2 Bewertungen ****
19.07.2008 
Auseinandersetzung in der Koalition

Mindestlohn und kein Ende

Eigentlich sollte der Kompromiss, den die Koalition zum Mindestlohn ausgehandelt hat, die Diskussionen um das Thema abschließen. Weit gefehlt. Der Wirtschaftsrat der CDU hat sich eingeschaltet - mit einem klaren Ziel: Der Kompromiss muss weg.

HB BERLIN. Damit stehen der großen Koalition weitere Auseinandersetzungen über die Einführung branchenspezifischer Mindestlöhne bevor. Der Wirtschaftsrat der CDU will den Kompromiss, den die Regierung am Mittwoch beschlossen hat, im Bundestag stoppen. Nach Informationen des "Focus" wird im Bundeswirtschaftsministerium zudem über "Bereinigungsgesetze" zu Mindestlohnregelungen nachgedacht. Sie könnten für den Fall greifen, dass sich die Kostenbelastung für die Wirtschaft in Zeiten abgeschwächter Konjunktur als zu groß erweist.

Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, warf den Sozialdemokraten eine "Salamitaktik" zugunsten ihrer Klientel vor. "Mit dieser Einigung am Kabinettstisch ermöglicht es die große Koalition den großen Gewerkschaften, die kleinen Gewerkschaften praktisch auszuschließen", sagte Lauk der "Welt am Sonntag". Deshalb müsse nun der Bundestag das Schlimmste verhindern: "Er muss den eindeutigen Bruch des Tarifrechts vermeiden und den Wettbewerb zwischen großen und kleinen Gewerkschaften sichern. Gelingt dies nicht, droht erneut ein Desaster beim Bundesverfassungsgericht."

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach monatelangem Ringen die von der Wirtschaft heftig bekämpften Gesetzentwürfe zur Ausweitung von Mindestlöhnen beschlossen. Beim Entsendegesetz ging es vor allem um die Frage, welcher Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt werden kann, wenn mehrere Verträge mit unterschiedlicher Lohnhöhe gelten. Bei konkurrierenden Tarifverträgen kann nun einer der beiden - und zwar der mit der geringeren Tragweite - verdrängt werden. Damit soll verhindert werden, dass eine Minderheit die Mehrheit dominiert.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte erneut scharf die Bundesregierung: "Renommierte Rechtswissenschaftler sehen in dem Kabinettsentwurf einen verfassungswidrigen Eingriff in unsere bewährte Tarifautonomie", sagte er der "B.Z. am Sonntag". Er erwarte deshalb, dass es im Bundestag noch wesentliche Änderungen geben werde. "Sollte das Gesetz so bleiben, würden staatliche Lohnfestsetzungen Tarifverträge verdrängen", befürchtet Hundt. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, sieht weiteren Diskussionsbedarf. "Der vorgestellte Kompromiss gibt keine klare Linie vor, da wichtige Punkte nicht geklärt, sondern erneut vertagt wurden", sagte er dem "Focus".

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Alles läuft auf ihn zu: Frank-Walter Steinmeier könnte die SPD bei der Wahl 2009 anführen. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick. Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

  • McCain begeistert die Rep...

    McCain begeistert die Republikaner

    Hurrikan Gustav und eine Schwangerschaft wirbelten den Parteitag der Republikaner durcheinander. Doch Vizekandidatin Palin begeisterte trotz des Familien-Skandals. Das Parteitreffen rundete dann John McCain mit einer umjubelten Rede ab.Bildergalerie 

  • Krönung und Konfetti

    Krönung und Konfetti

    Der Parteitag der Demokraten ist im vollen Gang. Die Show in Denver soll Begeisterung und Siegesgewissheit vermitteln. Es geht darum, die Herzen der Amerikaner zu gewinnen. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Mac bleibt Mac - aber reicht das?  Artikel in Merkliste

05.09.2008 von Georg Watzlawek

John McCain ist sich bei seiner Abschlussrede auf dem Parteitag der Republikaner treu geblieben. Auf direkte Angriffe auf seinen Konkurrenten Barack Obama verzichtet er. Allerdings auch auf jeden konkreten Verweis, wie er seine Lebenserfahrung zum Wohle der Amerikaner im Inneren einsetzen will. Kommentar