Mindestlohn
Handwerker stöhnen über Bürokratie

Der Mindestlohn sorgt auch im deutschen Handwerk für dicke Luft: Betriebe beklagen überbordende Bürokratie durch neue Pflichten zur Dokumentation. Arbeitnehmervertreter wollen das nicht gelten lassen.
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München/BerlinEigentlich hat Roland Ermer genug mit Brot und Brötchen zu tun. Doch der seit Jahresbeginn geltende Mindestlohn bringt dem sächsischen Bäckermeister einiges an Zusatzarbeit. Minutiös muss sein Betrieb jetzt aufschlüsseln, wie lange die 22 Beschäftigten jeden Tag arbeiten und Pause machen – das koste viel Zeit, die er lieber fürs Geschäft verwenden würde.

„Die sollen uns doch einfach arbeiten lassen“, sagt Ermer, der auch Präsident des Sächsischen Handwerkstages und CDU-Lokalpolitiker ist. Vertreter der Arbeitnehmer allerdings können die Aufregung nicht nachvollziehen.

Erst kürzlich hat Ermer seinem Ärger über die Mehrbelastungen durch den Mindestlohn in der Talkshow von Günther Jauch Luft gemacht – und damit, wie er glaubt, vielen Handwerkern in Deutschland aus der Seele gesprochen. Sie fühlten sich unter Generalverdacht, ihre Mitarbeiter auszubeuten und bei den Arbeitszeiten und der Bezahlung zu tricksen, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) beklagt.

Auch auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM/11. bis 17. März) in München wird das Thema Mindestlohn in den kommenden Tagen jede Menge Diskussionsstoff abgeben. Ein Stein des Anstoßes ist die Dokumentationspflicht für die Arbeitszeiten: Sie gilt für geringfügig Beschäftigte und für Branchen, die für Schwarzarbeit anfällig sind wie Baugewerbe, Gaststätten oder Gebäudereiniger.

Aber auch die Regel, dass der Handwerker als Generalunternehmer dafür haftet, wenn ein Subunternehmer den Mindestlohn nicht zahlt, treibt viele auf die Palme, wie ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke schimpft. Ein Klima des Misstrauens werde dadurch geschaffen.

Die eigentliche Mindestlohn-Höhe dagegen von 8,50 Euro pro Stunde ist zumindest in vielen Regionen und auch Handwerksberufen nicht das Problem - die meisten Beschäftigten verdienen schon lange mehr. Wer beispielsweise in München oder Frankfurt am Main eine Friseurin für seinen Salon sucht, wird mit 8,50 Euro Stundenlohn wohl niemanden hinterm Ofen hervorlocken.

Anders sieht es jedoch bei dienstleistungsnahen Tätigkeiten in strukturschwachen Regionen aus - wie eben bei den Fachverkäufern ostdeutscher Bäckereien, deren Löhne bisher im Schnitt niedriger als der Mindestlohn lagen.

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„Ein vermeintliches Bürokratiemonster“

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  • Nun haltet mal den Ball flach. Den Arbeitsbeginn und -ende für eine überschaubare Anzahl von Mitarbeitern zu notieren (wo es bisher nicht geschah, was ich mir schlecht vorstellen kann; wie haben die bisher ihre Mitarbeiter-Löhne ausgerechnet?), ist nun wirklich kein Hexenwerk. Seitenlange Rechnungen, in denen jede Schraube erfaßt wird, können ja auch geschrieben werden. Da meckert keiner....

  • Schon jetzt höre ich Gabriel vor der nächsten Wahl zwitschern: "Ich erhöhe Dir Deinen (Mindest-)Lohn"; mich kostet es ja nichts. Lohnfindung gehört nicht in die Politik; die Arbeitnehmer sollten ausreichend Kraft haben, um einen ordentlichen Lohn durchzusetzen, das wäre besser.

  • Die sozialistische Parteienbürokrate richtet weiter den Standort zu Grunde.

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