Millionenfacher Datenklau
„Die Genialität des Bösen“

Rund 16 Millionen Internetkonten haben Hacker ausgespäht. „Identitätsdiebstahl“ heißt das beim Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik. Dort wird der Kampf gegen die IT-Angriffe geführt. Ein Ortsbesuch.
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BonnMit dem Aufzug geht es in den vierten Stock, dann durch zwei massive Sicherheitstüren, die nur mit einer speziellen Karte geöffnet werden können. In einem klassischen Verwaltungsgebäude in Bonn, vis-à-vis das Maritim-Hotel, liegt das Nationale IT-Lagezentrum des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI. Sechs Bildschirme hängen an der Wand, auf denen rote, grüne und gelbe Balken und Diagramme zu sehen sind. Zu viel Rot bedeutet Gefahr. „Hier vor den Monitoren ist die Hitze des Gefechts direkt spürbar“, sagt Stefan Ritter, der das Lagezentrum leitet.

In diesen Tagen ist es besonders heiß im BSI, auch im übertragenen Sinn. Am Montag veröffentlichte das Bundesamt die Warnung, 16 Millionen E-Mail-Adressen seien geknackt worden. „Identitätsdiebstahl“ wird das vom BSI genannt. Wer betroffen ist, versendet womöglich Schadsoftware an Freunde oder Kollegen und richtet so einen immensen Schaden an – häufig ohne es zu wissen.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass das BSI schon seit Dezember von dem Datenklau wusste. Auf einer speziell eingerichteten Webseite kann jeder Bürger überprüfen, ob seine E-Mail-Adresse betroffen ist. Die Erstellung der Webseite habe eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, erklärte ein BSI-Sprecher auf Anfrage. Am Dienstag war die Seite über Stunden nicht erreichbar, da sie aufgrund der millionenfachen Anfragen zusammenbrach. „Wir hatten natürlich mit einem gewissen Ansturm gerechnet. Dass der Ansturm dann aber so groß werden würde, hat uns auch überrascht.“ Bis zum Mittwochmittag habe das Bundesamt aber bereits 12,6 Millionen Anfragen von besorgten Internet-Nutzern bearbeitet. Darunter seien 884.000 Betroffene gewesen.

Handelsblatt Online durfte vergangene Woche einen Blick ins Zentrum des BSI werfen – da ahnte die Öffentlichkeit noch nicht, dass das Amt nur ein paar Tage später die Schlagzeilen beherrschen und Millionen Bürgern plötzlich ein Begriff werden sollte.

Dabei ist digitaler Schutz der Bürger noch nicht einmal die Hauptaufgabe des BSI. Der Behörde mit gut 600 Mitarbeitern geht es vor allem darum, Angriffe auf das deutsche Regierungsnetz abzuwehren – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Im IT-Lagezentrum wird dieses Netz auch „IVBB“ genannt, was für Infrastrukturverbund Berlin-Bonn steht.

Jedes Bundesministerium, jede Bundesbehörde in Deutschland wird von Bonn aus verteidigt. „Wir sind die Bastion, die Außenmauer“, sagt BSI-Experte Ritter. Die einzelnen Ministerien und Behörden treffen zusätzlich noch eigene Sicherheitsvorkehrungen. Diese seien die „Wehrdörfer“. Zusammen ergebe das einen „doppelten Schutz“.

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