Ministerpräsident Roland Koch
Angelas bester Mann

Bei Umfragen wird dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch meist nur Kompetenz und Geradlinigkeit zugesprochen, dagegen kein sympathisches Auftreten. In der CDU wäre der Hardliner gerne als Retter des konservativen Flügels gesehen – Koch selbst hat allerdings andere Ansichten.

FRANKFURT. Was hat das Mädel da gerade gerufen? Die Staatskanzleimitarbeiter und Journalisten im Tross von Roland Koch schauen sich verblüfft an. Haben sie richtig gehört? Hat dieser hübsche Teenager mit der blond gesträhnten Dauerwelle und dem türkischen Akzent dem hessischen Ministerpräsidenten wirklich „Isch hab Sie lieb“ hinterhergerufen?

Nun darf man das nicht überbewerten. Wer weiß schon genau Bescheid über die Grußformeln der Migrantenkinder von Frankfurt-Höchst. Außerdem war das Mädchen, als es merkte, wer da an ihm vorbeiging, erst einmal kreischend davongelaufen. Was an den Fotografen lag, die von Koch auf seinem Gang über die Königsteiner Straße Bilder schossen. Aber dann war sie ihm hinterhergelaufen – mitsamt ihrer Freundin: und wollte auf ein Foto mit ihm. War ganz aufgeregt. Türkische Jugendliche: Isch hab Sie lieb! Zu Roland Koch!

In neun Monaten wird in Hessen gewählt. Und der Wahlkampf hat zumindest bei der SPD bereits angefangen, die Anzeigen mit dem Konterfei ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti schaltet. Denn die kennt nach wie vor nur jeder Zweite. Dafür sind ihre Sympathiewerte aber entschieden höher als die Kochs: Den halten nach einer Infratest-Umfrage zwar 84 Prozent seiner Landsleute für durchsetzungsstark, 72 Prozent bescheinigen ihm wirtschaftspolitischen Sachverstand. Aber nur 37 Prozent finden ihn sympathisch. Lediglich 28 Prozent halten ihn für ehrlich. Und jedem Dritten steht er entschieden zu weit rechts.

Die Öffentlichkeit hat ein fest gefügtes Bild von Koch. Demnach ist er ein erzkonservativer Hardliner und ein eiskalter Machtmensch obendrein. Ein klares Profil ist für einen Politiker nicht das Schlechteste, zumal in der CDU.

Dort wird viel geklagt in letzter Zeit: über den verwaisten konservativen Flügel der Partei, dem es an Köpfen fehle, die in diesen Von-der-Leyen-Zeiten die Sorge um die traditionelle Familie artikulieren. Darüber, dass es nach dem Abgang von Friedrich Merz keinen mehr gebe, der wirtschaftspolitisch so richtig klare Kante fahre. Warum also soll nicht Koch diese Lücke füllen, fragen sich viele.

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