Minister Clement nimmt im fernen Asien eine Auszeit von der deutschen Misere
Großes Indien, große Zahlen

Ballack? Kahn? Die Kinder blicken freundlich, aber verständnislos. Der deutsch-indische Fußballdialog kommt noch nicht so recht in Gang. „Dann kennt ihr vielleicht Beckenbauer?“ Als Wolfgang Clement nachfragt, hellen sich die Mienen etwas auf. Beckenbauer? Nun ja: Zumindest Beckham sei durchaus bekannt.

NEU DELHI. Gesprächspartner des Bundeswirtschaftsministers sind 25 Jungs im Zentrum von „Butterflies“, einem Sozialprogramm für bettelarme Straßenkinder in der indischen Hauptstadt. Doch weil die „Schmetterlinge“ ihr Projekt an diesem Nachmittag dem deutschen Besucher so engagiert präsentieren, besteht Hoffnung, dass sie sich alsbald auch in der Bundesliga auskennen. Als Anreiz hat Clement Fußbälle und ein Versprechen im Gepäck: Für die WM 2006 bekommt der „Butterfly“-Treff einen Fernseher, auf dem die Spiele laufen – „vorausgesetzt, ihr prägt euch dann ein paar deutsche Namen ein“.

Auch das kann Standortpolitik sein, und Clement macht es sichtlich gern. Erst am Donnerstag hat er in Deutschland einem wenig begeisterten Publikum erklären müssen, warum die Zahl von 5,176 Millionen Arbeitslosen in Deutschland auf eine Trendwende zum Besseren deute. Nächste Woche wird er wieder mit der CDU/CSU um die Zuverdienstregeln für Arbeitslose knobeln. Im Vergleich dazu bietet eine zweieinhalbtätige Reise nach Indien zwar keine Entspannung, aber doch eine grundlegend andere Perspektive. Und das nicht nur, wenn es um kleine Hilfen für Straßenkinder geht.

Die fünfzigköpfige Wirtschaftsdelegation in Clements Begleitung lässt sich eher von den ganz großen Zahlen faszinieren, die für die wirtschaftliche Zukunft des indischen Subkontinents mit seinen 1,1 Milliarden Menschen stehen: Von hohen dreistelligen Milliarden-Euro-Beträgen, die in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur investiert werden sollen – in Straßen, Flughäfen, Kraftwerke. Von geschätzten 150 Millionen Mobiltelefonen, die sich in nächster Zeit absetzen lassen. Oder schlicht von sechs Prozent Wirtschaftswachstum jährlich.

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