Ministerin unter Druck: Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans

Ministerin unter Druck
Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans

Annette Schavan will um ihren aberkannten Doktortitel und ihren Platz am Kabinettstisch kämpfen. Doch der Wind wird rauer: Hochrangige Vertreter aus dem Bildungsbereich halten sie als Ministerin für nicht mehr tragbar.
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BerlinNach der Aberkennung ihres Doktortitels werden aus Wissenschaft und Schule Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Annette Schavan (CDU) als Bundesbildungsministerin laut. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte sie zum Rücktritt auf. Die Causa Schavan werde in Deutschlands Bildungseinrichtungen „sehr aufmerksam“ beobachtet. „Schließlich  weiß man unter Deutschlands 11,5 Millionen Schülern und 2,5 Millionen Studenten recht genau, dass Schummeleien bei Prüfungsarbeiten zur Aberkennung der Prüfungsleistung führen“, sagte Kraus Handelsblatt Online. „Vor diesem Hintergrund und um der Bildungsdebatte in Deutschland nicht noch mehr bleierne Diskussionen zuzumuten, würde Frau Schavan dem Bildungswesen mit einem Verzicht auf ihr Ministeramt einen Gefallen tun.“

Der Rücktritt der Ministerin wäre „möglicherweise doch die richtige Konsequenz“, sagte auch der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen. Einzelne Professoren wie der Präsident der Humboldt-Uni Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, übten aber auch Kritik an der Entscheidung der Uni Düsseldorf, Schavan den Doktortitel abzuerkennen.

Die Ministerin ist noch bis zu diesem Freitag in Afrika. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland mit Schavan über deren Zukunft sprechen.

Der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth sagte, Schavan befinde sich in einer „Glaubwürdigkeitsfalle“. „Sie hat nicht in dem Ausmaß wie der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg plagiiert. Der Fall holt sie jetzt aber ein“, sagte Langguth den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Die beschädigte Glaubwürdigkeit ist ein großes Problem, auch für die Kanzlerin.“ Diese werde nun abwarten, wie sich die Debatte entwickle. „Es ist möglich, dass sie dann ihre Vertraute, Frau Schavan, bitten wird, zurückzutreten.“

Kempen sagte im ZDF-„Heute Journal“, für ihn sei es nur schwer vorstellbar, dass die Ministerin ihr Amt weiter effektiv ausüben könne. Der Anwalt für Hochschulrecht, Christian Birnbaum, sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, er könne sich an keinen einzigen Fall erinnern, in dem jemand einen aberkannten Doktortitel durch ein Gerichtsverfahren wiederbekommen habe. Der Jurist geht davon aus, dass das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauern wird.

Unterstützung bekam Schavan vom Präsidenten der Berliner Humboldt-Uni, Olbertz, der Schavan derzeit auf ihrer Reise begleitet. Olbertz sagte dem „Focus“: „Vom Verfahren her ist die Entscheidung der Uni Düsseldorf anzuzweifeln. Die Bewertung der fraglichen Textpassagen hatte nicht die nötige Tiefe.“ Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, betonte: „Eine Ministerin muss man nach ihrer Kompetenz und Leistung beurteilen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Grund zum Rücktritt.“

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hielt Schavan zugute, „dass sogar Kapitalverbrechen nach 25, 30 Jahren verjähren“. Im Vergleich dazu seien Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten, in die ohnehin kaum jemand hineinblicke, nicht so schwerwiegend, sagte er dem Radiosender MDR Jump. Es sei eine deutsche Besonderheit, dass viele Promotionen nur sehr schwach betreut würden, erläuterte der Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes, der Münchner Physikprofessor Ulrich Schollwöck, im Deutschlandradio Kultur.

Die Uni Düsseldorf hatte der 57-Jährigen Schavan am Dienstag nach neun Monaten Prüfung wegen „vorsätzlicher Täuschung“ in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Schavan hat Klage gegen diese Entscheidung angekündigt.

Kommentare zu "Lehrerverband fordert Rücktritt Schavans"

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  • stimmt garnicht, lt. Frau MERKEL haben wir die BESTE
    BUNDESREGIERUNG seit Bestehen und was Frau MERKEL sagt.................

