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15.06.2005 
Kritik von Ulla Schmidt

Milliardenverschwendung bei Medikamenten

Durch teure aber unnötige Medikamente werden Patienten und Krankenkassen weiterhin mit Milliardenkosten belastet. Das erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in Berlin. „Drei Milliarden Euro werden für Arzneimittel ausgegeben, die den Patienten nicht besser helfen als preisgünstigere“, kritisierte Schmidt bei der Vorlage des Arzneimittelreports 2005 der Gmünder Ersatzkasse (GEK).

Lupe

HB BERLIN. Sie forderte Ärzte, Apotheker und Kassen auf, die Verschwendung durch überteuerte, aber nicht wirkungsvollere Präparate einzudämmen. Diese müssten im Rahmen der Selbstverwaltung „endlich ihre Hausaufgaben machen und den gesetzlichen Spielraum für eine preisgünstige und dennoch sichere Therapie nutzen“. Die Entwicklung der Ausgaben für Arzneimittel sei keine unbeeinflussbare Gottesgabe.

Erst am Wochenende hatten das Ministerium und Kassen über ein drohendes Milliarden-Defizit in der Gesetzlichen Krankenversicherung auf Grund steigender Arzneikosten gestritten. Während Kassen 2005 ein Minus von vier Milliarden Euro befürchten und höhere Beiträge ankündigten, geht die Bundesregierung von einem Überschuss aus. Der Anteil der Arzneimittelkosten an den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung von 140 Milliarden Euro beträgt rund 17 Prozent.

Der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske forderte, auf umstrittene Medikamente zu verzichten und stärker billigere, aber wirkstoffgleiche Medikamente (Generika) zu nutzen. Die größten Einsparungen seien möglich, wenn teure „Analogprodukte“ nicht mehr verschrieben werden. Diese vermeintlich neuen Präparate seien eine „Plage“. Nur ein Drittel neuer Medikamente sei wirklich innovativ. 25 Prozent der Neuentwicklungen seien bloße Analogprodukte, „die als Innovation daherkommen, aber keinen Fortschritt darstellen“.

Glaeske zufolge zeugt es von schlechtem Management eines Konzerns, wenn dessen Überleben vom Umsatz nur eines Analogprodukts abhänge. Eine Reihe deutscher Pharmafirmen habe nicht für die Zukunft vorgesorgt, teils sei die letzte Innovation mehr als zehn Jahre alt. Zugleich würden 16 000 Pharmareferenten beschäftigt und zwei Milliarden Euro allein für diesen Vermarktungsbereich ausgegeben.

Die Pharmabranche wies die Vorwürfe zurück. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sprach von alten Vorwürfen. Deutschland habe weltweit den höchsten Verbrauch an Generika. Diese günstigen Nachahmerprodukte würden wesentlich zur Kostensenkung beitragen. Zudem habe die Pharmaindustrie „in großen Teilen zu den bisherigen Einsparungen im Gesundheitssystem beigetragen“.

Zwangsrabatt und Festbeträge hätten 2004 mehr als 2,5 Milliarden Euro in die Kassen des Gesundheitssystems gespült. Nach Angaben des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) führen Analogpräparate zu erheblichen Einsparungen für Krankenkassen. Aber nur, wenn es gleiche Marktchancen mit Erstpräparaten gebe.

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, Eberhard Wille, erwartet zwar ein Defizit der Krankenkassen in diesem Jahr bei aber dennoch stabilen Beitragssätzen. Das Minus werde geringer ausfallen als die von einigen Kassen prognostizierten vier Milliarden Euro, sagte Wille dem „Tagesspiegel“.

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