Ministerin Hendricks auf Sommerreise
Müllkippe Ozean

Produkte aus Plastik sind unser ständiger Begleiter – und landen häufig im Meer. Die sieben führenden Industrienationen nehmen sich jetzt der Müllmassen an, weil sie den Menschen schaden, aber auch der Wirtschaft.
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StralsundMeere sind die große Müllkippe der Erde. Ob Plastiktüten, alte Flip-Flops, Feuerzeuge, leere Farbeimer oder Abfälle aus Fischerei und Schifffahrt: Tag für Tag landet Plastikmüll im Meer, jährlich 6,4 Millionen Tonnen – mitsamt den enthaltenen Giftstoffen, die am Ende auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen.

„Das ist ein Problem, dem wir uns international annehmen müssen“, findet Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, gerade auf Sommerreise in Mecklenburg-Vorpommern. Der Anfang scheint gemacht: die sieben führenden Industrienationen (G7) haben die Vermüllung auf ihrem Gipfeltreffen im bayerischen Elmau im Juni erstmals auf die politische Bühne gehoben und erklärt, die Ozeane von der wachsenden Verschmutzung zu befreien. Ein konkreter Aktionsplan steht noch aus, unstrittig ist aber, dass es sowohl um eine bessere Internationale Abfallentsorgung gehen muss als auch um Anreize zur Verringerung von Einwegprodukten bis hin zur Beseitigung des Mülls.

Mit den Meeresströmungen treibt das Plastik bis in die fernsten Winkel der Ozeane. Von Helgoland bis Hawaii wird der Plastikmüll als Strandgut angespült. Im Pazifik formt er riesige Müllstrudel. Im Nordpazifik treibt mittlerweile seit Jahrzehnten ein Müllstrudel namens Great Pacific Garbage Patch, der mittlerweile so groß ist wie Mitteleuropa. „Ein Irrsinn“, sagt SPD-Ministerin Hendricks, die am Donnerstag im Ozeaneum in Stralsund eine kleine Kopie eines solchen Müllstrudels zu sehen bekommt.

Problematisch sind nicht nur große handfeste Kunststoffteile, die ins Meer geworfen werden oder von Deponien durch den Wind und über Flüsse ins Meer getragen werden. Obwohl verboten, entsorgen viele Schiffe ihren Plastikmüll im Meer, Netze und Fanggeräte gehen über Bord.

Problematisch ist vor allem aber auch Mikroplastik. Mikroplastik findet sich in Cremes und Duschgels, aber auch in Reinigungsmitteln von Schiffen. Fleecepullis und andere Kunstfasertextilien verlieren beim Waschen winzige Fasern, die nicht über die Kläranlagen herausgespült werden und übers Abwasser ins Meer gelangen.

Das meiste Mikroplastik entsteht aber im Meer selbst, durch Sonne und Wellen wird das Plastik über Jahrzehnte immer kleiner geschreddert. Am Ende sind die Plastikteilchen winzig, nicht mal fünf Millimeter groß. Fische verwechseln Mikroplastik mit Plankton - alle Giftstoffe dringen so ins Fettgewebe der Tiere ein und gelangen damit auch in die Nahrungskette.

Die wirtschaftlichen Schäden lassen sich schwer beziffern. Bei Kraftwerken verursacht der Müll Schäden bei der Kühlwasseraufnahme, bei Entsalzungsanlagen blockiert er den Wasserkreislauf.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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