Ministerin lobt Unterstützung der Länder für Ganztagsschulen
Bulmahn verteidigt KMK gegen Wulff

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat die Kultusministerkonferenz gegen die Attacken des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) verteidigt. Dessen Ankündigung, aus der KMK auszusteigen um sie so zur Erneuerung zu zwingen, sei „nicht zielführend“.

bag BERLIN. „Wir brauchen ein Koordinierungsgremium“, sagte Bulmahn, von der zuletzt eher harsche Kritik an den Kultusministern kam. Angelaufene Reformen wie die bundesweiten Bildungsstandards dürfte man nicht durch „emotionale Vorstöße“ in Frage stellen.

Inhaltlich liegen beide Politiker jedoch nicht weit auseinander: Wie Wulff meint auch Bulmahn, die Arbeitsweise der KMK müsse dringend reformiert werden. Konkret fordert Wulff die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips – auch Bulmahn meint, es sei in „einer Reihe von Punkten nicht nötig“, zumal auch einstimmige Beschlüsse für die Länder „rechtlich gar nicht bindend“ seien.

Großes Lob zollte Bulmahn den Ländern für die nahezu flächendeckende Umsetzung des Ganztagsschulprogramms. Aus dem heftigen Widerstand vor allem der Unionsländer gegen das 4-Mrd.-Euro-Förderprogramm des Bundes sei nach einem Jahr „heftige Unterstützung“ geworden, bilanzierte sie. Für das begonnene Schuljahr stünden durch die Förderung mehr als 3000 neue Ganztagsschulangebote zur Verfügung. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 34 000 Schulen, davon die Hälfte Grundschulen.

Erfreulich sei, so Bulmahn, dass fast die Hälfte der geförderten Ganztagsschulen Grundschulen (1400) seien und somit ein Beitrag zur „frühen Förderung“. Diese Weichenstellung entspreche auch den Empfehlungen der OECD.

Das Bundesprogramm läuft bis 2007 und soll insgesamt rund 10 000 neue Ganztagsschulen ermöglichen. Neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern erhoffen sich Bildungspolitiker von Ganztagsbetreuung eine individuellere Förderung aller Schüler. Zugleich soll die verlängerte Schulzeit vor allem Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen bessere Chancen bieten. Die Pisa-Studie hatte gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg in Deutschland extrem groß ist.

Hoffnung setzen auch die deutschen Jugendrichter auf die Ganztagsschulen. Sie könnten beitragen, gefährdeten Jugendlichen eine sinnvollere Freizeitgestaltung zu ermöglichen und damit Straftaten vorzubeugen, hieß es auf dem Jugendgerichtstag.

Bei der Verteilung der Fördermittel des Bundes gehen die Bundesländer jedoch recht unterschiedliche Wege. Während vor allem die SPD-regierten Länder Nordrhein- Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie das CDU-regierte Saarland versuchen, mit dem Geld der Bundesbildungsministerin möglichst viele neue Ganztagsschulen einzurichten, setzt Niedersachsen auf einen konzentrierten Einsatz der Mittel. So schafft NRW mit den für 2004 zugesagten 131 Mill. Euro 785 neue Ganztagsangebote – Niedersachsen steckt eine fast ebenso hohe Summe in 186 Schulen. Die Bundesförderung kann nur für Investitionen und Sachmittel verwendet werden, Zusatz-Personalkosten müssen die Länder tragen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%