Ministerin unter Druck: Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans

Ministerin unter Druck
Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans

Annette Schavan will um ihren aberkannten Doktortitel und ihren Platz am Kabinettstisch kämpfen. Doch der Wind wird rauer: Hochrangige Vertreter aus dem Bildungsbereich halten sie als Ministerin für nicht mehr tragbar.
  • 18

BerlinNach der Aberkennung ihres Doktortitels werden aus Wissenschaft und Schule Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Annette Schavan (CDU) als Bundesbildungsministerin laut. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte sie zum Rücktritt auf. Die Causa Schavan werde in Deutschlands Bildungseinrichtungen „sehr aufmerksam“ beobachtet. „Schließlich  weiß man unter Deutschlands 11,5 Millionen Schülern und 2,5 Millionen Studenten recht genau, dass Schummeleien bei Prüfungsarbeiten zur Aberkennung der Prüfungsleistung führen“, sagte Kraus Handelsblatt Online. „Vor diesem Hintergrund und um der Bildungsdebatte in Deutschland nicht noch mehr bleierne Diskussionen zuzumuten, würde Frau Schavan dem Bildungswesen mit einem Verzicht auf ihr Ministeramt einen Gefallen tun.“

Der Rücktritt der Ministerin wäre „möglicherweise doch die richtige Konsequenz“, sagte auch der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen. Einzelne Professoren wie der Präsident der Humboldt-Uni Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, übten aber auch Kritik an der Entscheidung der Uni Düsseldorf, Schavan den Doktortitel abzuerkennen.

Die Ministerin ist noch bis zu diesem Freitag in Afrika. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit Schavan über deren Zukunft sprechen.

Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth sagte, Schavan befinde sich in einer „Glaubwürdigkeitsfalle“. „Sie hat nicht in dem Ausmaß wie der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg plagiiert. Der Fall holt sie jetzt aber ein“, sagte Langguth den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Die beschädigte Glaubwürdigkeit ist ein großes Problem, auch für die Kanzlerin.“ Diese werde nun abwarten, wie sich die Debatte entwickle. „Es ist möglich, dass sie dann ihre Vertraute, Frau Schavan, bitten wird, zurückzutreten.“

Kempen sagte im ZDF-„Heute Journal“, für ihn sei es nur schwer vorstellbar, dass die Ministerin ihr Amt weiter effektiv ausüben könne. Der Anwalt für Hochschulrecht, Christian Birnbaum, sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, er könne sich an keinen einzigen Fall erinnern, in dem jemand einen aberkannten Doktortitel durch ein Gerichtsverfahren wiederbekommen habe. Der Jurist geht davon aus, dass das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauern wird.

Unterstützung bekam Schavan vom Präsidenten der Berliner Humboldt-Uni, Olbertz, der Schavan derzeit auf ihrer Reise begleitet. Olbertz sagte dem „Focus“: „Vom Verfahren her ist die Entscheidung der Uni Düsseldorf anzuzweifeln. Die Bewertung der fraglichen Textpassagen hatte nicht die nötige Tiefe.“ Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, betonte: „Eine Ministerin muss man nach ihrer Kompetenz und Leistung beurteilen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Grund zum Rücktritt.“

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hielt Schavan zugute, „dass sogar Kapitalverbrechen nach 25, 30 Jahren verjähren“. Im Vergleich dazu seien Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten, in die ohnehin kaum jemand hineinblicke, nicht so schwerwiegend, sagte er dem Radiosender MDR Jump. Es sei eine deutsche Besonderheit, dass viele Promotionen nur sehr schwach betreut würden, erläuterte der Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes, der Münchner Physikprofessor Ulrich Schollwöck, im Deutschlandradio Kultur.

Die Uni Düsseldorf hatte der 57-Jährigen Schavan am Dienstag nach neun Monaten Prüfung wegen „vorsätzlicher Täuschung“ in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Schavan hat Klage gegen diese Entscheidung angekündigt.

Kommentare zu " Ministerin unter Druck: Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • stimmt garnicht, lt. Frau MERKEL haben wir die BESTE
    BUNDESREGIERUNG seit Bestehen und was Frau MERKEL sagt.................

  • bitte gleiche Massstaebe wie bei Herrn GUTTENBERG anlegen,alora ciao Frau SCHAVAN, uebel nur : wer
    wird nun (Kaffee)-Klatschpartner vion Frau MERKEL ?

  • brauchen WIR eine Schavan ? einfache Antwort : nicht unbedingt, aber mit WEM gestaltet die MERKEL ihren
    Kaffeeklatsch ? Bitte gleiche Massstaebe wie in der
    Sache GUTTENBERG Frau Schavan !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%