der Krisenländer deutlich minderte.

Spanien steht an den Finanzmärkten derzeit abermals unter Druck: Die Zinsen, die Investoren verlangen, ziehen immer weiter an - die Luft bei der Kapitalaufnahme wird also dünner. Die Risikoaufschläge für Schuldverschreibungen des Landes liegen annähernd auf Rekordhöhe. Wie ernst die Lage ist, zeigt auch die düstere Einschätzung der US-Ratingagentur Moody's, die zuletzt 16 spanische Banken herabgestuft hat. Das harte Moody's-Urteil schürte die Angst vor einer gefährlichen Ausweitung der Euro-Krise - von der nicht zuletzt der deutsche Finanzsektor erheblich betroffen wäre.

Deutsche Banken und Versicherungen sind allein in Spanien mit Krediten und Vermögensanlagen engagiert, die sich auf weit über 100 Milliarden Euro belaufen. Das geht aus einem Handelsblatt Online vorliegenden Schreiben des Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk (CSU) an den FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler hervor.

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Genaue Höhe des Abschreibungsbedarfs ist unklar

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  • Deutschland ist wahrscheinlich das einzige Land das, komme was wolle, mit dem Schiff untergehen würde. Deutschland ist nicht unabhängig sondern immer noch weisungsgebunden, da wir noch nicht einmal einen Friedensvertrag oder eine Verfassung haben. Was mit Deutschland passiert wird von aussen fremd bestimmt und von der Marionette, auch Bundeskanzler genannt, 1:1 umgesetzt. Der euro ist ein Wunschobjekt der Bilderberger und darf nicht fehlschlagen.....

  • Ich will ja nicht den Lobbyplauderer raushängen lassen, aber Spanien ist TBTF. Und das Schöne ist, dass Spanien von Anfang "lösungsorientiert" und "zügig" ihren Beitrag geleistet hat (=Blut gelassen). Das Verhalten der spanischen Regierung steht da in sehr krassen Kontrast zu Hassadeuren wie Berlusconi oder bis dato uneinsichtigen griechischen Politiker.

    Die Spanier haben quasi dasselbe Problem wie die USA: Der "kleine Mann" hat eine Immobilienblase aufgepumpt, die lokalen Banken haben es finanziert, die Baubranche hat sich gefreut, und das ist alles zusammengebrochen. Spaniens Wirtschaft hat sich schlicht übel überhitzt. Hier kann man tatsächlich sogar der EZB bzw. der spanischen Bankenaufsicht vorwerfen warum sie da solange zugeguckt haben (Antwort: Geldschöpfung hatten sie schlicht nicht auf dem Plan...). Die spanische Regierung hat sich relativ kurz "empört", dann schnell kapiert in welchen Schlamasel sie nun plötzlich sitzen, und in den letzten Jahren auf Eigeninitiative Reformwillen und -umsetzungsfähigkeit an den Tag gelegt.

    Den Spaniern war von Anfang selber klar, dass Zögern fatal ist. Eine Erkenntnis die Italien erst mit Monti klar wurde, und Griechenland bis heute nicht kapiert hat.

    Bankia. Ist es eigentlich in Deutschland bekannt, dass Spaniens Sparkassen (quasi alle) zusammengebrochen sind? Bankia ist so ein Zusammenschluss/Zwangsehe von diversen gestrauchelten Sparkassen (Insgesamt wurd aus rund 50 Sparkasse ca. 7 gemacht). Die Folgeproblematik bzgl. des "Hilfsgeld" (Rettungsfonds) ähnlich wie bei der "Ersten Abwicklungsanstalt" (WestLB) und "FMS Wertmanagement" (HRE): Kann durchaus sein, dass noch weitere Verluste realisiert werden müssen. (Das liegt daran, dass bei der Neubewertung in Europa es mit dem Fair-Value-Prinzip nicht so streng genommen wird... )

  • Präziser hätte man es nicht ausdrücken können. Aber es gibt nach noch den Superhelden; den deutschen Steuerzahler!
    Erst retter er die notleidenden Banken, dann Griechenland, später dann Spanien und Italien(Süd:-) und Portugal und vielleicht nebenbei noch ein paar systemrelevante Instituionen. Nur die Demokratie wird er nicht mehr retten; weil die auch längst den Banken gehört und dann ist er vom vielen Retten plötzlich pleite. OH je, der Arme. Nur dummerweise ist da keiner der ihn retten wird. Und dann wird wieder ein Ruck durch Deutschland gehen nach links oder wahrscheinlich nach Rechts. Und dann wird am Ende wieder das Großkapital jammern und Entschädigung fordern für die vielen Toten. Und Schuld ist sicher dann der deutsche Steuerzahler! Nein, nein ,so wird es nicht kommen, daß ist Alles nur Volksverhetzung. Merhollande wird ihn retten den Bürger. Natürlich!

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