Millionenprojekt
Nürburgring: Desaster für Kurt Beck

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck kommt wegen eines Freizeitprojekts am Nürburgring immer mehr in Schwierigkeiten. Auf der Suche nach Investoren, die das Projekt zu einem großen Teil finanzieren, ist die Landesregierung offenbar auf einen großen Bluff hereingefallen.

HB DÜSSELDORF. Der amerikanische Investor, der angeblich bis zu 200 Millionen in das Projekt "Nürburgring 2009" investieren wollte, hat in einem Schreiben an den "Spiegel" ´dementiert, jemals Kenntnis von dem Projekt erhalten zu haben. Ministerpräsident Kurt Beck hatte den Namen am vergangenen Mittwoch genannt.

Der mittlerweile zurückgetretene Finanzminister Ingolf Deubel hatte angenommen, dass der Amerikaner Pierre S. du Pont V. investieren wollte. Deubel hatte den Namen nach eigener Darstellung von einem Schweizer Kreditvermittler erhalten. Der Vermittler hatte mit dem Land Rheinland-Pfalz Verträge abgeschlossen über die Finanzierung des fast 300 Millionen teuren Projektes.

Du Pont bestreitet, sich jemals als Investor angeboten zu haben: "Alle solche Behauptungen, dass ich Anleger oder potentieller Anleger im oben erwähnten Entwicklungsprojekt bin oder einmal war, sind völlig falsch und unbegründet. Ich bestreite irgendeine Kenntnis vom genannten Projekt", schreibt das Mitglied der US-Unternehmerfamilie dem "Spiegel". Darüber hinaus habe er weder mit dem Schweizer Kreditvermittler noch mit Beamten des Landes Rheinland-Pfalz zu tun gehabt.

Bereits nach dem Rücktritt seines Finanzministers Deubel am Dienstag hatte Beck gesagt, das von Deubel eingefädelte Finanzierungsmodell mit US-Investoren habe sich nicht realisieren lassen. "Wir hätten die Reißleine früher ziehen müssen. Das nicht getan zu haben, war ein Fehler", sagte Beck. An der Rennstrecke in der Eifel ist das Freizeit- und Geschäftszentrum gestern eröffnet werden.

"Deubel, der auch sein Amt als Aufsichtsratschef der Nürburgring Gmbh aufgegeben hat, hatte die alleinige Verantwortung für das Debakel übernommen. Nach dem Willen der SPD-Alleinregierung soll sich nun auch die Staatsanwaltschaft mit der geplatzten Finanzierung beschäftigen. "Das wiederholte Nicht-Einhalten der zugesagten Finanzierung und das Nicht-Einhalten von Terminen ist in hohem Maße klärungsbedürftig", sagte Beck.

Ebenfalls bereits am Dienstag hatte Beck versichert, die Finanzierung des Projekts sei gesichert. Dazu nehme die Nürburgring Gmbh, die zu 90 Prozent dem Land gehört, 185 Mill. Euro am Kapitalmarkt zu Staatskonditionen auf. Eine Tochter der landeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB) habe die Bau-Finanzierung für die Hotel- und Gaststättenkomplexe in Höhe von 80 Mill. Euro übernommen. Das Land stelle ein Gesellschafterdarlehen für die Nürburgring Gmbh von je fünf Mill Euro in diesem und im kommenden Jahr bereit. Das ganzjährige Freizeit- und Geschäftszentrum soll den Nürburgring unabhängiger vom Motorsport machen. Die Betreiber schreiben wegen der teuren Formel 1 regelmäßig Verluste in Millionenhöhe.

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