Mindestlohn
Regierung prüft Lohnuntergrenze für Callcenter

Ein Mindestlohn in der Callcenter-Branche rückt näher. Der beim Bundesarbeitsministerium angesiedelte "Hauptausschuss" berät am kommenden Montag über einen entsprechenden Antrag.
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BerlinDer Antrag sieht vor für bundesweit 90.000 Callcenter-Beschäftigte eine verbindliche Lohnuntergrenze von 9,50 Euro einzuführen, wie das Ministerium dem Handelsblatt bestätigte. Antragsteller ist die Gewerkschaft DBB Tarifunion, die zur Organisation des Beamtenbundes gehört. „Wir brauchen jetzt Feuer unterm Kessel, damit die dringend notwendige Absicherung stabiler Arbeitsbedingungen in den Callcentern endlich vorankommt“, sagte der Vorsitzende der DBB Tarifunion, Frank Stöhr, dem Handelsblatt. „Unser Anliegen ist so gut begründbar, dass wir davon ausgehen, auch die anderen Beteiligten dafür zu gewinnen.“

Der Hauptausschuss, der von dem früheren SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi geleitet wird, war noch kurz vor der Bundestagswahl 2009 von der Großen Koalition eingerichtet worden. Er tritt nach dem von der SPD durchgesetzten "Mindestarbeitsbedingungengesetz" in Aktion, um Mindestlöhne für Branche ohne stabile Tarifverträge zu prüfen. Stöhr verwies zur Begründung des Antrags darauf, dass in der Callcenter-Branche mehr als sieben Prozent der Beschäftigten zusätzlich zu ihrem Arbeitslohn ergänzende Hartz-IV-Leistungen benötigten. Durch einen Mindestlohn werde "der schädliche Wettbewerb um die niedrigsten Löhne gestoppt", zudem werde der Staat entlastet, "wenn er keine Billig-Geschäftsmodelle mehr subventionieren muss“.

Stöhr appellierte an den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), den Mindestlohn-Antrag zu unterstützen. „Wir hoffen sehr, dass wir hier Schulter an Schulter marschieren können“, sagt er. „Wenn der DGB seinen eigenen Maßstäben folgt, dann spricht alles dafür, dass er auch dieses wichtige Anliegen unterstützt.“ Bisher hatte der DGB der politischen Durchsetzung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns Vorrang vor einer Anwendung des Mindestarbeitsbedingungengesetzes gegeben.

Das Mindestarbeitsbedingungengesetz zielt auf Branchen, in denen keine ausreichende Tarifbindung besteht. Bisher war es noch nie angewendet worden. Die bestehenden Branchen-Mindestlöhne, wie etwa der im Mai eingeführte der Mindestlohn für das Wach- und Sicherheitsgewerbe, basieren auf dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Hier ist die Voraussetzung jeweils ein Tarifvertrag, der die Mehrheit der Betriebe und beschäftigten in der jeweiligen Branche erfasst. Sollte der insgesamt siebenköpfige Hauptausschuss den Callcenter-Mindestlohn befürworten, wäre dies im Ergebnis ein Auftrag an die Bundesregierung eine entsprechende Rechtsverordnung zu erlassen.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ich habe im Competence Callcenter für 7 Euro Brutto die Stunde gearbeitet. Zusätzlich musste ich mit dem Anwalt drohen um Untergrenze der gesetzlich geregelten Urlaubstage zu bekommen. Mit Hartz 4 hat man, wenn man Vergünstigungen wie GEZ Befreiung und verbilligte U-bahn-Karte dazurechnet bei den heutigen Mietpreisen etwa 50 bis 100 Euro mehr in der Tasche, als wenn man für Ebay, Telecolumbus, Coca Cola, Fedex und Mobile.de als Outsourcing Sklave 40 Stunden in der Woche nervenzerreibende Dauertelefonate abwickelt.
    Ich habe übrigens studiert und dies sind die einzigen Jobs, die man angeboten bekommt. Kollegen waren ausgebildete Hotelfachkräfte, Stadtplaner, Kunsthistoriker, Diplommusiker, etc. Deutschland braucht keine Fachkräfte, wie man uns immer vorlügt, sondern Dumpingarbeitssklaven. Jetzt höre ich, dass dort Leute, die sich um eine Gewerkschaft bemühen, abgemahnt und gefeuert werden. Es ist allerhöchste Zeit, dass die Gewerkschaften den Fokus auf das Dienstleistungsprekariat setzen. Und ich stimme dem Kommentar oben zu Ebay, Coca Cola, Telecolumbus, Mobile.de und Fedex sollten sich schämen.

  • Mich wollten die kürzlich beim Competence Call Center in Berlin für lächerliche 7€ brutto anstellen. Das sind 926€ netto. Soll ich für diesen Sklavenlohn arbeiten? Nein danke. Mit ALG1 und dank meiner Restschuldversicherung für meine Kreditschulden bin ich wesentlich besser dran OHNE Job. Es ist nur noch zum Kotzen mit solchen Sklaventreibern. Dann noch eBay, Sky und Zalando als aktuelle "Projekte". Das die 3 letztgenannten Firmen sich nicht SCHÄMEN uns CCAs dank Outsourcing des Kundensupports so dermaßen auszubeuten und am falschen Ende zu sparen, das ist echt das Letzte.

  • Mich wollten die kürzlich beim Competence Call Center in Berlin für 7€ anstellen. Nein danke. Mit ALG1 und dank meiner Restschuldversicherung für meine Kreditschulden bin ich wesentlich besser dran OHNE Job. Es ist nur noch zum Kotzen mit solchen Sklaventreibern. Dann noch eBay, Sky und Zalando als aktuelle "Projekte". Das die 3 letztgenannten Firmen sich nicht SCHÄMEN uns CCAs dank Outsourcing des Kundensupports so dermaßen auszubeuten und am falschen Ende zu sparen, das ist echt das Letzte.

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