Milliarden-Steuerbetrug?
Dubiose Aktiengeschäfte erst 2014 vor Bundesfinanzhof

Mit dem schnellen Kauf und Verkauf von Aktien sollen Banken den deutschen Fiskus um Milliarden gebracht haben. Eine mit Spannung erwartete Prüfung der umstrittenen Geschäfte durch den Bundesfinanzhof kommt erst 2014.
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MünchenHaben Banken den deutschen Fiskus jahrelang um Milliarden betrogen? Der Bundesfinanzhof (BFH) beschäftigt sich schon seit längerem mit den strittigen Aktiengeschäften, die auch als „Cum-Ex“-Aktiendeals bekannt wurden. Dabei werden die Papiere ganz schnell hintereinander ge- und verkauft, um Kapitalertragssteuern mehrfach erstattet zu bekommen. Die mündliche Verhandlung vor dem obersten deutschen Steuergericht wurde jetzt von Mitte Dezember auf Mitte April 2014 verschoben, wie ein BFH-Sprecher am Mittwoch in München sagte. Damit hat das Gericht mehr Zeit für die Vorbereitung des komplizierten Verfahrens. „Cum-Ex“-Aktiendeals sollen von zahlreichen Banken betrieben worden sein.

Auch das Bundesfinanzministerium ist als Verfahrensbeteiligter in die Verhandlung eingeschaltet. Für das Ministerium ist das Verfahren wegen möglicher Steuerausfälle relevant. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) schätzen Finanzbehörden den Gesamtschaden für Staat und Steuerzahler durch die Geschäfte auf weit über zehn Milliarden Euro. Das Bundesfinanzministerium hatte dieses Steuerschlupfloch 2012 durch eine Neuregelung der Nachweispflichten geschlossen.

Die Fälle aus der Zeit davor beschäftigen aber seit langem die Justiz. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit „Cum-Ex“ Aktiengeschäften gegen mehrere Beschuldigte der Hypovereinsbank. Vor knapp einem Jahr war das Münchner Geldhaus in einer großangelegten Razzia durchsucht worden. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung dauerten noch immer an, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Günter Wittig, am Mittwoch.

Die Hypovereinsbank hatte nach ersten Hinweisen im Jahr 2011 eine eingehende Prüfung der Vorgänge mit Unterstützung externer Anwälte und Spezialisten veranlasst. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat ein Mitarbeiter der Bank den internen Ermittlern detailliert erzählt, dass die Geschäfte vor allem den Zweck gehabt hätten, das Finanzamt zu prellen. Fünf Händler und Kundenbetreuer der HVB hätten sich federführend darum gekümmert. Er glaube, alle fünf hätten genau gewusst, dass es um eine doppelte Anrechnung beim Fiskus gehe, schreibt die Zeitung.

Die HypoVereinsbank äußerte sich nicht zu dem Bericht. „Die interne Untersuchung und die Ermittlungsverfahren dauern noch an“, hieß es. Die maßgeblichen steuerlichen Rechtsfragen seien höchstrichterlich nach wie vor nicht geklärt, so dass die Rechtslage offen sei.

Zum Kläger in dem konkreten Fall äußerte sich der Bundesfinanzhof nicht. Wegen des Steuergeheimnisses wird die Öffentlichkeit von der Verhandlung in München ausgeschlossen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Milliarden-Steuerbetrug?: Dubiose Aktiengeschäfte erst 2014 vor Bundesfinanzhof"

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  • Wo liegen den die Verjährungsfristen, steuerlich und strafrechtlich?
    Das ist doch der springende Punkt für die Banken bei diesen Verfahren.

  • Wie sieht es denn mal mit einem Lizenzentzug aus ?
    Die Vorstände können ja kaum ein Büro in Ihren Banken betreten haben in dem Nicht grade irgendewas kriminelles lief irgendein Markt manipuliert wurde. Die Ausrede nix gewusst keine ahnung wird A) immer unglaubwürdiger (vor allem vor dem Hintergrund das ja nach Eigendarstellung der Akteure Sie die Speerspitze des Wissens bilden und aus diesem Grunde und wegen der galaktischen Verantworung ein paar Taler mehr verdienen) und B) wäre die Erklärung Dummheit
    Allerdings Jeder Wirt hätte schon seine Lizenz verloren.
    Die Herren der Banken haben doch bewiesen das sie ungeeignet sind eine Bank zu führen nein mehr noch sie haben eine kriminelle Vereinigung gebildet.
    Ein Lizenzentzug, das einziehen der in den letzten 10 Jahren gezahlten Boni (Betrug) und das einziehen des persöhnlichen Vermögens aller Akteure denke das wäre die richtige Reaktion des Staates

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