  • bitte gleiche Massstaebe wie bei Herrn GUTTENBERG anlegen,alora ciao Frau SCHAVAN, uebel nur : wer
    wird nun (Kaffee)-Klatschpartner vion Frau MERKEL ?

  • brauchen WIR eine Schavan ? einfache Antwort : nicht unbedingt, aber mit WEM gestaltet die MERKEL ihren
    Kaffeeklatsch ? Bitte gleiche Massstaebe wie in der
    Sache GUTTENBERG Frau Schavan !

  • Bei klarem Hinsehen kann man nur sagen, wenig erreicht - Reichtum vermehrt. Schavan sollte ihr Ruheghalt genießen und hin- und wieder mal an die verzweifelten Rentner denken. Schlimm genug, wenn ein SPD-Vorsitzender meint, dieser Frau sei Widerwärtiges geschehen.

  • Mein Reden, denn...
    Der Schavan-Skandal weitet sich aus: Lehrer erkennen Schulabschlüsse ab!

    Als Lehrer bekomme ich eine völlig neue Sicht auf die Dinge, mein Gewissen bildet sich neu: Fällt mir doch nun auf, dass ich bei einigen Schülern in den vergangenen Jahren doch hätte die schlechtere Note geben sollen. Es tun sich Abgründe auf, denn mit den besseren Noten haben die Schüler Schulabschlüsse erhalten, die sie nun wirklich nicht verdient haben. Jetzt versuchen sich Schüler am Abitur, die Engländer für (Originalzitate!) "asoziale Bauern" halten, weil es keine adäquate Sie-Form im Englischen gibt und kurz vor ihrem FOR-Abschluss "6 geteilt durch 6" als "nicht lösbar" erachten . Ich muss diesen Schülern den Schulabschluss im Nachhinein doch aberkennen und werde damit hoffentlich Schule machen...

    http://www.raumderlehre.wordpress.com

  • Da Sie sich nicht mit Ihrem Klarnamen outen sondern anonym, dürfen Sie weiter fahren.
    Würden Sie ein öffentliches "Bekenntnis" ablegen und beichten, dass Sie geschummelt haben und dieses auch beweisbar wäre, dürften Sie ihren Führerschein los sein.

  • Man soll aufhören, die Entscheidung der Uni Düsseldorf zu relativieren - auch wenn es der Presse nicht gefällt - Schavan ist erledigt.

  • Die Eidesformel der Bundesminister nach Art. 56 (und Art. 64) GG lautet: „Ich schwöre, dass ...

    http://de.wikipedia.org/wiki/Eidesformel

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Merkel_II

    Wer den Eid geleistet hat der sagt immer die Wahrheit - oder ?

  • Meiner Meinung nach sollte das, was für Schüler, Studenten und jedem der im deutschen Bildungssystem in irgendetwas geprüft wird selbstverständlich auch für Doktoranten gelten! Wer einen Täuschungsversuch begeht und dabei erwischt wird, wird von der Prüfung ausgeschlossen. Gerade als BILDUNGSministerin sollte ihre Dissertation lupenrein sein. Ich an ihrer Stelle könnte morgens nicht mehr in den Spiegel sehen. Soviel zum Thema Vorbildfunktion. Gegebenenfalls sollte mal überprüft werden, ob nicht in der Politikerszene Täuschungen bei deren Qualifikationen an der Tagesordnung stehen- würde mich jedenfalls nicht sonderlich wundern.

  • wichtig ist für Fr. Schavan jetzt -
    Kämpfen bis zum letzten Taschentuch !!!

    Und wenn es sein muss einen Meineid gegen das gedruckte Wort schwören -

    EIN SCHWUR AUF DIE GEWISSENBILDUNG

    - das hat noch immer geholfen, auch in völlig aussichtslosen Situtationen...

    Damit die C-Parteien endlich Ihr Wahlversprechen einlösen und weitermachen können.

    Die Parole heißt: DURCHHALTEN - bald kommt ROSENROTE Verstärkung !

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