Mini-Renten
Ministerin will Altersarmut mit Steuergeldern bekämpfen

Mit Steuergeldern will Arbeitsministerin von der Leyen Mini-Renten aufstocken. Die Zuschussrente ist jedoch an Auflagen gebunden. Zu viele findet die Opposition und fordert eine echte Lösung der Altersarmut.
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BerlinBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die Renten von Geringverdienern durch steuerfinanzierte Zuschüsse aufstocken, erntet dafür aber Kritik von der Opposition. „Wir wollen ab 2013 eine Zuschussrente einführen“, sagte die Ministerin dem Hamburger Wochenblatt „Die Zeit“. SPD, Grüne und Linke bezeichneten das Vorhaben, das im Zuge des nun startenden „Rentendialogs“ beraten werden soll, am Mittwoch als ungenügend.

„Wer jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat, wer erzogen und gepflegt und dabei zusätzlich privat vorgesorgt hat, der wird eine Rente bekommen, die über der Grundsicherung liegt“, sagte von der Leyen. Sie nannte den Betrag von 850 Euro im Monat.

Voraussetzung sei eine 45jährige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung, bei der aber Schuljahre ab dem 17. Lebensjahr, Ausbildung-, Studien- und Krankheitszeiten sowie Phasen von Arbeitslosigkeit und Schwangerschaft angerechnet würden.

Dreißig Jahre müssten Beiträge an die Rentenkasse gezahlt worden sein, damit ein Anspruch auf eine Zusatzrente entsteht. Außerdem sei eine private Zusatzvorsorge über einen Riester-Vertrag oder eine Betriebsrente Voraussetzung.

„Wer als Geringverdiener ein Leben lang gearbeitet hat, schafft es oft nicht, eine eigene Rente zu verdienen, die über der Grundsicherung liegt“, sagte die Ministerin. „Das ist ungerecht, da müssen wir nachbessern“, sagte von der Leyen. Für das Jahr 2013 sei mit 15.000 bis 20.000 Berechtigten für die neue Zuschussrente zu rechnen, erklärte von der Leyen. In den Jahren danach werde die Zahl dann schnell bis auf 100.000 steigen, im Jahr 2035 sei mit gut einer Million Berechtigten zu rechnen.

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Linke fordert Mindestrente

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  • Stimmt, die Versicherer legen die "dank" Bundesregierung und Riester-Bürokratie erhöhten Verwaltungskosten um. Dadurch verschiebt sich math. der break-even-Punkt in die Zukunft. Anders gesagt: Die Riester-Renditen sinken durch die wegen Komplexität unverzichtbare Beratung.

    Die Alternative wäre vernünftig: Jeder Riester-Sparer erledigt Zulagen etc. einmal im Jahr direkt mit dem Finanzamt. Dann ist auch die ewige Erklärerei der Geldströme erledigt. Heute: Zulagen zahlt die Zulagenstelle in den Riester-Vertrag, Steuerersparnisse zahlt das FinAmt aufs Konto, jeder Ehepartner (auch ohne eigenes Einkommen) braucht seinen eigenen Vertrag. Wer versteht das? Steuern oder Eigenheimzulagen wurden ja auch nie getrennt. Rentenversicherungen bei Scheidung (50% aber nicht 100% der Fälle) wurden stets real geteilt.

    Und Sie haben auch recht: Wer sozusagen kurz vor der 45-Jahre-Schwelle "scheitert", sollte einen Riester-Schutz bekommen: Z.B. durch eine (à la Rürup-Tabelle gestaffelte?) Riester-Mindestlaufzeit. Übrigens: Wenn wir über gesetzl. Rente und Riester sprechen: JEDER kann riestern; jeder, der Pflichtbeiträge in die Gesetzliche Rente zahlt. So einfach ist das: Dann braucht man sich auch die lange Tabelle der geförderten Personenkreise nicht mehr merken.

  • Anonymer Benutzer: Rieksmeier
    Zitat:
    „FINANZIELLER ANALPHABETISMUS ... verhindert private Vorsorge“

    und die Beweisführung könnte von einem Versicherungsvertreter stammen.

    Nicht jeder kann Ristern es gibt Einschränkungen, im Internet nachzulesen. Risterrente ist nur in der Ansparphase vor Pfändung geschützt.
    Hab mal vor ca. 1 Jahr einen Ristervertrag nachgerechnet mit Zinseszinsformel und Taschenrechner und das Kleingedruckte gelesen. Von dem staatlichen Zuschuss hat im Allgemeinen nur die Versicherung etwas weil die Meisten gar nicht so alt werden wie bei der Berechnung angesetzt wurde.
    Hatte mich gefragt wer das Produkt zertifiziert hat.
    Was ist wenn man die Beitragsjahre zwar zusammenbekommt aber kurzzeitig nur Anrechnungszeiten durch H4 hat. Ist dann alles verloren. Anders erworbene Anrechnungszeiten werden wohl aber mit einbezogen. Also so einfach ist das alles nicht

  • Fortsetzung...


    Merke: Kindererziehung ist rentenrechtlich drei Jahre lang wie ein Einkommen von 2.600 € bewertet (echtes Einkommen aus Arbeit kommt hinzu: bis 5.500 gesamt). So bringt schon jedes Kind 82 € mehr Rente, auch der Geringverdienerin. Und nach der Kindererziehung? Da arbeiten viele Frauen Teilzeit und verdienen eher wenig. Hier kommt die nächste soziale Wohltat zum Tragen: Teilzeit bewertet die Deutsche Rentenversicherung je Kind bis zum 10. Lebensjahr 50% höher als das tatsächliche Einkommen. Bei drei Kindern kann sich dieser geförderte Zeitraum entsprechend erhöhen: Bis auf die gesamten geforderten 30 Jahre.

    Anders gesagt: Frauen (oder Männer) mit drei Kindern „belegen“ die geforderten 30 Jahre durchaus mit geförderten Zeiten. Arbeitslosigkeit oder Zeiten der Pflege kämen hinzu. Und der Hammer ist: Die Höhe des Einkommens spielte keine Rolle mehr! Hauptsache es handelt sich um die oben genannten Zeiten, von denen viele keine Arbeit und keinen Beitrag verlangen: 30 Jahre = 30 Beitragsjahre = Mindestrente 850 €. Fiskalisch würde das pro Jahr bedeuten (bis 2035 ansteigend auf) 1,5 Milliarden. Durchaus finanzierbar.
    Was wir sehen, das ist ein Vorschlag, der eigentlich von der SPD oder der Linken zu erwarten gewesen wäre. Und weil Frau von der Leyen als weitere Voraussetzung „Riestern“ verlangt, kommt das Ganze eine Riester-Pflicht gleich. Apropos fiskalisch: Natürlich rechnet sich jeder Haushaltsplaner im Bundesfinanzministerium die Quote derer aus, die dir Voraussetzung für die Zuschussrente nicht erfülle, weil sie gegen besseren Wissen (oder un/zumutbar wahrnehmbarer Information) „das mit dem Riestern“ vergessen. Versicherer nennen das Storno-Gewinne. Ludwog Erhardt: „Man kann die Pferde nur zur Tränke führen, saufen …“ ….nein: Das Zitat passt aus Gründen der Political Correctness nicht.

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