Millionendefizit im Gesamtjahr
Austrittswelle zwingt IG Metall zum Sparen

Die IG Metall wird nach dem Führungsstreit der vergangenen Wochen weiter von einer dramatischen Austrittswelle überrollt. Allein im Juli verlor die Gewerkschaft nach ersten internen Hochrechnungen nach Informationen des Handelsblatts rund 25 000 Mitglieder. Ursache sind viele Kündigungen zum Quartalsende.

DÜSSELDORF. Damit setzt sich der negative Trend seit Beginn dieses Jahres unvermindert fort. Bereits von Januar bis Ende Juni kehrten der IG Metall fast 60 000 Arbeitnehmer den Rücken, das sind beinah doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Unsere Mitglieder zahlen keine 20 Euro im Monat, um Zeuge eines Personalstreits zu werden, sondern sie wollen, dass ihre Interessen im Vordergrund stehen“, sagte IG-Metall-Hauptkassierer Bertin Eichler dem Handelsblatt. Ende Juni hatte die IG Metall noch 2,585 Mill. Mitglieder.

Laut Eichler hat der geschäftsführende Vorstand wegen der hohen Austritte ein drastisches Sparprogramm beschlossen. Die Gewerkschaft müsse ihre laufenden Budgets um zehn Prozent kürzen. Eichler, nach dem Ersten und Zweiten Vorsitzenden die Nummer drei in der IG Metall-Spitze, rechnet mit einem Defizit in diesem Jahr von etwa 8,4 Mill. Euro. „Trotzdem sind wir finanziell gut aufgestellt und gehen mit den Mitgliedsbeiträgen sorgfältig um“, betonte er. In dem Defizit sei bereits eine Rücklage von 15 % der Jahreseinnahmen für das Gewerkschaftsvermögen eingerechnet. 2002 betrug diese Rücklage 67 Mill. Euro. Experten schätzen das Vermögen der IG Metall auf mindestens drei Mrd. Euro.

Als Ursache für die Austrittswelle nannte Eichler einerseits die rückläufige Konjunktur und den damit verbundenen Stellenabbau. Weitere Gründe seien aber auch der Führungsstreit, die Unzufriedenheit vieler Mitglieder mit dem Streik in Ostdeutschland und mit dem Kurs der Gewerkschaft gegen die Sozialreformen der Bundesregierung. Eichler: „Ich kann die Kritik nachvollziehen.“

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